Wolfsburg nach Hinspiel unter Druck
Geld schießt keine Tore, diese Fußball-Weisheit hat sich im Hinspiel der Relegation wieder einmal bewahrheitet. Im ersten Duell um den Bundesliga-Verbleib oder -Aufstieg fielen zwischen dem VfL Wolfsburg und Herausforderer SC Paderborn gar keine Treffer. Die Partie endete 0:0.
Allerdings können die Paderborner mit dem Ergebnis deutlich besser leben, schließlich hatte Wolfsburg seinen Heimvorteil im ausverkauften Stadion nutzen wollen, es kam aber anders. „Wir hätten uns gewünscht, zu gewinnen und ein, zwei Tore zu schießen. Jetzt haben wir am Montag ein Endspiel“, meinte VfL-Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt. „Es war ein typisches erstes Relegationsspiel. Es wollten natürlich noch nicht alle All-in gehen. Trotzdem bin ich weiterhin überzeugt, dass wir das am Montag machen.“
Paderborn mit einem Zehntel des VfL-Etats
Vergleicht man die beiden Klubs, kann es eigentlich nur einen Favoriten geben: Der VfL Wolfsburg, eine Konzern-Tochter der Volkswagen-AG, hat einen Spieleretat von geschätzt 60 bis 85 Millionen Euro. Die Paderborner werden dagegen hauptsächlich von einem Pharmaunternehmen gesponsort, das medizinische Cannabis-Produkte herstellt.
Hinzu kommen kleinere, lokale Geldgeber wie ein Bauunternehmer und sogar das Erzbistum Paderborn. Die Gehaltskosten der Mannschaft belaufen sich mit etwa acht bis neun Millionen auf ungefähr ein Zehntel von dem, was Wolfsburg diese Saison ausgibt.
Auf dem Platz war dieser Unterschied allerdings nicht zu spüren. Offensiv fehlte es den „Wölfen“ an zündenden Ideen und Durchschlagskraft. Paderborn zeigte sich vor allem defensiv gut aufgestellt und darf auf die Bundesliga-Rückkehr nach sechs Jahren hoffen. Fehlen wird im Rückspiel allerdings Verteidiger Jonah Sticker, der spät die Gelb-Rote Karte sah (90.+4).
Statistik auf Seiten von Bundesligist Wolfsburg
„Es war sehr, sehr viel Arbeit für uns. Das war uns schon vor dem Spiel klar, was uns hier in Wolfsburg erwartet“, sagte Paderborns Kapitän Laurin Curda. „Aber ich glaube, bei uns hat heute jeder alles auf dem Platz gelassen. Jetzt haben wir ein gutes Resultat rausbekommen.“
Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking, der erst Anfang März als dritter Wolfsburger Trainer der laufenden Saison nach Paul Simonis und Daniel Bauer verpflichtet wurde, rechnet sich dennoch Chancen aus. „In der Relegation ist klar, dass der Druck beim Erstligisten liegt. Den dürfen und wollen wir auch zulassen, weil es einfach so ist“, sagte er. „Aber ich weiß aus diesen Spielen und auch aus den letzten Jahren: Das erste Spiel ist meistens nicht das entscheidende.“
Die Statistik bestätigt Hecking und spricht klar für einen Verbleib der Wolfsburger in der Bundesliga. Seit der Wiedereinführung der Relegation in der Saison 2008/2009 schaffte es der Zweitligist nur dreimal aufzusteigen. Ansonsten setzte sich der Bundesligist durch und blieb im Oberhaus. Und nach einem Unentschieden im Hinspiel hat bisher noch nie ein Zweitligist das Rückspiel gewonnen.
