SpaceX: Der riskanteste Börsengang der Geschichte
SpaceX
Der riskanteste Börsengang der Geschichte
Elon Musk will mit SpaceX den größten Börsengang der Geschichte hinlegen – doch es könnte auch der gefährlichste werden. Der Gründer könnte dennoch neue Reichtums-Rekorde brechen
Elon Musk will sein Raumfahrt-Unternehmen SpaceX schon im Juni an die Börse bringen. Dafür hat er nun ein farbenfrohes Prospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, das einiges über das Unternehmen und vor allem über Musks astronomische Pläne verrät.
Musk plant den größten Börsengang der Geschichte: Laut Berichten der Financial Times will er 75 Mrd. Dollar einsammeln und hofft auf eine 1,75-Billionen-Dollar-Bewertung.
Noch Anfang Mai hatte sein Raumfahrt-Unternehmen SpaceX dafür sein KI-Unternehmen xAI übernommen. Weil beide zu Musks Firmenimperium gehören, hatte sich SpaceX dabei gewissermaßen selbst mit einem Firmenwert von 1,25 Billionen Dollar bewertet. Die neue 1,75-Billionen-Dollar-Bewertung läge extrem hoch – und wäre das 94-Fache des SpaceX-Umsatzes von 2025. Nur zum Vergleich: Der Google-Mutterkonzern Alphabet wird aktuell mit etwas mehr als dem Zehnfachen des eigenen Umsatzes von 2025 bewertet.
SpaceX: Aus den roten Zahlen – zum Mars
Der bilanziell größte Unterschied zwischen SpaceX und Konzernen wie Alphabet ist allerdings: Aktuell schreibt SpaceX noch Verluste. Im vergangenen Jahr kamen laut dem Börsenprospekt 4,94 Mrd. Dollar Verlust auf 18,67 Mrd. Dollar Umsatz. Auch in diesem Jahr ist die Bilanz nicht viel besser. So kam SpaceX im ersten Quartal 2026 auf 4,7 Mrd. Dollar Umsatz und auf einen operativen Verlust von 1,9 Mrd. Dollar.
Erst der größte Börsengang der Welt, dann Datenzentren im Weltall und die Reise zum Mars – so stellt sich Elon Musk die Flugbahn von SpaceX vor. Noch steht diese Rakete am Boden © Scott Schilke/ Sipa USA / Picture Alliance
Während das Unternehmen selbst damit noch tief in den roten Zahlen steckt, beschreibt Musk im Börsenprospekt aber schon den Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden und Passagiertransporte zum Mond und zum Mars. Langfristig will SpaceX auch riesige Datenzentren im Weltall bauen, die ihre Energie von der Sonne beziehen, durch das Vakuum des Weltalls gekühlt werden und so die Welt mit KI-Rechenleistung versorgen sollen. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass diese Pläne in absehbarer Zeit umsetzbar sind.
Für Elon Musk bedeutet das totale Kontrolle
Auffällig an dem Börsenprospekt ist aber vor allem eins: Elon Musk würde durch den Börsengang seine absolute Kontrolle über das Unternehmen zementieren. So würde eine Struktur mit zwei Aktienklassen Elon Musk 85,1 Prozent der Stimmrechte zuschreiben. Außerdem soll er gleichzeitig CEO sein, Technikvorstand und Verwaltungsratsvorsitzender. Dabei würde ihm die Eigentümer- und Stimmrechtsstruktur des Prospektes so viel Macht zuschreiben, dass er sich faktisch nur noch selbst von den Posten als CEO oder Verwaltungsratsvorsitzender abberufen könnte.
Sollte SpaceX tatsächlich mit der angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an die Börse gehen, würde dadurch auch Elon Musk selbst sehr viel reicher werden. Aktuell hält er etwa 41 Prozent an SpaceX. Diese Anteile wären dann 700 Mrd. Dollar wert. Und der reichste Mensch der Welt wäre damit auch der erste Dollar-Billionär der Welt. Auch die Anteile von SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell und Finanzvorstand Bret Johnsen wären dann Milliarden Dollar wert. Eine Dividende für die künftigen Aktionäre ist derweil laut Prospekt erst einmal nicht vorgesehen.
Das Musk-Imperium: reale Erfolge und schwierige Zahlen
Bei dem SpaceX-Börsengang kommen dabei Aspekte zusammen, die die einzelnen Teile von Musks Firmenimperium in den vergangenen Jahren ausgemacht haben. Einerseits hat Elon Musk sehr reale Durchbrüche geliefert: Unter seiner Leitung hat Tesla Elektroautos in den Mainstream gebracht. Das 2002 gegründete SpaceX ist Marktführer für Orbitalstarts. Musk hat mit SpaceX schon über 10.000 Internet-Satelliten vom Provider Starlink in die Erdumlaufbahn geschossen – und das mit Abstand größte Satellitennetzwerk gebaut. Diese Erfolge lassen Investoren hoffen.
Gleichzeitig musste Musk herbe Verluste einstecken: Aus dem Börsenprospekt geht auch hervor, dass SpaceX selbst kürzlich 1500 der schlecht laufenden Cybertrucks von Tesla abkaufte. Musks KI-Unternehmen xAI gilt im Wettrennen um die leistungsfähigste KI als abgehängt. Schlagzeilen machte xAI nur, als seine KI namens Grok sich im vergangenen Sommer selbst auf Musks Plattform X „MechaHitler“ nannte und Anfang dieses Jahres Millionen sexualisierte Bilder realer Personen generierte und auf X öffentlich postete.
Gleichzeitig verbrennt xAI als KI-Sparte von SpaceX große Summen Geld: Nach 12,7 Mrd. Dollar Sachinvestitionen (sogenannten „CapEx“), hauptsächlich im Bereich KI, machte xAI im Jahr 2025 nur 3,2 Mrd. Umsatz und erwirtschaftete damit 6,4 Mrd. operativen Verlust.
Nachdem sich das Investment in Grok erst mal nicht auszahlte, will SpaceX die Rechenpower jetzt an den Rivalen Anthropic vermieten. Immerhin: Anthropic will SpaceX dafür monatlich 1,25 Mrd. Dollar zahlen – bis Mai 2029. Der Deal wäre damit etwa 45 Mrd. Dollar wert – und würde zumindest die Ausgaben für die Rechenzentren mehr als ausgleichen.
Der größte Markt „der menschlichen Geschichte“
Langfristig, so geht aus den Papieren hervor, sieht SpaceX für sich selbst den größten Markt „der menschlichen Geschichte“ und hofft auf 28,5 Billionen Dollar, davon 26,5 Billionen in der Branche KI.
Neben den Plänen für Cargo-Flüge zum Mars und einer Kolonie auf dem Mond enthält das Prospekt auch einen gewissen Realismus: Die Unternehmungen seien komplex, manche davon könnten auch nie wirtschaftlich werden, so das Prospekt.
