Erneut weniger ausländische Investitionen in Deutschland


Baukräne stehen auf der Baustelle einer künftigen Chipfabrik.

Stand: 21.05.2026 • 11:48 Uhr

Lange war Deutschland ein attraktiver Standort für Investitionen aus dem Ausland. Aber seit Jahren geht die Zahl der Projekte zurück. Deutschland tut zu wenig, um für Investoren interessant zu bleiben, kritisiert ein Experte.

Die Investitionen ausländischer Unternehmen in Projekte in Deutschland sind weiter rückläufig. Das geht aus einer Auswertung von EY hervor, über die die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Seit 2006 erfasst die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Investitionsprojekte, „die zur Schaffung neuer Standorte und neuer Arbeitsplätze führen.“ 2025 sank die Zahl um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr, auf 548 Projekte.

Das sei der achte Rückgang in Folge und der niedrigste Stand seit 2009 – zu Zeiten der Finanzkrise. „Das ist ein Alarmsignal für den Standort Deutschland“, sagte EY-Deutschland-Chef Henrik Ahlers. Die Bundesrepublik werde abgehängt, andere europäische Standorte entwickelten sich deutlich besser.

In die Erhebung fließen lediglich die Anzahl der Projekte ein, Angaben zum Investitionsvolumen machte EY nicht. Die Analyse beruht nach Angaben der Beratungsfirma auf Daten von German Trade and Invest sowie auf eigenen Recherchen. Für andere Länder stützt sich EY ebenfalls auf eigenen Recherchen sowie auf Daten nationaler Wirtschaftsförderungsinstitutionen und Behörden.

„Vom Image ist nicht viel übrig geblieben“

Ahlers kritisiert die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen umgesetzt werden. „In Deutschland wird seit Jahren über notwendige Reformen geredet – echte und wirksame Reformschritte gab es allerdings kaum.“ In dieser Zeit hätte sich in anderen europäischen Ländern viel bewegt, dort wäre beispielsweise die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben, ihre Steuersysteme vereinfacht und attraktiver gestaltet worden.

„In Deutschland bremsen die hohe Steuerbelastung, hohe Arbeitskosten, die teure Energie und gleichzeitig eine lähmende Bürokratie das Investitionsgeschehen“, sagte Ahlers. Die „Reformunfähigkeit Deutschlands“ habe sich inzwischen weltweit herumgesprochen. „Vom Image als starker Qualitätsstandort und ökonomischer Fels in der Brandung ist leider nicht viel übriggeblieben.“ Es müsse dringend gegengesteuert werden.

Auch in anderen EU-Staaten stocken die Investitionen

Europaweit wurden laut EY im vergangenen Jahr 5.026 Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte ausländischer Investoren angekündigt – sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Dazu zählen etwa Ankündigungen aus den USA oder China, aber auch Projekte deutscher Unternehmen im Ausland, etwa in Frankreich.

Mit 852 Projekten lag Frankreich wie schon in den Vorjahren auf Platz eins, gefolgt von Großbritannien mit 730 Projekten. Beide Länder verzeichneten prozentual allerdings noch stärkere Rückgänge als Deutschland auf Rang drei.



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