Solidaritätskonzert für die Opfer von Crans-Montana
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana ist bereits Monate her. Doch noch immer werden Verletzte in Kliniken behandelt. In Lausanne gab es nun ein Gedenkkonzert für die Opfer – und Unterstützung für die Angehörigen.
Fast 2.000 Menschen sind zu dem Solidaritätskonzert nach Lausanne gekommen und haben dafür knapp 100 Euro Eintritt gezahlt. Menschen wie die fast 80-jährige Großmutter Claire-Lise. „Wir haben vier Enkel im Teenageralter und denken viel an all die jungen Opfer. Hier zu sein ist nur eine kleine Geste, aber es ging uns darum mehr zu tun, als nur zu Hause dran zu denken.“
„Die Erwachsenen haben versagt“, heißt es im Refrain des Chansons „Etoile de nos Cœurs“ über den verheerenden Brand in der Bar Le Constellation. Und so sieht es auch Hugues Blatti, der Vater von Luka, 18 Jahre alt. Luka feierte an Silvester mit zwölf Freunden im Constellation. Sechs von ihnen sind tot.
Konzert als Mahnung
Das Gedenkkonzert sei auch eine Mahnung, sagt Blatti auf der Bühne in Lausanne, dass die Welt der Erwachsenen die Kinder nicht zu schützen wusste. Sein Sohn Luka überlebte das Inferno in Crans-Montana schwer verletzt – so schwer, dass sein Vater ihn nicht erkannte, als er in der Silvesternacht verzweifelt nach ihm suchte.
Dreimal sei er an Luka vorbeigegangen, erzählt er im Interview. „Dann hörte ich eine Stimme, die auch nicht mehr seine war. Die Stimme sagte: ‚Papa ich bin es.‘ Erst dann verstand ich, dass das mein Sohn war. Aber ich habe ihn nicht erkannt.“
Monate im Koma
Zweieinhalb Monate lag Luka auf der Intensivstation im Koma. Und noch immer wird er im Krankenhaus von Lausanne behandelt. 60 Prozent seiner Hautoberfläche sind verbrannt. Zwei bis dreimal in der Woche wird Luka operiert. Er muss wieder neu laufen lernen, tastet sich langsam ins Leben zurück.
Es sei für die Familie wie eine zweite Geburt, sagt Hugues Blatti. Die Eltern arbeiten kaum noch, verbringen die meiste Zeit im Krankenhaus bei Luka – und fühlen sich alleingelassen von den Schweizer Behörden und der Politik. „Niemand übernimmt Verantwortung“, sagt der Vater. „Niemand kontaktiert uns. Weder die Gemeinde Crans-Montana noch der Kanton Wallis noch die anderen Kantone oder der Bund.“
Probleme bei Ausbildung wegen Verletzungen
Abgesehen von 10.000 Franken, die der Kanton Wallis allen Opferfamilien als Entschädigung überwiesen hat, habe er bislang keine Unterstützung bekommen, erzählt Blatti. Selbst bei der Ausbildung seines Sohns würden von den Behörden bei der Prüfungsordnung keinerlei Zugeständnisse gemacht.
Luka sei am Ende einer kaufmännischen Lehre gewesen, habe fünf von sechs Semestern mit guten Noten absolviert. „Erst hieß es, dass wegen der besonderen Umstände eine Ausnahme gemacht wird. Aber jetzt wurde uns mitgeteilt, dass nichts anerkannt wird und er also ohne Diplom dasteht.“
Unterstützung für Angehörige
Hugues Blatti ist Mitgründer der Stiftung Swisshearts, die Spenden von Privatleuten sammelt für die Familien der Brandopfer. Denn die müssen oft hohe Kosten bestreiten. Zumal viele verbrannte Kinder nicht wie Luka in der Schweiz im Krankenhaus liegen, sondern in Spezialkliniken in Frankreich, Deutschland oder Italien.
Auch die Erlöse des Solidaritätskonzerts in Lausanne sollen ihnen nun helfen beim schweren Kampf zurück ins Leben. Viele Menschen seien sehr großzügig und sehr mitfühlend, sagt Blatti. Und das sei wirklich das exakte Gegenteil zu den Behörden.

