Commerzbank: Hauptversammlung mobilisiert gegen Unicredit-Übernahme
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Alle gegen Unicredit: Hauptversammlung wird Bühne für Übernahmegegner
Die Hauptversammlung der Commerzbank mobilisiert den Widerstand gegen die Unicredit: Vorstand, Aufsichtsrat und Betriebsrat schließen die Reihen. Doch echte Machtspiele dürften ausbleiben
Die Hauptversammlung der Commerzbank am Mittwoch in Wiesbaden verspricht hitzig zu werden. Der Betriebsrat läuft sich schon warm für lautstarke Proteste gegen den Übernahmeversuch der italienischen Großbank Unicredit. Vorstand und Aufsichtsrat ziehen mit beim Protest. Aber viel mehr als lautstarkes Getrommel und Aufrufe an die Aktionäre, das noch bis 16. Juni laufende Angebot der Unicredit nicht anzunehmen, wird es nicht geben.
Wie im vergangenen Jahr werden die Unicredit oder Vertreter voraussichtlich gar nicht vor Ort sein – und damit auch nicht die 38,9 Prozent der Stimmen, auf welche die Bank direkt oder über derivative Optionen Zugriff hat. Einen öffentlichen Showdown, bei dem die Unicredit etwa den Aufsichtsrat übernehmen oder Entscheidungen blockieren könnte, wird es demnach wahrscheinlich nicht geben. Aber es dürfte laut werden. Und im Übernahmepoker bleibt es weiter spannend:
Erst am Montag haben sich Vorstand und Aufsichtsrat gemeinsam gegen das Angebot der Unicredit ausgesprochen und den Eignern der Bank von einer Annahme abgeraten. Ende vergangener Woche lag der Wert der Unicredit-Offerte – 0,485 eigene Aktien für eine Commerzbank-Aktie – mit 34,56 Euro unter dem Schlusskurs der Commerzbank-Aktie von 36,48 Euro. Eine Prämie erhalten Investoren derzeit also nicht, sie müssen sogar einen Abschlag hinnehmen.
Pflichtangebot überzeugt keinen
Die Führungsriege der Commerzbank ist sich zudem darin einig, dass die Unicredit die Konsequenzen einer Übernahme falsch einschätzt: So seien die Möglichkeiten, die Kosten zu senken, begrenzt und die Kosten für eine Restrukturierung lägen höher. Die Strategie sei zudem vage.
Dem stimmen auch Investoren zu: In der Strategie falle auf, dass zunächst eine Restrukturierung über drei Jahre vorgesehen sei, um die Commerzbank bei Prozessen, der Aufstellung und Produkten an Unicredit anzugleichen, analysiert Andreas Thomae, Sprecher der Dekabank. Erst danach sei eine Fusion mit der HVB geplant, die dann wiederum mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen würde. „Insgesamt reden wir über einen Zeitraum von fünf Jahren, was die Commerzbank intern binden würde mit der Gefahr, den Kundenfokus zu verlieren“, kritisiert er. Die eigene Strategie „Momentum 2030“ biete im Vergleich einen deutlichen Mehrwert: Geplant sind eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent und eine Profitabilität, die mit der von der Unicredit vergleichbar sein soll.
Der Betriebsrat warnt darüber hinaus davor, dass im Falle einer Fusion nicht nur wie derzeit aus Italien zu hören ist, bis zu 11.000 Stellen wegfallen werden, sondern bis zu 23.000. Das leiten die Arbeitnehmervertreter aus dem Vorgehen der Unicredit bei der Übernahme der Münchner Hypovereinsbank 2005 ab. „Die unausgereiften Vorstellungen der Unicredit bergen erhebliche Risiken und gefährden die auf Vertrauen und Verlässlichkeit aufgebauten Kundenbeziehungen der Commerzbank ebenso wie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Aufsichtsrats-Chef Jens Weidmann.
Fairer Wert bei 41,50 Euro
Unterm Strich wirkt das Angebot der Unicredit wie eine Farce, die niemandem etwas bringt. Die spannendsten Fragen bleiben offen: Hat die Unicredit lediglich ein (unattraktives) Pflichtangebot vorgelegt, um in Ruhe den Anteil auf über 30 Prozent aufstocken zu können? Sollen die Anteile über 50 Prozent steigen, sodass Unicredit-Vorstandschef Andrea Orcel einfach bei der Commerzbank durchregieren kann? Oder wird er das Angebot verbessern – sowohl was die Prämie als auch die Strategie angeht?
Orcel müsste eine ordentliche Schippe drauflegen. Nach Aussagen der Commerzbank bewerten unabhängige Analysten die Aktie der Commerzbank mit einem fairen Wert von 41,50 Euro. Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeiter werden bei der Hauptversammlung alles dafür geben, um diesen Preis weiter hochzutreiben.
