Rente: So viel Rente braucht es für ein Leben in der Mittelschicht
Rente
So viel Rente braucht es für ein Leben in der Mittelschicht
Zur Mittelschicht zu gehören, gilt für viele als Maßstab für ein gutes Leben. Doch was bedeutet das in der Rente – und wie hoch muss sie dafür sein?
Ein Leben in der Mittelschicht – das klingt nach einer Wohnung in guter Lage, nach einem verlässlichen Einkommen, das den Alltag trägt; nach dem Wocheneinkauf ohne ständiges Rechnen an der Kasse, nach dem Restaurantbesuch am Wochenende, nach Sommerurlaub einmal im Jahr, vielleicht nach einem Auto vor der Tür. Kurz: die Gewissheit, dass unerwartete Ausgaben nicht sofort zum Problem werden. Doch was heißt das finanziell konkret – und vor allem für den Ruhestand?
Gehören Sie zur Mittelschicht?
Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) orientiert sich die Mittelschicht am mittleren Einkommen der Gesellschaft. Dieses liegt für Singles bei rund 1.850 Euro netto im Monat. Wer zwischen 80 und 150 Prozent dieses Werts verdient, zählt laut Berechnungen des IW zur Mittelschicht – also grob zwischen 1.500 und 3.500 Euro netto.
Innerhalb dieser Spanne wird weiter unterschieden. Am unteren Rand geht es oft vor allem darum, den Alltag zu stemmen. In der Mitte bleibt Spielraum für Rücklagen. Am oberen Rand wird substanzieller Vermögensaufbau möglich. Wer zur Mittelschicht gehören will, muss also auch im Alter ein Einkommen erreichen, das in diese Größenordnung passt.
Angesichts steigender Lebenshaltungskosten und eines Rentensystems, das unter dem Druck der alternden Bevölkerung steht, braucht es wenig Fantasie, um zu erkennen: Die wenigsten werden im Ruhestand wohl ein Einkommen in dieser Höhe erreichen. „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“, sagte jüngst auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Sie wird nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern.“
Mit der Rente drohen harte Einschnitte
Das bestätigen auch aktuelle Daten der Deutschen Rentenversicherung. Demnach liegt die durchschnittliche Altersrente bei gerade einmal 1150 Euro monatlich. Über alle Rentner hinweg beträgt der durchschnittliche Zahlbetrag rund 1289 Euro. Selbst die sogenannte Standardrente nach 45 Beitragsjahren mit durchschnittlichem Einkommen kommt netto auf etwa 1600 Euro im Monat.
Das bedeutet: Selbst wer ein langes Erwerbsleben ohne größere Brüche hinter sich hat, erreicht oft nicht das Einkommensniveau, das für ein Leben in der Mittelschicht nötig wäre. Hinzu kommt, dass viele Erwerbsbiografien heute weniger geradlinig verlaufen als früher. Phasen mit Teilzeit, Kindererziehung oder niedrigeren Einkommen drücken die späteren Ansprüche.
Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten weiter. Besonders Mieten und Ausgaben für Gesundheit oder Pflege können im Alter stark ins Gewicht fallen. In den gesunden Jahren zu Beginn der Rente kann der Finanzbedarf sogar höher ausfallen. „Oft besteht der Wunsch, sich noch mal richtig was zu gönnen“, erklärt Rentenberater Thorsten Kullwitz aus Hannover. Ein Wohnmobil, Reisen in ferne Länder oder regelmäßige Restaurantbesuche seien typische Beispiele.
Auf die Rentenlücke kommt es an
Für die meisten führt deshalb kein Weg an zusätzlicher Vorsorge vorbei. Gerade wer keine abbezahlte Immobilie hat oder kein größeres Erbe zu erwarten hat, muss den Einkommensverlust im Alter aus eigenen Ersparnissen auffangen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von der sogenannten Rentenlücke. Gemeint ist die Differenz zwischen den erwarteten Einnahmen im Ruhestand und den Ausgaben, die nötig sind, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.
Als Orientierung gilt: Im Alter sollten etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung stehen. Wie groß die Lücke tatsächlich ist, hängt vom Einzelfall ab. Entscheidend ist, die zu erwartenden Einnahmen – etwa aus der gesetzlichen Rente – den voraussichtlichen Ausgaben gegenüberzustellen. Die Differenz zeigt, wie viel zusätzlich benötigt wird.
Ein Beispiel: Ein Single, der zuletzt 2500 Euro netto verdient hat, gehört damit zur Mittelschicht. Um den Lebensstandard zu halten, bräuchte er im Ruhestand rund 1750 bis 2000 Euro im Monat. Liegt seine gesetzliche Rente bei etwa 1300 Euro, ergibt sich eine monatliche Lücke von 450 bis 700 Euro. Auf den ersten Blick wirkt das überschaubar. Über die Jahre summiert sich der Betrag jedoch erheblich. Bei einer Rentenphase von 20 Jahren fehlen so schnell mehr als 100.000 Euro. Der Betrag fällt umso höher aus, je größer die Rentenlücke ist und je länger man lebt.
Um diese Lücke zu schließen, ist eine langfristige Geldanlage am Kapitalmarkt ein zentraler Baustein. Besonders Aktien haben sich als Mittel zur Altersvorsorge bewährt. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die eine breite Diversifikation bieten, gelten dabei als kostengünstige und flexible Option. Regelmäßige Sparpläne helfen zudem, Marktschwankungen auszugleichen, und können bei Bedarf an wechselnde Einkommen angepasst werden.
Ein „zu spät“ gibt es übrigens nicht: Selbst wer schon in den 50ern ist, kann nachweislich noch beträchtliches Vermögen aufbauen. Zumindest so viel, dass der jährliche Sommerurlaub auch in der Rente noch drin ist.
