Zahl der Hinrichtungen sind weltweit massiv gestiegen
Amnesty International veröffentlicht den jährlichen Bericht zur weltweiten Anwendung der Todesstrafe.
16.05.2026 | 0:47 min
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verzeichnete im vergangenen Jahr mindestens 2.707 Hinrichtungen in 17 Ländern – so viele wie seit 44 Jahren nicht mehr. In China und Iran wurden demnach die meisten Menschen hingerichtet.
Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt: Sie ist unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit.
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland
Dass immer noch Regierungen auf die Todesstrafe setzten, zeige eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben, sagte die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Julia Duchrow. Die Dunkelziffer schätzt die Organisation vor allem wegen des Umgangs mit der Todesstrafe in China noch deutlich höher ein.
Im Januar hat das iranische Regime Massenproteste im Land brutal niedergeschlagen. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International waren danach mindestens 30 Hinrichtungen geplant.
21.02.2026 | 0:22 min
Amnesty: Iran setzt Todesstrafe als Waffe ein
Der Anstieg werde vor allem durch Iran verursacht, wo mindestens 2.159 Menschen hingerichtet worden seien. Die unter Druck stehenden Machthaber setzten die Todesstrafe weiterhin als Waffe ein, um diejenigen zu bestrafen, die das System herausforderten, sagte Duchrow.
Im Iran können wir aktuell auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten.
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland
Auch in diesem Jahr sind nach den Massenprotesten im Januar im Verlauf des Krieges gegen die USA und Israel bereits mehrere Menschen in Iran exekutiert worden.
Videos aus Iran zeigen die Brutalität der Sicherheitskräfte. Augenzeugen und Experten sprechen von Massakern an Protestierenden.
26.01.2026 | 3:06 min
Amnesty geht von Tausenden Hinrichtungen in China aus
Die weltweit höchste Zahl an Hinrichtungen werde in China vollstreckt, teilte Amnesty mit – das tatsächliche Ausmaß bleibe aber unklar, weil entsprechende Daten zu Exekutionen „als Staatsgeheimnis gelten“. Die geschätzte Zahl gibt die Menschenrechtsorganisation mit mehreren Tausend an.
Auch hier werde die Todesstrafe eingesetzt, „um zu signalisieren, dass der Staat Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit oder Stabilität nicht toleriert“.
Amnesty International wirft der US-Regierung einen systematischen Angriff auf die Menschenrechte vor. Auch Deutschland wird für seine Tatenlosigkeit scharf kritisiert.
21.04.2026 | 1:29 min
Wieder mehr Hinrichtungen in den USA
In den USA verzeichnete Amnesty 47 Hinrichtungen und damit so viele wie seit 2009 nicht mehr. US-Präsident Donald Trump gilt als Befürworter der Todesstrafe, die in mehr als zwei Dutzend der 50 Bundesstaaten zugelassen ist. In mehreren Bundesstaaten wird sie allerdings de facto nicht mehr vollstreckt.
In den USA ändern sich die Regeln zur Todesstrafe auf Bundesebene. Künftig sollen verurteilte Straftäter auch durch Erschießen hingerichtet werden dürfen, teilte das Justizministerium mit.
25.04.2026 | 0:23 min
Drogendelikte werden mit dem Tod bestraft
Mit 1.257 von 2.707 dokumentierten Fällen wurde fast die Hälfte der bekannten Hinrichtungen wegen Drogendelikten in China, Kuwait, Saudi-Arabien, Singapur und in Iran vollstreckt. Amnesty kritisiert, dass auch in weiteren Ländern Gesetzesvorhaben vorangetrieben werden, um Drogendelikte mit der Todesstrafe ahnden zu können.
Die Todesstrafe verletzt die Würde des Menschen immer in ihrem Kern. Doch Menschen für Straftaten wie Drogendelikte hinzurichten, ist zusätzlich ein klarer Bruch des Völkerrechts.
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland
Die Todesstrafe dürfe ausschließlich bei „schwersten Verbrechen“ verhängt werden.
Israel will Todesstrafe ausweiten
Aufgeführt wird in dem Bericht auch das neue israelische Gesetz von diesem Jahr, das vorsieht, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend.
Israel richtet ein spezielles Militärgericht zur Strafverfolgung des Hamas-Überfalls ein. Das beschlossene Gesetz soll auch die Todesstrafe ermöglichen.
12.05.2026 | 0:31 min
Das Gesetz wird noch vom obersten Gericht in Israel überprüft. Kritiker warnen, dass das Gesetz de facto nur Palästinenser betrifft.
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Quelle: dpa, kna
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung heute journal update am 17.05.2026 ab 00:25 Uhr.
