Russlands Krieg gegen die Ukraine: Zahl der Toten in Kiew steigt auf 24
Nach schweren russischen Angriffen auf Kiew ist die Zahl der Toten auf mindestens 24 gestiegen. Die ukrainische Armee griff ihrerseits Ziele in Russland mit Drohnen an. Unterdessen begann ein Gefangenenaustausch zwischen beiden Seiten.
Bei den jüngsten schweren russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach neuen Angaben mindestens 24 Menschen getötet worden. Das teilte der nationale Rettungsdienst am Morgen nach Abschluss der 28-stündigen Bergungsaktion aus den Trümmern eines Wohnhauses mit. Unter den Toten seien drei Minderjährige. 48 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.
Am Donnerstagabend hatten die Behörden in Kiew noch von 16 Toten gesprochen. Russland hatte die Millionenmetropole und andere Städte mit Hunderten Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern attackiert.
Klitschko erklärt Trauertag
Für Kiew war es selbst in dem seit vier Jahren währenden Krieg ein außergewöhnlich heftiger Angriff. Der Bürgermeister der Stadt, Vitali Klitschko, erklärte den heutigen Freitag zu einem Trauertag.
Schon am Mittwoch hatte Russland mit mehr als 800 Drohnen eine der heftigsten und am längsten anhaltenden Attacken auf die Ukraine seit Kriegsbeginn im Februar 2022 ausgeführt.
Nach ukrainischen Behördenangaben wurden bei den jüngsten Angriffen landesweit Dutzende Wohnhäuser beschädigt. Auch das Umland von Kiew sowie die Gebiete Charkiw und Odessa wurden schwer getroffen.
Merz wirft Moskau Eskalation vor
Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb am Donnerstagabend im Onlinedienst X: „Die schwersten russischen Angriffe auf die Ukraine seit Langem zeigen: Moskau setzt auf Eskalation statt Verhandlung“. Kiew und seine Partner stünden „bereit für Verhandlungen über einen gerechten Frieden. Russland aber führt weiter Krieg“, fügte er hinzu.
Selenskyj forderte weitere Sanktionen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte nach den Angriffen schmerzhaftere Sanktionen für Russland. In ein Gebäude in Kiew sei ein Marschflugkörper vom Typ Ch-101 eingeschlagen, der erst im zweiten Quartal dieses Jahres hergestellt worden sei, sagte Selenskyj. Das bedeute, dass Russland die dafür nötigen Komponenten weiterhin beziehe und die weltweiten Sanktionen umgehe.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, die schweren russischen Angriffe während des China-Besuchs von US-Präsident Donald Trump zeigten, dass Moskau den Krieg trotz der Friedensbemühungen Washingtons fortsetzen wolle.
Es müsse mehr internationaler Druck auf Russlands Staatschef Wladimir Putin ausgeübt werden. „Ich bin sicher, dass die Staats- und Regierungschefs der USA und Chinas genug Einfluss auf Moskau haben, um Putin zu sagen, dass er den Krieg endlich beenden soll“, schrieb er auf X.
Ukraine schlägt mit Drohnenangriffen zurück
Die Ukraine reagierte mit einem ihrer größten Drohnenangriffe auf Ziele in Russland. Nach russischen Behördenangaben kamen dabei in der Stadt Rjasan drei Menschen ums Leben, zwölf weitere wurden verletzt. Zwei Wohnblocks und ein Industriebetrieb seien beschädigt worden, teilte der Gouverneur der Region, Pawel Malkow, mit.
Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, erklärte, die Truppen hätten in der Nacht 23 militärische Ziele und Einrichtungen in Russland sowie in den besetzten ukrainischen Gebieten getroffen.
Gefangenenaustausch begonnen
Unterdessen tauschten Russland und die Ukraine jeweils 205 Kriegsgefangene aus. Es sei der erste Schritt eines größeren Austauschs von 1.000 Gefangenen jeder Seite, teilte Selenskyj mit. Die heimkehrenden russischen Soldaten seien auf dem Gebiet von Belarus, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Es dankte den Vereinigten Arabischen Emiraten für Vermittlung bei der Aktion.
