Trumps größter ICE-Knast? Nicht bei uns, sagen seine Wähler
In einer konservativen Kleinstadt will die Trump-Regierung das größte Abschiebegefängnis des Landes errichten. Sie hat die Rechnung ohne die Anwohner gemacht
Jeden Morgen, wenn John Miller auf dem Weg zu seiner Pferdefarm an der riesigen Lagerhalle vorbeifährt, beschleicht ihn ein mulmiges Gefühl. Erst wenn er sieht, dass keine Bagger davorstehen, keine Arbeiter herumlaufen und das graue Monstrum noch immer unberührt wirkt, ist der 54-Jährige erleichtert. Dann weiß er: Der Umbau hat noch nicht begonnen. Der Umbau zum größten Abschiebegefängnis Amerikas.
Miller und seine Frau Kathlene haben Donald Trump gewählt. Wie rund 75 Prozent der 5000 Einwohner von Social Circle, einer typisch amerikanischen Kleinstadt im Herzen von Georgia. Es gibt hier eine Ampelkreuzung, einen Supermarkt, einen Friseursalon. Auf den Veranden wehen US-Flaggen, im „Bread & Butter“, dem einzigen Café an der Hauptstraße, begrüßt Kellnerin Kimberly ihre Gäste mit Vornamen. Ein Ort, an dem jeder weiß, wer am Sonntag nicht in der Kirche war und wo sich Nachrichten schnell verbreiten. Schlechte erst recht.
Der Schock war groß, als sich die kleine Gemeinde an Weihnachten plötzlich auf einer geleakten Liste des Heimatschutzministeriums wiederfand. Diese enthielt Orte, an denen landesweit zwei Dutzend Lagerhallen in ICE-Haftanstalten umgebaut werden sollten. Das Ausmaß der Pläne lässt die Einwohner von Social Circle seither schlecht schlafen: 90.000 Quadratmeter groß ist die Lagerhalle gegenüber der Farm der Millers, eine Fläche so groß wie zwölf Fußballfelder. Geht es nach der Trump-Regierung, sollen hier bald bis zu 10.000 Häftlinge unterkommen – doppelt so viele Menschen, wie in Social Circle leben.
„Es ist vollkommen schwachsinnig, so etwas in einer so kleinen Gemeinde zu errichten“, schimpft John Miller. „Ohne Planung, ohne Genehmigung, ohne die Menschen hier überhaupt zu fragen.“
Sieben Kinder, eine Pferdefarm und ein Baubetrieb: John und Kathlene Miller sind in Social Circle eng verwurzelt © Leonie Scheuble
In Washington gilt der Umbau des Haftsystems als entscheidend, um Donald Trumps Ziel von jährlich einer Million Abschiebungen zu erreichen. Die Zahl der Menschen in ICE-Haft ist seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 von rund 39.000 auf mehr als 70.000 gestiegen. Auf Druck des Weißen Hauses entstand so im Herbst 2025 im Heimatschutzministerium die sogenannte Initiative zur Neugestaltung der ICE-Haft – intern schlicht der Lagerhallenplan genannt. Die Idee: 23 leer stehende Lagerhallen im ganzen Land zu „Mega-Gefängnissen“ umzufunktionieren. Im Ministerium war die Erwartungshaltung, dass gerade republikanisch regierte Gemeinden diese Projekte begrüßen würden. Doch in Social Circle lautet die Reaktion „Not in my backyard“ – ein Satz, den sie sich am liebsten aufs T-Shirt drucken lassen würde, sagt Kathlene Miller.
Die ICE-Haftanstalt würde das Abwassersystem überfordern
Mitten auf der Hauptstraße von Social Circle steht ein Brunnen. Es ist eine Nachbildung, eine Erinnerung an die Gründung der Stadt im Jahr 1832. Einer Gedenktafel zufolge saß hier einst eine Gruppe Männer beisammen, tranken „ihr übliches Getränk“ und luden einen Fremden ein, sich zu ihnen zu gesellen. „Das ist wahrhaftig ein sozialer Kreis“, soll er gesagt haben. Der Stadtname war geboren.
Fast 200 Jahre später stehen die Brunnen von Social Circle im Mittelpunkt des Widerstands gegen die geplante ICE‑Haftanstalt. Eric Taylor führt ihn an. Er ist so etwas wie der inoffizielle Bürgermeister des Ortes. Bei einem Besuch in seinem Rathausbüro Mitte April wirkt der 55-Jährige noch immer fassungslos über das Vorgehen in Washington. In seinen 20 Jahren im Stadtmanagement habe er so etwas noch nie erlebt. „5000 Einwohner und dann plötzlich 10.000 Häftlinge dazu – das würde uns über Nacht verdreifachen.“ Er schüttelt den Kopf. „Das ist doch absurd.“
Am meisten sorgt er sich um die Auswirkungen auf die Infrastruktur, vor allem die Wasserversorgung und die Kanalisation. Das Versorgungssystem der Stadt, ausgelegt auf 5000 Menschen, gilt seit Jahren als anfällig. Social Circle darf täglich maximal eine Million Gallonen (ca. 3.785.412 Liter) Wasser aus dem nahegelegenen Alcovy River entnehmen – im Sommer verbraucht die Stadt davon bereits rund 800.000. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums würde die geplante Anlage allein eine Million Gallonen pro Tag benötigen. „Die Rechnung geht nicht auf“, urteilt Taylor. Noch gravierender sei das Abwasserproblem. Die Leitungen stammen aus den 1960er-Jahren, eine Erneuerung ist überfällig. „Wohin soll das Abwasser fließen?“, fragt Taylor. „Wir haben nicht die Kapazität, das Doppelte aufzunehmen.“
„In dieser Sache sind wir uns als Stadt einig wie nie – egal, wer wen gewählt hat“, sagt Stadtverwalter Eric Taylor. Wo er selbst politisch steht, will der 55-Jährige nicht verraten © Leonie Scheuble
Social Circle steht mit seinem Widerstand nicht allein. Andere Gemeinden, in denen neue ICE‑„Mega Centers“ entstehen sollen, wehren sich ebenfalls. In Michigan, New Jersey und Maryland wurden Klagen eingereicht, um die Projekte zu stoppen. In Mississippi und New Hampshire wiederum verhinderten Anwohner gemeinsam mit Lokalpolitikern die Pläne bereits im Vorfeld.
Auch Stadtverwalter Taylor suchte Hilfe in Washington – beim republikanischen Kongressabgeordneten Mike Collins und dem demokratischen Senator Jon Ossoff. Beide Politiker sicherten der Stadt ihre Unterstützung zu und versprachen, Druck zu machen. Die Regierung werde sich bald melden, hieß es. Doch noch bevor es zu einer Aussprache kommen konnte, wurde am 8. Februar öffentlich: Das Heimatschutzministerium hat die Lagerhalle bereits gekauft. Für fast 130 Mio. Dollar, mehr als das Vierfache des geschätzten Wertes. Der Umbau sollte sofort beginnen. Erste Grundrisse zeigen einen weitläufigen Zellentrakt, dazu Freizeitbereiche, Gerichtsräume, Kantinen – und sogar einen Schießstand. Ab Mitte Mai sollen die ersten Häftlinge kommen, insgesamt 7500 bis 10.000, dazu bis zu 2500 Mitarbeiter.
Als Taylor das Ausmaß der Pläne sieht, beschließt er, zu handeln. Anfang März lässt er die Wasserversorgung der Lagerhalle verriegeln. „Es geht darum, ein Statement zu setzen“, sagt er und klingt trotzig und stolz zugleich. „Wenn sie Wasser wollen, müssen sie erst mit uns reden.“
Sein Statement macht landesweit Schlagzeilen. Ausgerechnet das konservative Social Circle wird plötzlich zum Symbol des Widerstands gegen die Trump-Regierung.
Ein Brunnen auf der Hauptstraße erzählt die Stadtlegende von Social Circle © Megan Varner / REUTERS
Sie wählten Trump, weil sie genug hatten von staatlicher Regulierung
John Miller ist mittlerweile auch aktiv geworden. Im Sommer 2025 hat er die Nachbarschaftsgruppe „One Circle Community Coalition“ gegründet. Damals war das größte Aufregerthema der Bau von Rechenzentren im Umkreis – nun geht es um das graue Monstrum direkt vor seiner Haustür.
Miller empfängt im Büro des Familienbaubetriebs, eine Straßenecke vom Rathaus entfernt. Er entschuldigt sich für die staubigen Jeans. Den Morgen hat er bei den kranken Pferden auf der Farm verbracht. Schräg gegenüber sitzt seine Frau Kathlene, weißblondes Haar, eine silberne Kreuzkette um den Hals. Hinter ihrem Schreibtisch hängt ein Schild: „I am not bossy, I am the boss.“ Hinter seinem das Gegenstück: „I think I am the boss.“ Dazwischen ein Kamin, an den Wänden Fotos ihrer sieben Kinder. „Es gibt diesen Song“, erzählt Kathlene, „‚Everybody dies famous in a small town‘.“ In einer Kleinstadt stirbt jeder als Berühmtheit. Die 55-Jährige lächelt. „Das ist Social Circle. Wir kaufen im selben Supermarkt ein, sitzen nebeneinander auf der Baseballtribüne und in der Kirche.“ Dann wird sie ernst. „Früher dachten die Leute, unser Stadtname sei ein Scherz. Heute sind wir nur noch die Gefängnisstadt.“
Es ist John Miller, der am 6. Januar ein erstes Notfalltreffen einberuft. Rund 120 Menschen kommen, auch Eric Taylor. Gemeinsam verfassen sie einen vierseitigen Brief an das Heimatschutzministerium, in dem sie vor den Folgen für die Infrastruktur warnen. „Social Circle ist stolz darauf, Georgias großartigste Kleinstadt zu sein“, heißt es darin. „Unsere Identität gründet sich auf unseren ländlichen Charakter – und der ist mit einer Anstalt dieser Größenordnung unvereinbar.“ Wochenlang kommt keine Antwort. Erst nach dem abgeschlossenen Kauf reagiert das Ministerium. Es verweist auf mögliche Lösungen für die Wasserversorgung: neue Brunnen oder Wasser, das per Lastwagen aus benachbarten Landkreisen herangeschafft werden könnte. Miller ärgert das. „Als wäre das in dieser Größenordnung realistisch.“ Noch frustrierender sei der Ton der Regierung gewesen. „Statt auf unsere Argumente einzugehen, hieß es sinngemäß: Wer solche Fragen stellt, unterstützt kriminelle illegale Einwanderer.“ Er schnaubt verächtlich, um seine Wut zu unterstreichen.
Sichtbarer Protest gegen die Pläne der Trump-Regierung in Social Circle © Megan Varner / REUTERS
Die Millers sehen sich als „normale“ Republikaner, keine MAGA-Hardliner. Warum sie dreimal für Trump gestimmt haben? „Die Obama-Regierung hat uns als kleines Unternehmen fast kaputt reguliert“, erklärt John Miller. Er vertritt den konservativen Glaubenssatz: Je weniger Staat, desto besser. Beim Thema Einwanderung allerdings ist er zwiegespalten: Dass Trump die Grenze dichtgemacht hat, sei „überfällig“ gewesen. Aber durch seine Arbeit wisse er auch, wie sehr gerade das Baugewerbe auf Migranten angewiesen ist. Und um ein ordnungsgemäßes Verfahren zu gewährleisten, brauche es nun mal Haftanstalten, argumentiert Miller. In Social Circle sei dies jedoch keine ideologische Frage, sondern eine des Standorts – und der sei schlicht „ungeeignet“. „Die Regierung hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, sagt der Pferdefarmer mit dem Tonfall eines Bauleiters, der einen fehlerhaften Plan begutachtet.
„Wir glauben an ICE und daran, dass ihre Arbeit wichtig ist“, erklärt auch seine Frau. Aber hier gehe es nicht um pro-ICE oder anti-ICE, sondern um Wasser oder kein Wasser. „Wir sind uns einig – Republikaner wie Demokraten: Das hier ist kein geeigneter Ort.“
Die Bedenken der Einwohner haben unterschiedliche Gründe
Wer einen Nachmittag im „Bread & Butter“ verbringt, dem hellen Eckcafé an der Hauptstraße, bekannt für seine hausgemachten Zimtschnecken, spürt, wie sehr die ICE-Pläne die kleine Gemeinde aufwühlen. Steven, ein Handwerker in Latzhose, holt sich gerade ein Sandwich. Er hat Trump gewählt. Die Arbeit von ICE findet er „richtig und wichtig“. Aber ein Abschiebegefängnis hier in Social Circle? „Nein, danke“, sagt er. „Das würde unsere Stadt zerstören.“ Für Susan, eine dreifache Mutter, geht es vor allem um Sicherheit. Die Lagerhalle liegt nur fünf Autominuten von der Grundschule entfernt. „Was ist, wenn die ausbrechen?“, fragt sie, während sie an ihrem Iced Latte nippt. Mit „die“ meint sie die Migranten.
Gareth Fenley, 64, ist eine herzliche Frau, die einen nicht mit Handschlag, sondern Umarmung empfängt. Die Sozialarbeiterin mit der langen grauen Mähne lebt seit acht Jahren in Social Circle. Sie nennt sich eine „altmodische Demokratin“, kandidierte 2024 für den Senat in Georgia – und verlor. Doch Fenley ist niemand, die lange Wunden leckt. Nach Trumps Wahlsieg gründete sie einen lokalen Ableger des landesweiten „Indivisible“-Graswurzelnetzwerks, das sich für linke Politik starkmacht. Als sie an Weihnachten von den ICE-Plänen erfuhr, witterte die gläubige Christin ihren Moment.
600 Menschen tragen am 8. März ihren Protest gegen das ICE-Gefängnis auf die Straße © ERIK S. LESSER
Schon lange ist sie erschüttert vom Umgang der Trump-Regierung mit Migranten, der hetzerischen Rhetorik, den zunehmenden Berichten über Gewalt bei ICE‑Einsätzen. Dass jetzt auch noch Massengefängnisse gebaut werden sollen, hält sie schlicht für unmenschlich. Berichte über erschreckende Zustände in ICE‑Hafteinrichtungen bestärken sie darin. Bürgerrechtsgruppen dokumentieren seit Monaten Fälle von Überbelegung, Unterversorgung und mangelhafter medizinischer Hilfe. Nach eigenen Angaben von ICE starben allein 2025 mindestens 32 Menschen in Gewahrsam – die höchste Todesrate seit mehr als zwei Jahrzehnten.
Mit ihrer Gruppe startete Fenley eine Protestkampagne, die über die Grenzen von Social Circle hinausgeht. Wochenlang ging sie von Haustür zu Haustür, sprach mit Nachbarn über das geplante Abschiebegefängnis, verteilte Flyer und appellierte an die gewählten Vertreter in Washington. Anfang März organisierte sie gemeinsam mit anderen Gruppen einen überparteilichen Straßenprotest. Mehr als 600 Menschen kamen. Einer der Redner: John Miller. Es ist nur eine von vielen ungewöhnlichen Allianzen, die dieser Widerstand hervorgebracht hat.
„Wir brauchen jede Stimme im Widerstand“
Fenley ist sich bewusst, dass viele ihrer konservativen Mitstreiter nur protestieren, weil das Gefängnis vor der eigenen Haustür entstehen soll. Ist das heuchlerisch? Fenley wiegelt ab. Wer Mitgefühl mit Migranten hat, sollte auch Mitgefühl mit den Nachbarn haben, meint sie. „Viele Menschen glauben Trumps Propaganda, dass alle Migranten Mörder und Vergewaltiger sind.“ Diese Ängste müsse man ernstnehmen.
Die Debatte zeigt, wie unterschiedlich die Realitäten in Amerika geworden sind – selbst in der eigenen Nachbarschaft. Umso wichtiger sei eine Botschaft, so Fenley, hinter der sich möglichst viele versammeln können – auch Konservative, auch Trump-Wähler. Also nicht Anti-ICE, nicht Anti-Konzentrationslager, wie es manche auf Seiten der Linken nennen, sondern einfach: Diese Haftanstalt ist hier nicht willkommen.
„Wir brauchen jede Stimme im Widerstand“, sagt Fenley – so laut, dass sich die Gäste am Nebentisch umdrehen.
Gareth Fenley glaubt, dass der gemeinsame Widerstand von Demokraten und Republikanern in Social Circle zeigt, „dass wir auch als Land eine Zukunft haben“ © Leonie Scheuble
„Die Leute wollen, dass wir klagen“
Anfang April nahmen die Dinge im Rathaus von Social Circle eine überraschende Wendung. Eigentlich hatte Stadtverwalter Eric Taylor Vertreter des Heimatschutzministeriums empfangen wollen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Doch in letzter Minute wurde das Treffen abgesagt. Man wolle das gesamte Projekt zur Umwandlung von Lagerhallen in ICE-Haftanstalten noch einmal überprüfen, hieß es plötzlich aus Washington. Bis dahin würden die Bauarbeiten in Social Circle pausiert.
Eric Taylor ist darüber erleichtert. Aber er ahnt, dass dieser Sinneswandel weniger auf den Protest seiner Stadt zurückzuführen ist als auf die internen Turbulenzen im Heimatschutzministerium (DHS). Anfang März feuerte Trump die umstrittene DHS-Chefin Kristi Noem und ersetzte sie durch Markwayne Mullin, einen seiner loyalsten Senatoren. Eine Anfrage des stern beim Heimatschutzministerium bestätigt Taylors Eindruck. „Wie bei jedem Führungswechsel prüfen wir derzeit die Richtlinien und Vorschläge der Behörde“, heißt es in der Stellungnahme. Mit Blick auf Social Circle verweist ein Sprecher auf ein Zitat Mullins aus seiner Anhörung: „Wir möchten mit den Gemeinden zusammenarbeiten. Wir wollen gute Partner sein.“
In der Kleinstadt ist die Stimmung vorsichtig optimistisch
Taylor hofft, dass die Verantwortlichen in Washington inzwischen erkannt haben, dass sie einen Fehler gemacht haben. Der Abgang Noems habe womöglich einen gesichtswahrenden Ausweg eröffnet. Denn von Mitarbeitern innerhalb der Behörde habe er immer wieder gehört, dass der Lagerhallenplan intern umstritten sei. Und falls das Ministerium sich am Ende doch für Social Circle entscheidet? „Wenn es hart auf hart kommt, liegen alle Optionen auf dem Tisch“, sagt Taylor. „Die Leute wollen, dass wir klagen.“
So sieht es auch die Demokratin Gareth Fenley. Sie hofft, dass es gar nicht erst so weit kommt und die Trump-Regierung das Projekt still beerdigt. Gleichzeitig glaubt sie, dass der Streit die Stadt politisch verändert hat. Mit Blick auf die anstehenden Midterms sagt sie: „Viele meiner Nachbarn wollen ihre Trump-Stimme zurück.“ John Miller sieht das skeptischer. „Wer vorher für Trump war, ist es wahrscheinlich immer noch.“ Hat sich für ihn persönlich etwas verändert? Miller schweigt einen Moment. „Meine Grundwerte sind immer noch sehr konservativ.“
Klar ist aber auch: Solange die ICE-Pläne nicht offiziell gekippt sind, bleibt er in Alarmbereitschaft.
Also fährt Miller weiter jeden Morgen mit mulmigem Gefühl an der grauen Lagerhalle gegenüber seiner Farm vorbei. Erst wenn er sieht, dass keine Bagger davorstehen, keine Arbeiter herumlaufen und die Halle noch immer unberührt wirkt, ist er erleichtert. Dann weiß er: Zumindest heute hat der Umbau zum größten Abschiebegefängnis Amerikas noch nicht begonnen.
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