Rentenpunkte kaufen 2026: Lohnt sich das dieses Jahr?
Rentenpunkte
„Damit haben die Erfinder des Rentensystems nicht gerechnet“
Wer Rentenpunkte kauft, erhöht seine spätere Monatsrente. Doch wegen des steigenden Durchschnittslohns wird der Kauf teurer – und zum Problem für bestimmte Berufsgruppen. Ein Experte erklärt, was jetzt zu tun ist
Herr Geyer, 2026 verteuern sich die Rentenpunkte. Für einen Punkt muss man nun brutto rund 1450 Euro pro Jahr mehr verdienen als 2025 – oder 120 Euro pro Monat. Was für ein Mechanismus liegt dem zugrunde?
JOHANNES GEYER: Die Rente folgt einer Anpassungsformel, die die Entwicklung der beitragspflichtigen Löhne und Gehälter nachvollzieht. In den 1950er Jahren hat man entschieden, dass die Rentner am Wirtschaftswachstum partizipieren sollten. Deshalb gibt es einen Rentenpunkt für das sogenannte „Durchschnittsentgelt“, das die Bundesregierung jedes Jahr per Rechtsverordnung neu festlegt, auf der Grundlage der statistischen Lohnentwicklung. Wer mehr verdient, erwirbt dann in dem entsprechenden Jahr zum Beispiel 1,2 Rentenpunkte. Wer weniger verdient, 0,9 Punkte. Und nach einigen Jahren mit sehr geringer Inflation ist die Teuerung stark angezogen, das kommt jetzt bei den Löhnen an.
Damit wird es nun aber teurer für Beitragszahler, sich ihre Rentenpunkte zu verdienen. Viele Medien beschreiben das als Problem. Sehen Sie das genauso?
Nein, zumindest nicht als großes, sondern als eine ganz normale Anpassung, die halt im System so vorgesehen ist. Rentenpunkte sind manchmal billiger und manchmal teurer. Das hängt an der relativ komplizierten Art und Weise, wie die berechnet werden, und es folgt keiner Gerechtigkeitsperspektive.
Wenn man den Effekt durchrechnet und auch den neuen, gestiegenen Rentenwert in die Rechnung einbezieht, erkennt man: Absolut betrachtet steigen die Rentenansprüche sogar, wenn auch nur ein wenig. Macht das System also genau das, was es soll?
Ja, ich finde schon. Genau dafür ist der Mechanismus da. Wenn ich 2026 nun auf einmal weniger verdiene als das neue Durchschnittseinkommen und jetzt plötzlich unter einen Rentenpunkt falle, dann mag sich das psychologisch nicht gut anfühlen. Aber ich wüsste nicht, warum der Durchschnitt das Maß sein sollte. Ich erwerbe ja weiterhin Rentenansprüche, und wenn der Rentenwert sich entsprechend mitentwickelt, dann steigt rechnerisch auch die Rente, die ich in der Zukunft mal bekommen werde.
Was ist mit Menschen in Branchen, in denen die Gehälter langsamer oder gar nicht steigen?
Wenn Sie in einem Bereich arbeiten, in dem die Löhne lange nicht steigen und auch künftig kaum steigen werden, verlieren Sie relativ an Rentenanspruch, sobald der Durchschnittslohn – und damit die Kosten für einen Rentenpunkt – steigt. Sie arbeiten genauso viel, Sie verdienen genauso viel, aber weil alle anderen Löhne steigen, haben Sie relativ gesehen weniger Rente zu erwarten.
Die Verteilung der Rentenpunkte verschiebt sich mit dem neuen, höheren Durchschnittslohn nach oben. Diesen Effekt gibt es. Das Thema kam Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre schon einmal auf, als der Niedriglohnsektor sich stark ausgeweitet hat. Die Erfinder des Rentensystems haben mit so etwas nicht gerechnet. Sie sind davon ausgegangen, dass langfristig alle Löhne gleichermaßen und stetig steigen.
Was können Beitragszahler tun, die jetzt zurückfallen? Schleunigst ihr Gehalt nachverhandeln?
Die meisten haben bei Gehaltsverhandlungen nicht allzu viele Möglichkeiten. Aber wer schon in den vergangenen zwei Jahren trotz stark gestiegener Inflation zurückstecken musste und keine Erhöhung bekommen hat, der hätte jetzt für die nächste Verhandlungsrunde zumindest noch ein Argument mehr. Er könnte seinem Chef zu Recht sagen: Du hast mir die Inflation schon nicht ausgeglichen, jetzt kommt der nächste Effekt zu meinen Ungunsten, weil die Rentenpunkte steigen. Aus meiner Sicht ist das aber ein nachgeordnetes Argument. Viele Leute bräuchten sowieso aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten dringend eine Lohnanpassung. Auch weil sie dann wieder Spielräume gewinnen, um privat vorzusorgen.
Ist es auch eine Option, Rentenpunkte nachzukaufen?
Das ist in der Tat gar nicht uninteressant. Und wenn Sie die Altersgrenze von 50 erreicht und vielleicht eine kleine Erbschaft gemacht haben, dann kann es sich lohnen, bei der Deutschen Rentenversicherung einen entsprechenden Antrag zu stellen. Man erkauft sich dann einen zusätzlichen Rentenpunkt, so als hätte man ein Jahr Beiträge aus dem Durchschnittslohn eingezahlt. Aber auch hier ist der Rentenpunkt teurer geworden, weil das Durchschnittsgehalt gestiegen ist: von 9392,00 Euro auf 9661,58 Euro – das sind fast 270 Euro mehr.
Einkommen und Rentenpunkte
2026 steigt der rechnerische Durchschnittslohn von 50.493 Euro auf 51.944 Euro, das sind fast drei Prozent. Entsprechend teurer wird ein Rentenpunkt. Wer auch 2026 weiter das alte Durchschnittseinkommen von 2025 verdient (50.493,00 Euro), der fällt auf 0,97 Rentenpunkte zurück. Weil gleichzeitig aber der Rentenwert steigt (von 39,32 Euro auf 40,79 Euro), liegen seine Rentenansprüche rechnerisch dennoch leicht höher als im Vorjahr.
| Einkommen pro Jahr |
pro Monat | Rentenpunkte 2026 | * Rentenwert 2026 * 39 Beitragsjahre |
|
10.000,00 € |
833,33 € |
0,19 |
306,25 € |
|
15.000,00 € |
1.250,00 € |
0,29 |
459,38 € |
|
20.000,00 € |
1.666,67 € |
0,39 |
612,51 € |
|
25.000,00 € |
2.083,33 € |
0,48 |
765,64 € |
|
30.000,00 € |
2.500,00 € |
0,58 |
918,76 € |
|
35.000,00 € |
2.916,67 € |
0,67 |
1.071,89 € |
|
40.000,00 € |
3.333,33 € |
0,77 |
1.225,02 € |
|
45.000,00 € |
3.750,00 € |
0,87 |
1.378,15 € |
|
50.000,00 € |
4.166,67 € |
0,96 |
1.531,27 € |
|
51.944,00 € |
4.328,67 € |
1,00 |
1.590,81 € |
|
55.000,00 € |
4.583,33 € |
1,06 |
1.684,40 € |
|
60.000,00 € |
5.000,00 € |
1,16 |
1.837,53 € |
|
65.000,00 € |
5.416,67 € |
1,25 |
1.990,66 € |
|
70.000,00 € |
5.833,33 € |
1,35 |
2.143,78 € |
|
75.000,00 € |
6.250,00 € |
1,44 |
2.296,91 € |
|
80.000,00 € |
6.666,67 € |
1,54 |
2.450,04 € |
|
85.000,00 € |
7.083,33 € |
1,64 |
2.603,17 € |
|
90.000,00 € |
7.500,00 € |
1,73 |
2.756,29 € |
|
95.000,00 € |
7.916,67 € |
1,83 |
2.909,42 € |
Quelle: Deutsche Rentenversicherung, eigene Berechnungen; Bruttobeträge (abzüglich Pflege- und Krankenversicherung und ggf. Steuern).
Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im Januar 2026. Er wurde aktualisiert.
