Franz Mon zum Hundertsten: Ein Hoch auf die Sprache

So viel poetisches Potential zwischen zwei Buchdeckeln: Das typographisch sprachspielende Gedicht „ich bin ein einzelner mensch“ ist ein Kondensat mit dem Titel „einzelheiten heinrich heines“, herausgelöst aus dessen „Der Rabbi von Bacharach“. Was Franz Mon selbstverständlich ebenso konsequent klein geschrieben hat wie den Satz „in den gärten äsen die toten“ (1960), ein Gedicht aus der ersten Werkphase Mons, das wie ein Schuss wirkt. Es bleibt, wie das Wort „herzzero“ oder „Mehlmann“ und so vieles andere, wenn man erst einmal in Mons Werk eingetaucht ist. Franz Mon, als Franz Löffelholz am 6. Mai 1926 in Frankfurt geboren, das er nur selten verließ und wo er am 7. April 2022 gestorben ist, war ein bescheidener Mann mit einem ungeheuer großen Werk.
Ein Sprach- und Sprachbildkünstler, der aus Schreibmaschinenbuchstaben Landschaften und Räume machte und Konjunktionen so lang reihen konnte, bis im Lesen das Schriftbild und der Wortsinn neue Dimensionen erlangten. Ein Glück, dass das Werk bleibt. „Zuflucht bei Fliegen“, 2013 im Verlag S. Fischer herausgegeben von Michael Lentz, ist immer noch und weiterhin eine bündige Weltreise auch für Neuankömmlinge im Werk von Franz Mon. Dessen Installation „mortuarium für 2 alphabete“ hatte in jenem Frühjahr, als Mon starb, die Friedberger Galerie Hoffmann als „Variation I“ gezeigt, die „version ii“ (1969/2021) verwahrt das Frankfurter Museum für Moderne Kunst.
In Marbach, wo das Deutsche Literaturarchiv seit 2025 den Nachlass Mons übernommen hat, wird am 6. Mai zu Mons hundertstem Geburtstag über das „mortuarium“ gesprochen. In der Frankfurter Romanfabrik wiederum, wo Mon oft Gast gewesen ist, ehren ihn am selben Geburtstag Nora Gomringer und Peter Hauff von Oulipo Frankfurt. Ein Abend über das Potential von Sprache, Poesie und Spiel.
