KI-Blase: Warum einige Aktienkurse steigen und andere fallen



Gelegentlich hilft es, sich Dimensionen großer Zahlen mit Vergleichen zu verdeutlichen. 660 Milliarden Dollar haben die Hyperscaler, also die sehr großen Cloud-Anbieter als Investitionen in ihre Rechenzentren angekündigt, um der unfassbar großen KI-Datenmengen Herr zu werden. Alleine für dieses Jahr. Das Infrastruktur-Sondervermögen, das der Bundestag vergangenes Jahr beschlossen hat, um Deutschland wieder fit für die Zukunft zu machen, beträgt 500 Milliarden Euro. Für zwölf Jahre.

Sind die Hyperscaler nun verrückt, so viel Geld zu verpulvern? Oder ist der deutsche Staat zu knauserig, da mit seinen Kleckerbeträgen die wirtschaftliche Führungsrolle für die Zukunft kaum zu gewinnen sein wird.

Es gibt einen großen Unterschied: Die Cloud-Riesen Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft zahlen ihre Investitionen aus laufenden Erträgen. Der deutsche Staat hingegen finanziert seine Vorhaben komplett durch Schulden.

Bisher keine Euphorie im Markt

Nun soll dies aber kein Vergleich werden, ob nun Deutschland aus Investorensicht das bessere Investment wäre (rund drei Prozent Rendite im Jahr versprechen Bundesanleihen derzeit), sondern ob die Anleger sich lieber aus den Techaktien zurückziehen sollten, bevor eine Blase platzt, über die viele seit geraumer Zeit reden.

Es ist genau kein Zeichen für eine Blase, wenn seit Monaten darüber diskutiert wird, ob es sie denn gebe. Eine Blase am Kapitalmarkt zeichnet sich durch Euphorie aus, blindes Kaufen, dass bestimmte Wertpapiere als sichere Wette gelten. Aber genau diese Bedenkenlosigkeit gibt es nicht. Es wird seit Monaten abgewogen, ob die Künstliche Intelligenz und der Rummel um sie wirklich billionenhohe Bewertungen an der Börse rechtfertigt oder nicht.

Mehr Suchen nach „Bubble“ als 2008

In Deutschland hat sich die Berliner Fondsgesellschaft BIT Capital den Ruf erarbeitet, besonders gut in der Tech-Aktienauswahl zu sein, auf Basis langjähriger Erfahrung und tiefer Analyse des Marktes. Gerade haben die Berliner eine Studie rund um das Thema KI-Blase erstellt, auch weil in den Google Trends seit dem Sommer 2025 das Suchinteresse für „Bubble“ höher ist als während der Finanzkrise 2008.

Drohen angesichts der Rekordinvestitionen nun also Einbußen an Ertragskraft und werden ruinöse Überkapazitäten geschaffen? BIT Capital stellt zunächst fest, dass der bisherige Verlauf der Aktienkurse der sieben großen US-Techwerte im Einklang mit sehr großer Gewinndynamik steht. Zweitens sei die Bewertung der sieben Titel zwar höher als die der anderen 493 Titel des Aktienindex S&P-500, liege aber unter ihrem Zehnjahresdurchschnitt, während die Bewertung der anderen 493 über deren Zehnjahresdurchschnitt liege. Drittens sei zu beachten, dass die große Techblase und der folgende Crash vor 26 Jahren im Zeichen sehr junger Unternehmen mit fragilen Bilanzen und von Mittelzuflüssen entkoppelten Aktienbewertungen stand. Heute gehe es um eine Gruppe hochprofitabler „Mega-Cap-Unternehmen“ mit starkem Eigenkapital und skalierbaren Geschäftsmodellen.

Anders als damals würde aktuell nicht über der Finanzierungsfähigkeit investiert, sondern etwa 26 Prozent des Cash-Flows und neun Prozent des Umsatzes. Dies ist selbstverständlich nicht ohne Risiko. Das sieht auch BIT Capital so. Die vier Hyperscaler Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft unternähmen schließlich den größten koordinierten Investitionszyklus der Geschichte der Technologiebranche. Damit die (noch weiter steigenden) Investitionen auch künftig aus eigenen Mitteln finanziert werden können, bedürfe es eines jährlichen Umsatzwachstums von 23 Prozent in den nächsten beiden Jahren und bis 2030 je 18 Prozent und damit mehr als die zuletzt 13 Prozent im Jahresschnitt.

Aber, und das kommt BIT Capital in der Debatte oft zu kurz: „Allein der Umfang dieser Ausgaben schafft strategische Vorteile und errichtet Markteintrittsbarrieren, die nur wenige Wettbewerber überwinden können.“ Selbst wenn die Erlöse je investierten Dollar sänken, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit einer oligopolistischen Marktstruktur mit strukturell höheren langfristigen Renditen für die Marktführer. Die Fehlertoleranz der Börsen nehme jedoch ab. BIT Capital spricht daher statt von einer Blase von einem „Gleichgewicht hoher Erwartungen“, die allerdings mit einem überproportionalen Verlustrisiko einhergehen, wenn sie nicht erfüllt werden.

Auch weniger bekannte Aktien im Blick

An den Börsen wird daher längst auf Aktien jenseits der großen Marktführer geschaut. Von ihren Investitionen profitiert schließlich eine Vielzahl an kleineren Unternehmen. Im Flaggschiff von BIT Capital, dem Fonds „Technology Leaders“ mit der Kennnummer DE000A2N8127, finden sich daher längst nicht nur Titel wie Amazon oder Alphabet unter den Favoriten, sondern auch Aktien von Iren, die Rechenzentren betreiben für Bitcoin-Mining und Künstliche Intelligenz und sich relativ große Energiemengen schon für die Zukunft gesichert haben.

Aber auch Spezialisten in der Datenübertragung innerhalb von Chips, zum Beispiel über Licht, sind derzeit im Fonds wie Lumentum und Tower Semiconductor. BIT Capital Gründer Jan Beckers legt dabei Wert auf die Feststellung, dass aktuelle Positionierungen immer nur Momentaufnahmen seien und sich in einem rasch wandelnden Markt ebenso rasch ändern können.

So kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass KI-Investitionen für Unternehmen längst nicht mehr nur eine Chance, sondern schlicht eine Notwendigkeit seien, eine Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, ohne die Unternehmen ihre Überlebensfähigkeit gefährdeten. Beispiele in der Studie zeigen, wie Unternehmen dank KI Betriebskosten senken und Mitarbeiterzahlen reduzieren konnten. Kreditprüfungen wurden in 15 Minuten statt in vier Stunden erledigt. Die Personalkosten von Unternehmen überträfen die IT-Kosten um den Faktor 14, heißt es, um die enormen Einsparpotentiale in Industrie und Dienstleistungen zu skizzieren. Wer sie wie schnell und effizient hebt, ist offen. Dass zwischendurch abgeschriebene Techaktien wie Dell oder Intel Comebacks feiern, zeigt, wie sehr der Markt im Fluss ist.



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