Marktbericht: Das Warten geht weiter
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Der DAX blieb auch zur Wochenmitte im Seitwärtstrend auf hohem Niveau. Anleger warten damit weiter auf den Durchbruch im Iran-Krieg. Lange Gesichter gab es bei den Telekom-Aktionären – die Aktie sackte nach unten durch.
Nur zum Sitzungsstart sah es heute so aus, als ob die Anleger sich etwas stärker vorwagen würden. Der DAX erreichte bei 24.399 Punkten sein Tageshoch, fiel danach aber wieder zurück. Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 24.194 Punkten um 0,31 Prozent leichter. Der MDAX der mittelgroßen Werte verlor 0,55 Prozent auf 31.176 Punkte.
Es war ein weiterer lustloser Tag, getragen von der Hoffnung, dass es doch noch zu einer Einigung im Iran-Krieg und damit verbunden zu einer Öffnung der Straße von Hormus kommen könnte. Anders als am schnelllebigeren Ölmarkt setzen die Anleger am Aktienmarkt damit weiter eher auf eine Lösung, sagte Helen Windischbauer vom Vermögensverwalter Amundi der ARD-Finanzredaktion. Allerdings sieht es derzeit so aus, dass es weiter keine echten Fortschritte im Iran-Krieg gibt.
„Die Lage wirkt aktuell äußerst paradox“, schrieb Analyst Maximilian Wienke von der Handels- und Investmentplattform eToro. Trump verlängere die Waffenruhe mit Iran auf unbestimmte Zeit, gleichzeitig bleibe die Straße von Hormus blockiert. Damit bestünden Angebotsengpässe bei Öl, Gas und Dünger fort. „Die grundlegenden wirtschaftlichen Probleme sind also keineswegs gelöst“, so Wienkes Fazit.
Allerdings dürfte der Markt bald „härtere Fakten“ vorgesetzt bekommen, denn der Beginn der Berichtssaison steht auch hierzulande bevor. SAP legt morgen nach US-Börsenschluss seine Geschäftszahlen für das erste Quartal vor und auch aus dem europäischen Ausland kommen immer mehr neue Geschäftszahlen. Dabei werden sich die Anleger fragen, wie sich die Unternehmen positioniert haben und wie deren Ausblicke sind.
Schon heute inspirierten gute Zahlen der Schweizer ABB die Papiere von Siemens und Siemens Energy. Siemens Energy erreichten sogar ein neues Rekordhoch. Konsumgüterhersteller Beiersdorf bekam hingegen schon gestern die gesunkene Konsumlaune seiner Kunden zu spüren. Auch heute brach die Aktie einen Erholungsversuch ab und gab weiter nach.
Die T-Aktie stand mit einem Minus von deutlich über vier Prozent am DAX-Ende und setzte damit ihren zuletzt schwächeren Lauf fort. Was aber nichts mit neuen Geschäftszahlen zu tun hatte, der Bonner Konzern legt erst am 13. Mai seine Quartalszahlen vor.
Vielmehr trennten sich die Investoren von den Papieren der Telekom, nachdem Medien über eine angedachte Verschmelzung der Telekom mit ihrer US-Tochter T-Mobile US berichtet hatten. T-Mobile US, an der die Telekom mit rund 53 Prozent die Mehrheit hält, ist der größere Wachstumstreiber und höher bewertet als der Mutterkonzern.
Neue Zahlen aus dem Unternehmenssektor sind auch vor dem Hintergrund der gesenkten Wachstumserwartungen durch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche interessant. Die Ministerin senkte heute die Prognose für das BIP-Wachstum für das laufende Jahr wegen der Folgen des Iran-Krieges auf plus 0,5 Prozent. Zuvor war man von 1,0 Prozent Wachstum ausgegangen. Die gesenkte Prognose überraschte nicht wirklich und hatte auf das Handelsgeschehen keine größeren Auswirkungen.
Trotz der weiter unklaren Lage im Iran-Krieg sind am Mittwoch an den steigenden US-Börsen wieder Rekorde ein Thema. Der Nasdaq 100 erreichte früh erneut eine Bestmarke. Auch der marktbreite S&P 500 erreichte bei bisher 7.130 Punkten ein neues Rekordhoch, zuletzt lag er gut 0,8 Prozent im Plus. Einzig der Dow Jones Industrial hat noch eine gewisse Distanz zum Höchststand aus dem Februar zu gehen, obwohl er heute in der Spitze schon bis auf 49.624 Punkte gestiegen ist.
Die Anleger bleiben, was die geopolitische Lage betrifft, recht entspannt. Nach längerem Hin und Her in Sachen Waffenruhe störten sich die Aktienanleger nicht groß an wieder steigenden Ölpreisen.
Anleger mussten auch eine Reihe neuer Geschäftszahlen von Unternehmen auswerten. Zudem erwarten sie nach Börsenschluss Ergebnisse von Tesla, Texas Instruments und IBM. In den USA ist die Berichtssaison schon weiter fortgeschritten.
