Eskalation in der Straße von Hormus?
Ist eine sichere Eskorte von Tankern und Handelsschiffen durch die US-Streitkräfte in der Straße von Hormus möglich? Die DW hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Transport von Öl- und Gastankern durch die Meerenge zusammengestellt.
Was ist über das „Project Freedom“ bekannt?
Im Rahmen des „Project Freedom“ (Projekt Freiheit) sollen nach Angaben des US-amerikanischen Zentralkommandos Centcommehr als 100 land- und seegestützte Flugzeuge sowie 15.000 Militärangehörige eingesetzt werden.
Bei dem Projekt soll es sich um die Einrichtung einer Koordinierungsstelle zur Regelung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge handeln. Aktuell sieht die Initiative nicht vor, dass die US-Marine Schiffe durch die Straße von Hormus eskortieren.
Insgesamt sind aktuell nach Angaben der Lloyd’s Market Association – ein Verband von rund 100 Firmen, die gemeinsam Risiken für Schiffe und Ölplattformen versichern – um die Straße von Hormus etwa 1000 Schiffe von der Blockade betroffen. Rund 20.000 Seeleute harren auf den Schiffen aus. 25 Schiffe wurden im Verlauf des Iran-Kriegs von Beschuss getroffen.
Nach Berichten von Lloyd’shat es von Seiten der US-Regierung keine vorherige Absprache mit der Branche gegeben, wie die im Nahen Osten festsitzenden Schiffe „sicher aus der gesperrten Wasserstraße herausgeführt werden sollen“.
Verkehren noch Schiffe in der Meerenge von Hormus?
Ja, aber der Schiffsverkehr ist auf ein Minimum reduziert worden und kommt zeitweise immer wieder zum Erliegen. Während vor dem Angriff auf den Iran durch die USA und Israel am 28. Februar zwischen 125 und 140 Schiffe pro Tag die Meerenge passierten, beschränkte sich der Verkehr nach Informationen des Rohstoffanalysten Kplervom 30. April Mai nun auf sieben Schiffe.
Zurzeit wird die Meerenge sowohl vom Iran als auch von den USA gleichzeitig blockiert. Die Blockade durch den Iran seit dem 28. Februar ist darauf ausgerichtet, den Schiffsverkehr insgesamt zu reduzieren. Laut dem Schiffsversicherer Windward, das den internationalen Schiffsverkehr beobachtet, müssen alle Schiffe, die die Meerenge passieren wollen, dies mit den iranischen Behörden koordinieren und zudem eine Maut von einem Dollar pro Barrel transportiertes Öl zahlen.
Die Blockade der USA begann am 13. April und richtet sich gegen Schiffe, die iranische Häfen ansteuern und verlassen. Laut Windward hat die US-Blockade dazu geführt, dass die iranischen Rohölexporte nach Asien stark zurückgegangen sind.
Der internationale Reederei-Verband Bimco hat die Konfliktparteien aufgefordert, die Blockade zu stoppen und aufzuhören, unschuldige Seeleute zu bedrohen.
„BIMCO ist der Ansicht, dass die meisten Reedereien einen stabilen Waffenstillstand sowie Zusicherungen beider Konfliktparteien benötigen, um die Durchfahrt durch die Straße abzusichern“, heißt es in einem Statement des Verbandes. Die Minengefahr sei Anlass zu besonderer Sorge.
Sind die Kosten für die Versicherung von Schiffen gestiegen?
Ja, der Iran-Krieg treibt die Kosten für die Versicherung von Schiffstransporten durch die Straße von Hormus enorm in die Höhe. Doch laut dem Gesamtverband der Versicherer (GDV) gib es noch immer die Möglichkeit, Schiffe zu versichern.
Es „findet der gängige Marktmechanismus bei gestiegenem Kriegsrisiko statt“, so Jörg Asmussen, GDV-Hauptgeschäftsführer.
Allerdings haben laut Agenturberichten bereits mehrere große Schiffsversicherer seit dem 5. März ihre Kriegsrisikodeckung für die Region um Iran und den Persischen Golf ausgesetzt beziehungsweise neue Policen dort nicht mehr angeboten. Dazu gehören die Versicherer Gard, Skuld, NorthStandard, der London P&I Club, der American Club und auch der japanische Versicherungskonzern MS&AD Insurance.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman im Osten – und ermöglicht den Zugang zum Arabischen Meer. Durch das Nadelöhr im Nahen Osten exportieren OPEC-Mitglieder wie Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak den größten Teil ihres Rohöls.
2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge – fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), verschifft fast sein gesamtes LNG auf diesem Weg, insgesamt geht rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels durch die Meerenge.
Welche Länder sind von einer Blockade betroffen?
Die effektive Sperrung der Straße von Hormus hat ungleiche Auswirkungen auf die Länder am Persischen Golf. Während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Iran über teilweise Ausweichmöglichkeiten verfügen, ist dies bei Irak, Kuwait, Katar und Bahrain nicht der Fall.
Der Iran kann für den Export auch den Hafen von Jask nutzen. Dieser liegt im Golf von Oman mit direktem Zugang zum Arabischen Meer – Tanker müssten somit nicht die Straße von Hormus passieren. Im Gegensatz dazu verfügen Irak, Kuwait, Katar und Bahrain über keine Umleitungskapazitäten.
Gab es schon einmal US-Militäreskorten in der Straße von Hormus?
Ja. Während des Iran-Irak Krieges (1980 bis 1988) bat Kuwait 1987 die USA um Begleitschutz für den Öltankerverkehr. Im sogenannten Tanker-Krieg griffen beide Seiten Hunderte Tanker im Persischen Golf und der Straße von Hormus an. Die USA registrierten daraufhin kuwaitische Tanker unter ihrer Flagge.
61 Prozent der während des Tankerkriegs angegriffenen Schiffe waren Öltanker. Nach einer Analyse des Strausscenter für internationale Sicherheit und Recht wurden 55 der 239 Öltanker (23 Prozent) vollständig versenkt oder für verloren erklärt.
Der Tankerkrieg führte zu einem Rückgang der Handelsschifffahrt um 25 Prozent, der Rohölpreis stieg allerdings nur vorübergehend an. Denn der Iran senkte den Ölpreis, um die höheren Versicherungsprämien für Lieferungen auszugleichen.
