Kritik an Gedränge – Polizei und Feuerwehr sehen keine Sicherheitsprobleme



Nach Vorwürfen zu kritischen Situationen am 1. Mai wegen Überfüllung auf Berlins Straßen weisen Polizei und Feuerwehr den Vorwurf zurück, dass es aufgrund des Gedränges zu Sicherheitsproblemen gekommen sei.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meise hatte am Montag im Innenausschuss gesagt, dass eine Hauptaufgabe der Polizei am 1. Mai aus der „Lenkung und Leitung der Menschenmassen“ bestanden habe. Insgesamt sei das Konzept für den Tag gut aufgegangen, der Tag sei „weitgehend störungsfrei“ verlaufen.

Auf Social Media hatte es mehrere Schilderungen gegeben, wonach es insbesondere auf der Oranienstraße rund um die traditionelle „Revolutionärer 1. Mai-Demonstration“ und beim Auftritt der Sängerin Ikkimel am Mariannenplatz zu unangenehmem Gedränge und brenzligen Situation kam.

„Seit vielen Jahren gehört es für mich selbstverständlich dazu, am Tag der Arbeit auf die Straße zu gehen. Ein derart unkontrolliertes Massengedränge wie in diesem Jahr in der Oranienstraße habe ich jedoch noch nie erlebt“, schilderte die Augenzeugin Rike van Kleef dem Tagesspiegel, die nach eigenen Angaben gegen 20 Uhr auf der Oranienstraße zwischen Rio-Reiser-Platz und Skalitzer Straße unterwegs war. Beim Versuch, dem Gedränge zu entkommen, sei sie in ein angrenzendes Restaurant gedrückt worden.

Auch dort habe sich der Raum in kürzester Zeit gefüllt. Immer mehr Menschen hätten Schutz in dem Restaurant gesucht, Menschen mit Kreislaufproblemen, aber auch mit Panikattacken.

Ein derart unkontrolliertes Massengedränge wie in diesem Jahr in der Oranienstraße habe ich noch nie erlebt.

Rike van Kleef, Augenzeugin vom 1. Mai in Kreuzberg

„Ein Jugendlicher füllte immer wieder seine mitgebrachte Wasserflasche auf der Toilette auf, um sie weiterzugeben. Ein anderer trug eine bewusstlose 17-Jährige durch die Menge unter Hilferufen ins Innere“, schildert sie die Situation. Zufällig seien Sanitäter vor Ort gewesen. Ihrer Einschätzung nach wäre ein Krankenwagen wohl kaum durch die Menschenmenge gekommen. Auch ein weiterer Augenzeuge schilderte dem Tagesspiegel, dass Menschen aufgrund der extremen Enge in Panik gerieten und anfingen, zu weinen. „Wie konnte es überhaupt so beklemmend weit kommen? Warum wurde die Menge nicht früher entzerrt, nicht aktiver geleitet?“, fragt sich van Kleef.

Kam es aufgrund des Gedränges tatsächlich zu Sicherheitsproblemen? Ein Sprecher der Feuerwehr sagt, dass nicht bekannt sei, dass Einsatzkräfte nicht durch die Menge kamen. „Unsere Einsatzkräfte waren stark be- und ausgelastet, aber zu großen Problemen ist es nicht gekommen“, sagte der Sprecher dem Tagesspiegel am Montag.

Es sei rund um die Oranienstraße sehr voll gewesen, sagte auch ein Sprecher der Polizei. Es seien aber keine Fälle bekannt, in denen es zu sicherheitsrelevanten Problemen gekommen sei oder in denen Einsatzkräfte nicht durchkamen.

Unsere Einsatzkräfte waren stark be- und ausgelastet, aber zu großen Problemen ist es nicht gekommen.

Ein Sprecher der Berliner Feuerwehr.

In der Oranienstraße war die Demonstration in ein Konzert des Rap-Trios RAPK hineingelaufen. Dabei wurde es auch nach Angaben eines Tagesspiegel-Reporters extrem voll, die Demonstration verzögerte sich. Die Musiker äußerten sich inzwischen auf ihrem Instagram-Account und schrieben, dass es durch Verzögerungen zu einer Überschneidung von Demo und Konzert gekommen sei. Sie hätten deshalb versucht, so schnell es geht zu reagieren. Die Aufforderungen, die Demo durchzulassen, hätten manche der Anwesenden nicht direkt mitbekommen. „Nächstes Mal planen wir anders“, schrieben sie.

Mengen beim Ikkimel-Konzert – Veranstalter zufrieden

Zu extremem Gedränge soll es auch am Mariannenplatz gekommen sein, wo am Abend die Sängerin Ikkimel auf der Veranstaltung des Bezirksverbands der Linken Friedrichshain-Kreuzberg auftrat. Ein Sprecher der Polizei sagte, es seien keine sicherheitsrelevanten Vorfälle bekannt. Auch der Veranstalter sieht keine großen sicherheitsrelevanten Probleme: „Wir sind mit dem Ergebnis unserer Veranstaltung zufrieden und freuen uns, dass so viele Menschen das Fest besucht haben“, sagte Yasin Bölme, Leiter der Geschäftsstelle der Linken im Bezirk und Anmelder der Veranstaltung, am Montag auf Anfrage.

Es habe mehrere Schwächeanfälle gegeben, bei denen Sanitäter direkt vor Ort gewesen seien und die Betroffenen sofort versorgt hätten. Einzig was den Zugang zum Mariannenplatz angeht, gibt es aus seiner Sicht noch Klärungsbedarf: „Wir werden jetzt gemeinsam mit der Polizei auswerten, ob der Zugang zum Platz angepasst werden muss.“ Ein Auswertungsgespräch zwischen Veranstalter und Polizei ist geplant.



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