Warum eine Reise mit der „Hanseatic Inspiration“ einmalig ist
Rath checkt ein
Warum eine Reise mit der „Hanseatic Inspiration“ einmalig ist
An Bord der „Hanseatic Inspiration“ durchkreuzt unser Hotel-Kolumnist das Südpolarmeer auf der Spur von Abenteurern und beobachtet dabei Pinguine. Eine außergewöhnliche Reise, die ihn nachhaltig verändert hat
Carsten K. Rath hat zahlreiche Grandhotels geführt. Er ist Gründer des Hotel-Rankings „Die 101 besten Hotels“, das auch als Buch in Kooperation mit Capital erscheint. Hotels, über die er für Capital schreibt, bereist Rath auf eigene Rechnung.
Waren Sie schon einmal zu früh auf einem Schiff? Nicht bloß einige Minuten, sondern zwei volle Stunden? In der durchgetakteten Welt der Kreuzfahrten, wo die Crew bis zuletzt umbaut, Kabinen reinigt und Vorräte lädt, ist das üblicherweise ein GAU für die Logistik. An der Gangway der „Hanseatic Inspiration“, die im argentinischen Ushuaia vor Anker liegt, dagegen keine Spur von Hektik. Sascha Richter, der Cruise Director, begrüßt mich herzlich und führt mich persönlich zur Kabine. Es geht also auch ohne „Bitte warten Sie in der Lounge“-Schild.
Was mich hierhergebracht hat? Ein Versprechen, an mich selbst, einmal im Jahr eine wirklich außergewöhnliche Reise zu unternehmen. Diese beginnt im Hotel Intercontinental in Santiago de Chile und setzt sich nach dreieinhalb Stunden Flug in Punta Arenas in Argentinien fort, dem stürmischen Tor zur Antarktis. Nach einer Tour mit der „Ventus Australis“ durch die Fjorde Patagoniens und einer Nacht im Arakur Ushuaia Resort & Spa wartet nun die „Hanseatic Inspiration“, ein Expeditionsschiff von Hapag-Lloyd Cruises.
Die Kabinen auf dem Schiff sind großzügig © PR
Kein zweckmäßiger kleiner „Kutter“, sondern ein weitläufiges, majestätisch wirkendes Schiff für 230 Passagiere, mit bodentiefen Panoramafenstern, die den Blick nach draußen locken. Meine Kabine verströmt den diskreten Luxus eines Fünf-Sterne-Hauses: Das Bett ist üppige zwei mal zwei Meter groß, das Marmorbad geräumig und mit Dusche – perfekt nach einem Tag auf dem Wasser im kalten Zodiac-Boot. Dazu bestens bestückte Minibar, Kaffeemaschine und ein privater Balkon als Loge für Naturschauspiele.
Die Atmosphäre an Bord wird geprägt von preußischer Präzision und familiärer Liebenswürdigkeit. Das ist zugleich die Handschrift von Wybcke Meier, CEO TUI Cruises, seit 2020 in einem Joint Venture mit Hapag-Lloyd verbandelt. Sie hat die Flotte und deren Profil mit strategischer Weitsicht entwickelt und im Luxussegment positioniert: ob Ikonen wie MS „Europa“, MS „Europa 2“ oder die neue „Hanseatic“-Klasse.
Nach zwei Seetagen im rauen Südatlantik erreichen wir die Falklandinseln. Das britische Überseegebiet wirkt mit seinen roten Telefonzellen und den Pubs wie eine surreale Exklave. Zwischen rauen Klippen und den bunten Häusern der Hauptstadt Stanley wandern wir im eigenen Tempo fünf Kilometer durch unberührte Natur, vorbei an Tausenden von Esels- und den Felsenpinguinen mit ihren gelben Federbüscheln. Das vielstimmige Rufen der Kolonien und der raue Wind der „Brüllenden Vierziger“, des Gürtels sehr starker Westwinde der Südhalbkugel, liefern den Soundtrack.
Nach zwei Tagen Entspannung auf der „Hanseatic Inspiration“ erreicht das Schiff Südgeorgien, das unbestrittene Highlight unserer Route. In Gold Harbour stürzen die Gletscher fast senkrecht ins Meer, während rund 200.000 Königspinguine den Strand in ein wuselndes Meer aus Orange, Schwarz und Weiß verwandeln. Dazwischen dösen gewaltige Seeelefanten und wehrhafte Pelzrobben, die ihre Jungen verteidigen.
In der ehemaligen Walfangstation von Grytviken wandeln wir auf den Spuren des legendären Polarforschers Sir Ernest Shackleton. Seine sagenumwobene Rettungsfahrt in einem offenen Boot über den stürmischen Südatlantik fand hier vor über 100 Jahren ein glückliches Ende. Als traditionellen Gruß stoßen wir an seinem Grab mit Whisky an.
Die Vorbereitung solcher Momente beginnt lange vor dem eigentlichen Landgang, weshalb die Seetage von exakten Briefings und strengen Biosicherheitsprotokollen begleitet werden. Unsere Parkas und die Sohlen der Gummistiefel werden abgesaugt, um das sensible Ökosystem zu schützen. Das Anlegen der Schutzkleidung im Hanseatic Atrium gleicht bald einem Ritual.
Auch die Tage an Bord folgen einem gewissen Rhythmus – aus Ruhepausen, Staunen und Genuss. Das Buffet-Restaurant bricht mit allen Klischees, denn statt voller Platten werden kleine, individuell angerichtete Kunstwerke serviert. Mit herrlichen Soßen, egal ob zu Kalbsfilet, Ente oder zum gegarten Aal. Im Restaurant Nikkei harmoniert derweil japanische Detailversessenheit mit der aromatischen Tiefe von Peru.
Das Restaurant auf der „Hanseatic Inspiration“ ist exzellent © PR
Der Spa auf Deck 8 ist mein Rückzugsort auf dieser atemberaubenden Expedition. Während in der Panorama-Sauna die Gischt gegen die Scheiben brandet und am Horizont Wale auftauchen, versinke ich in Gedanken. Ich bin tatsächlich um die halbe Welt geflogen und an Bord eines Schiffes gegangen, das meterdicke Eisschollen durchbricht, um zu begreifen, wie schützenswert unser Planet ist. Diese Einsicht macht diese außergewöhnliche Reise tatsächlich auch zu einer besonderen Erfahrung, die mich nachhaltig verändert hat.
Business-Check
Anreise — Flug über Buenos Aires oder Santiago de Chile nach Ushuaia; Transfer zum Schiff (15 Minuten)
Digitale Ausstattung — Gratis-WLAN via Starlink
Logistik & Ausrüstung — Biosicherheits-Briefings und Profi-Equipment inklusive
Concierge — 24-Stunden-Service; das Expeditionsteam steht jederzeit für Fragen zur Umgebung bereit
Spa — Ocean Spa mit Panorama-Sauna, modernem Fitnessraum, Poolbereich und Anwendungen
Kabinenpreise — ab circa 22.500 Euro
Raths Reise-Rating
1 Ganz großes Kino
2 Wenn’s nur immer so wäre
3 Meckern auf hohem Niveau
4 So lala, nicht oh, là, là
5 Besser als im Hostel
6 Ausdrückliche Reisewarnung
Erschienen in Capital 5/2026
