Aliens? Für Spielberg nicht nur Fiktion
Sind wir allein im Universum?
Inmitten all der offenen Fragen rund um außerirdisches Leben hat Steven Spielberg mehr als jeder andere Filmemacher die Vorstellung geprägt, dass die erste Begegnung der Menschheit mit Außerirdischen eine friedliche und tiefgreifende Erfahrung sein könnte – und keine bedrohliche Invasion.
Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) und „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) sind Kultfilme, die das Science-Fiction-Genre neu definiert haben. Auch „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ wird von Hauptdarsteller Josh O’Connor als ein „Film über Hoffnung, Menschlichkeit und Verständnis“ beschrieben, was perfekt zur Faszination des Filmemachers für das Phänomen des außerirdischen Lebens passt.
Spielberg: „Überwältigende Indizien“ für außerirdisches Leben
In „Disclosure Day“ spielt O’Connor einen Whistleblower auf dem Gebiet der Cybersicherheit, der entschlossen ist, der Welt die Wahrheit über Außerirdische zu offenbaren. Er tut sich mit einer TV-Meteorologin aus Kansas City (Emily Blunt) zusammen, die während einer Live-Wettervorhersage plötzlich von einer mysteriösen außerirdischen Kraft überwältigt wird.
Auch wenn der Film als Science-Fiction eingestuft wird, betrachtet Spielberg „Disclosure Day“ nicht als reine Fiktion: „Er spiegelt vielmehr die Welt wider, wie sie sich entwickelt, und die Entdeckungen, die gerade in diesem Moment gemacht werden“, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press.
„Ich bin schon seit der Produktion von ‚Unheimliche Begegnung der dritten Art‘ vor 50 Jahren davon überzeugt (dass es außerirdisches Leben gibt, Anm. d. Red.)“, sagte Spielberg. Er fügte hinzu, dass er angesichts der „überwältigenden Indizien“, die in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt wurden, sogar davon ausgehe, dass Außerirdische bereits versucht hätten, Kontakt zu uns aufzunehmen.
Zwischen Verschwörungstheorien und Wissenschaft
Da die meisten Sichtungen als Naturphänomene oder Falschmeldungen erklärt werden konnten, gilt die Diskussion über unidentifizierte Flugobjekte (UFOs) seit langem als Randthema, das von Verschwörungstheorien und der Popkultur angeheizt wird.
Seit einigen Jahren setzt die Wissenschaft jedoch zunehmend auf einen datengestützten Ansatz bei der Erforschung dessen, was heute als „unidentifizierte anomale Phänomene“ (UAPs) bezeichnet wird.
Spielberg verfolgt die Berichte über angebliche Begegnungen mit Außerirdischen seit vielen Jahren. Er ließ sich für seinen neuen Film von der Anhörung des Unterausschusses für nationale Sicherheit des US-Repräsentantenhauses zum Thema UAPs aus dem Jahr 2023 inspirieren. Einer der Zeugen war der ehemalige Geheimdienstoffizier der Luftwaffe David Grusch. Der Whistleblower sagte aus, dass die US-Regierung ein jahrzehntelanges UAP-Programm geheimhalte, dessen Mitarbeiter gefundene technologische Objekte beschlagnahmten und mit sogenanntem „reverse engineering“ auseinanderbauten und analysierten.
Das Pentagon hat inzwischen zwei umfangreiche Pakete mit freigegebenen UAP-Akten veröffentlicht; eine dritte Veröffentlichung ist für die nahe Zukunft geplant. Die Dokumente liefern zwar keine Beweise für außerirdische Raumschiffe, außerirdische Leichen oder ein staatliches Reverse-Engineering-Programm, zeigen jedoch, dass viele Sichtungen aufgrund unzureichender Daten nach wie vor ungeklärt sind.
Die Akten enthalten Berichte aus mehreren Jahrzehnten, darunter die Aussage eines hochrangigen US-Geheimdienstmitarbeiters, der mysteriöse „orangefarbene Kugeln, die auf und ab flackerten“ beschreibt, sowie ein Video von einem Objekt, das 2021 von einer US-Militärdrohne über Syrien aufgenommen wurde und das plötzlich beschleunigt, als würde es auf Warpgeschwindigkeit gehen, bevor es verschwindet.
Harvard-Astrophysiker sieht Wissenschaft in der Pflicht
„Ich bin der Meinung, dass es die Pflicht von Wissenschaftlern ist, Anomalien Beachtung zu schenken, insbesondere, wenn sie von zuverlässigen Stellen gemeldet werden“, erklärte Avi Loeb gegenüber der DW nach der Veröffentlichung der zweiten Tranche von Pentagon-Dokumenten im Mai. Der renommierte Astrophysiker aus Harvard setzt sich für die wissenschaftliche Suche nach außerirdischer Intelligenz ein.
„Für mich steht fest, dass dieses Thema in den letzten Jahrzehnten unter Militärangehörigen, Geheimdienstmitarbeitern, Mitarbeitern des Pentagons und möglicherweise auch hochrangigen Politikern der US-Regierung ausführlich diskutiert wurde“, fügte Loeb hinzu.
Er argumentierte, dass selbst, wenn das in den Aufnahmen zu sehende unbekannte Flugobjekt von Menschen entwickelt worden wäre, „es zumindest eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellt, wenn die US-Geheimdienste und das Pentagon mit der Art von Bewegung, die es zeigt, nicht vertraut sind, denn offenbar war jemand anderes auf der Erde in der Lage, ein solches Objekt zu entwickeln.“
Die berühmtesten Alien-Verschwörungstheorien
Seit Jahrzehnten nehmen UFO-Vorfälle einen besonderen Platz zwischen Science-Fiction, staatlicher Geheimhaltung und Verschwörungstheorien ein.
Der Vorfall von Roswell im Jahr 1947 ist wohl der berühmteste Fall einer Alien-Verschwörungstheorie in der jüngeren Geschichte. Ein Rancher hatte auf seinem Grundstück in New Mexico ungewöhnliche Trümmerteile entdeckt. Das US-Militär veröffentlichte zunächst eine Pressemitteilung, in der es behauptete, eine „fliegende Scheibe“ geborgen zu haben, nur um diese Aussage später zurückzunehmen und zu erklären, dass es sich bei dem Objekt um einen Wetterballon handele.
Dieser Widerspruch gab jahrzehntelang Anlass zu Spekulationen. In den späten 1970er- und 1980er-Jahren traten Zeugen auf, die behaupteten, Leichen von Außerirdischen seien geborgen worden und die Regierung habe die Wahrheit vertuscht.
Die US-Regierung erklärte später, dass die Trümmerteile aus einem geheimen Programm stammten, das zur Aufdeckung sowjetischer Atomtests gedacht war. Trotz dieser Erklärung glauben viele Verschwörungstheoretiker noch immer, dass Roswell der Ort des ersten bestätigten Absturzes eines außerirdischen Raumschiffs und der anschließenden Vertuschung war.
Streng geheim: Area 51
Und dann gibt es noch Area 51: Die streng geheime Militäranlage im US-Bundesstaat Nevada, in der hochmoderne Flugzeuge getestet werden, steht im Mittelpunkt zahlreicher Verschwörungstheorien über Außerirdische. Die Geheimhaltung rund um die Basis sowie häufige Berichte über seltsame Lichter und experimentelle Flugzeuge haben Area 51 zu einem zentralen Bestandteil der UFO-Mythologie gemacht.
Zu den berühmten Berichten über Entführungen durch Außerirdische zählt die Aussage von Betty und Barney Hill aus dem Jahr 1961. Das Ehepaar beschrieb unter Hypnose, wie es an Bord eines Raumschiffs gebracht und von nicht menschlichen Wesen untersucht wurde, nachdem es während einer Autofahrt durch New Hampshire ein seltsames Objekt am Himmel gesehen hatte.
„Tic Tac“: Flugobjekt oder optische Täuschung?
Ein neueres Kapitel in der Geschichte der UFOs ergab sich aus Aussagen von US-Militärpiloten, die 2004 vor der Küste Kaliforniens ein weißes, kapselartiges Objekt – später als „Tic Tac“ bezeichnet – bei ungewöhnlichen Manövern beobachteten. Videos, die ihre Aussagen untermauerten, wurden Jahre später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Staatliche Untersuchungen bestätigten, dass die Objekte weiterhin nicht identifiziert wurden.
Im Gegensatz zu älteren Verschwörungstheorien stützt sich der Tic-Tac-Vorfall auf Radardaten, militärische Sensoren und offizielle Regierungsberichte, was ihn zu einem der am besten dokumentierten modernen UFO-Fälle macht.
Für Avi Loeb bedeutet die Einhaltung wissenschaftlicher Methoden, dass bekannte optische Phänomene ausgeschlossen werden müssen, bevor man von einem technologischen Ursprung ausgeht; die Tic-Tac-Sichtung könnte einfach ein Nebenprodukt von Kamerablendung sein.
Doch auch wenn im Laufe der Jahre unzählige Sichtungen erklärt oder widerlegt wurden, lässt sich Loeb nicht davon abhalten, seine Forschungen fortzusetzen: „Selbst wenn nur eines von einer Million Objekten, die wir untersuchen, nicht von dieser Erde stammt, wäre das die größte Entdeckung, die die Menschheit je gemacht hat.“
Adaption aus dem Englischen: Katharina Abel
