French Open: Zverev gewinnt erstmals Grand-Slam-Turnier


Als Alexander Zverev den Pokal überreicht bekam, küsste er den Coupe des Mousquetaires, streichelte ihn zärtlich und hielt ihn wie ein Baby in seinen Armen. „Jetzt ist es endlich ein Happy End“, sagte der deutsche Tennisstar bei der Siegerehrung der French Open und ergänzte in Richtung seines Trainerteams: „Wir waren eine Zeit lang auch Verlierer in den entscheidenden Momenten, aber am Ende des Tages sind wir jetzt Grand-Slam-Champions – und das ist das, was zählt.“

Durch den Finalsieg in Paris feierte der Tennisstar den sehnlichst erwarteten ersten Grand-Slam-Titel und legte den Stempel als der „Unvollendete“ ab. Obwohl körperlich angeschlagen, setzte sich der 29-Jährige in fünf Sätzen  gegen den Italiener Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 durch.

Alexander Zverev ist bei seiner Rückhand voll konzentriert
Kraftakt über fünf Sätze: Alexander Zverev ist bei seiner Rückhand voll fokussiertBild: Emma Da Silva/AP Photo/dpa/picture alliance

Als der Olympiasieger von 2021 nach 4:16 Stunden seinen zweiten Matchball verwandelte, ließ er sich völlig erschöpft rücklings auf den Sand fallen und schluchzte. Danach tröste er seinen Finalgegner. 

Boris Becker: sechs Grand-Slam-Siege, aber keiner in Paris

Vor ihm hatte hier seit Beginn der Profiära 1968 kein männlicher Tennisspieler aus Deutschland triumphiert. Zverev hielt auch im Final-Showdown dem großen Titel-Druck stand und gewann als erster deutscher Mann seit Boris Becker vor 30 Jahren bei den Australian Open einen Grand-Slam-Titel. „Er hat das mehr als verdient“, sagte Becker bei Fernsehsender Eurosport: „Das ist unglaublich, ich bin sehr stolz auf ihn.“

Für den Sieg bei einem der vier wichtigsten Turniere benötigte Zverev 41 Anläufe, dreimal war er auf teils dramatische Weise erst im Finale gescheitert (Australian Open 2025, French Open 2024, US Open 2020). Nun also der Triumph auf seinem Lieblings-Belag: dem Sandplatz. 

Zverev profitierte auch von der Konkurrenz

Der Deutsche legte sein Final-Trauma ab und zeigte angesichts körperlicher Probleme ab dem vierten Satz Kämpferqualitäten. Zverev, der Diabetes hat, belohnte sich für seine Hartnäckigkeit, auch nach niederschmetternden Niederlagen, schweren Verletzungen und großen Zweifeln von außen immer an seine Chance geglaubt zu haben. Die war diesmal nach dem frühen Ausscheiden der Topstars Jannik Sinner und Novak Djokovic und dem Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz so groß wie nie – und Zverev nutzte die Gunst der Stunde. 

Alexander Zverev (l.) und sein Tenniskumpel Flavio Cobolli posieren gemeinsam vor dem Match für die Kameras
Gute Kumpels: Alexander Zverev (l.) und Flavio Cobolli vor dem MatchBild: Burak Akbulut/Anadolu Agency/IMAGO

Zverev ist seit vielen Jahren sportlich der erfolgreichste deutsche Tennisspieler, polarisiert jedoch stark. Viele Menschen empfinden seine Art und Weise als arrogant, vor allem haben ihm jedoch die Vorwürfe und Gerichtsverfahren wegen häuslicher Gewalt geschadet. Der Prozess wurde gegen eine Geldauflage eingestellt

Zverev wurde am Ende seiner Favoritenrolle gerecht. Der Titel einer RTL-Dokumentation „Der Unvollendete“ war damit keine Prophezeiung. Stattdessen erfüllte sich für ihn der Spruch auf der Tribüne des Final-Stadions Philippe Chatrier: „Victory belongs to the most tenacious“ – der Sieg gehört dem Hartnäckigsten. 



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