Start-up in der Baubranche baut Plattenbauten aus Holz


Zwei Menschen begehen eine leerstehende Wohnung.

Stand: 06.06.2026 • 16:50 Uhr

Der Wohnungsbau in Deutschland lahmt, in den Städten steigen seit Jahren die Mietpreise. Ein junges Unternehmen verspricht, es kann schneller bauen als andere, und günstiger. Dank Serienproduktion – aus Holz.

„Das hält“, sagt Philipp Erler und klopft gegen einen Holzpfeiler, „genauso gut, wie wenn ich es herkömmlich bauen würde.“ Herkömmlich – das wäre aus Stahl und Beton. Erler aber baut aus Holz.

Fragen wie die nach der Standfestigkeit kennt er. Pfeiler, Wände, am Ende fast komplette Häuser aus dem Naturrohstoff – das ist die Mission, die sich der Mitgründer der Gropyus AG und sein Unternehmen gegeben haben. Bauen mit Holz soll Energie sparen, die Umwelt schonen und weniger Treibhausgase freisetzen.

Zudem soll es – zumindest langfristig – günstiger sein als konventionelles Bauen. Das ist der Anspruch von Erler und seinen Kollegen.

Kaum Stahl und Beton

Auf den ersten Blick sieht man den Unterschied zu einem Betongebäude kaum. Erler führt durch einen Rohbau in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf. Sieben Geschosse, hohe Fenster, außen Balkone – fast alle Wände und Pfeiler sind aus Holz. Nur vereinzelt gibt es einen Stahlträger oder eine Betonwand. Teils, weil es bautechnisch Sinn ergibt, teils, weil es Vorschrift ist. Das Haus entsteht in Innenstadtlage und gilt als Prüfstein für die Bauweise der Gropyus.

Auftraggeber ist das Wohnungsunternehmen Vonovia. Die größte Herausforderung: Die Baustelle befindet sich in einem Innenhof, umgeben von Wohnungen. Die Toreinfahrt zum Grundstück ist so klein, dass keine größeren Bauteile hindurchpassen. „Das heißt, es muss wirklich alles mit einem Kran über die Vorderhäuser rübergehoben werden“, erklärt Erler. „Das hat die Baukosten einfach sehr stark getrieben.“ Dadurch, dass das Haus aber bereits in Fertigteilen aus Holz angeliefert wird, verkürzt sich die Bauzeit. Und damit sinken die Kosten – wie bei klassischen Plattenbauten auch.

Preisgleichheit erreicht

„3.600 Euro auf den Quadratmeter Wohnnutzfläche“ koste das Projekt etwa, sagt Erler. Für einen Bau in dieser Lage und mit den Gegebenheiten ein durchschnittlicher Preis. „Wir haben es erreicht, jetzt schon preisgleich zu sein“, berichtet Erler. Langfristig soll der Holzbau sogar günstiger werden als die konventionelle Variante.

Holz, wo sonst Stahl und Beton genutzt wird: Was bereits jetzt gleich teuer ist, könnte langfristig auch deutlich günstiger werden.

Gropyus setzt dabei auf Skalierungseffekte und das Ausnutzen einer langen Wertschöpfungskette. Das Start-up besteht im Grunde aus drei Teilen: einem Planungsbüro, einer Fabrik und der eigentlichen Baufirma. Im Büro wird der geplante Bau als „digitaler Zwilling“ bis ins Detail konzipiert. Die hier modellierten Einzelteile wie fertige Holzwände inklusive bereits eingebauter Kabelschächte werden im nächsten Schritt in einer eigenen Fabrik in Baden-Württemberg hergestellt: weitgehend automatisiert und passgenau.

Auf der Baustelle werden die Teile im Grunde genommen nur noch zusammengesetzt – serielles Bauen eben. Das spart Arbeitszeit und Kosten. Wenn das Unternehmen weiter wächst, erwarten die Gründer, dass mit jedem Auftrag die Erfahrung steigt und die Kosten sinken: „Durch Künstliche Intelligenz, durch Automatisierung, durch Digitalisierung“, wie Erler sagt.

Wurzeln in der Start-up-Szene

Er und sein Co-Gründer Markus Fuhrmann kommen aus der Start-up-Szene und haben zuvor für erfolgreiche Unternehmen gearbeitet, inklusive späterem Börsengang. „Wenn man das ein, zwei Mal gemacht hat, dann kommt irgendwann die Frage dazu: Kann ich denn irgendwo einen echten Unterschied machen?“, erzählt Erler. Wohnungsnot sei ein soziales Thema, Nachhaltigkeit im Bauen sei ihnen ein Anliegen und die Frage, wie Wohnen bezahlbar bleiben kann. Mit ihrer Firma gehe es ihnen nicht darum, „schnell Geld zu verdienen, sondern es geht darum, wirklich langfristig etwas zu bauen, was echt einen Unterschied macht.“

Am Ende hängt der Erfolg des Konzepts vor allem am Quadratmeterpreis, für den seine Firma Wohnungen fertigstellen kann. Der Auftraggeber der Innenhofbebauung in Berlin, die Vonovia, ist mittlerweile auch Großinvestor bei Gropyus.

Sebastian Krüger, Regionalbereichsleiter der Vonovia, ist zum Vor-Ort-Termin erschienen. „Wir brauchen schnell viel Wohnraum“, sagt er. Die ersten Erfahrungen mit der seriellen Holzbauweise seien positiv. Wir stellen fest, dass wir mit dieser Bauweise schneller bauen können“, so Krüger. „Und das hilft uns, den Wohnraum viel günstiger bereitzustellen.“

Wohnungsbau in Deutschland zu langsam, zu teuer

Beide Unternehmen glauben, dass der deutsche Markt für ihren Ansatz große Chancen birgt. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 1,4 Millionen Wohnungen in Deutschland fehlen. Und dass der Neubau viel zu langsam vor sich geht.

Statt der avisierten 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr entstanden zuletzt nur rund die Hälfte. Wenn Bauen mit Holz im großen Maßstab schneller geht, könnte der Marktanteil wachsen.



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