„Wir können über Schröders Draht zu Putin froh sein.“

Die Bundesregierung hat mit größtmöglicher Zurückhaltung auf das Gespräch zwischen Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau reagiert. Das Treffen kommentiere man nicht, hieß es in Berliner Regierungskreisen auf Tagesspiegel-Anfrage am Samstag.
Das Auswärtige Amt teilte unserer Redaktion auf Nachfrage mit, man sei in die Unterredung zwischen Schröder und Putin „nicht eingebunden“ gewesen. Inwieweit die deutsche Botschaft Moskau über den Termin vorab informiert war, ist dabei unklar.
Üblicherweise bieten die Auslandsvertretungen früheren Bundeskanzlern oder Bundespräsidenten an, sie bei politischen Terminen außerhalb Deutschlands zu unterstützen. Schröder indes reiste offenbar nicht auf Wunsch der Bundesregierung nach Moskau. Das Büro Schröders reagierte auf eine Tagesspiegel-Anfrage am Samstag zunächst nicht.
Von „einem guten Gespräch“ spricht ein Putin-Mann
Schröder war zuvor von Putin im Kreml empfangen worden. Es sei „ein gutes Gespräch“ gewesen, sagte am Freitagabend Putins Berater Juri Uschakow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Zum Inhalt könne er nichts sagen, weil es sich um ein „Gespräch unter vier Augen“ gehandelt habe, fügte Uschakow hinzu.
Auf Nachfrage, ob Aussichten auf Verhandlungen zwischen Russland und der EU erörtert worden seien, antwortete er: „Das weiß ich nicht – es war ein Gespräch unter vier Augen.“ Dieses sei „freundschaftlich“ verlaufen.
Putin hatte hinsichtlich der Bemühungen um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs Schröder im Mai als seinen bevorzugten Vermittler von europäischer Seite genannt. Er hatte damals gesagt: „Persönlich bevorzuge ich den früheren Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Schröder.“ Der frühere SPD-Chef gilt als persönlicher Freund Putins und war auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für russische Energiefirmen tätig.
Was bitte soll ein solches Vier-Augen-Gespräch schaden? Ob es am Ende nützen wird, lässt sich heute kaum abschätzen.
Ralf Stegner, SPD-Außenpolitiker
Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner begrüßte das Treffen zwischen Schröder und Putin, warnte aber vor zu hohen Erwartungen. „Egal, was man von Gerhard Schröder hält, muss doch jeder anerkennen: Es ist eher eine Chance als ein Risiko, wenn der frühere Bundeskanzler Schröder mit Präsident Putin redet“, sagte Stegner dem Tagesspiegel: „Was bitte soll ein solches Vier-Augen-Gespräch schaden? Ob es am Ende nützen wird, lässt sich heute kaum abschätzen.“
In der „teils großen Erregung über Schröder“, sagte Ex-SPD-Vize Stegner, müsse man unterscheiden: „Ein Verhandlungsführer für den Westen kann Schröder nicht sein. Aber natürlich kann er ein Vermittler zu Putin sein.“ Schröder sei kein aktiver Politiker mehr, er entscheide damit auch nichts.
„Wer in Deutschland hat denn noch Zugänge zu Putin?“, fragte Stegner: „Wir können froh sein, dass der Draht zwischen Schröder und Putin noch funktioniert. Ich bin sicher: Schröder war nicht im Kreml, um Putin zu diesem schrecklichen Krieg zu gratulieren oder ihn zu umschmeicheln.“ Putin habe bisher kein Kriegsziel erreicht, und er müsse diesen Krieg beenden.
„Die Empörung der üblichen Verdächtigen über Schröder“ bringe keinen Schritt weiter, und helfe auch der Ukraine nicht, sagte Stegner: „Es bringt auch nichts, Putin an der Kreml-Mauer zuzurufen: Du bist ein Diktator. Stattdessen sollten wir uns über jeden, wirklich jeden Versuch freuen, wenn ein Elder Statesman wie Schröder auf Putin einwirkt.“ (mit AFP)
