Fußball-WM, Friedrich Merz und die AfD



Ausnahmsweise beginnt dieser Artikel einmal nicht mit Politik, weil bereits der Countdown läuft: Am 11. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 der Männer in Kanada, Mexiko und den USA. In der Gruppenphase wird die deutsche Nationalmannschaft gegen Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador spielen. 

Im Dezember 2022, bei der letzten Weltmeisterschaft in Katar, schieden die Deutschen bereits in der Gruppenphase aus. Ob es an diesen Erinnerungen liegt, dass sich die Begeisterung für die Fußball-WM bei den Deutschen derzeit noch in Grenzen hält? Im ARD-Deutschlandtrend sagen zwei Drittel der Bundesbürger, sie hätten wenig oder gar kein Interesse an den Spielen.  Die Meinungsforscher von infratest dimap haben 1326 wahlberechtigte Deutsche am 1. und 2. Juni repräsentativ für den Deutschlandtrend befragt. 

Wie weit die Deutschen kommen, darüber gehen die Ansichten auseinander. 24 Prozent trauen der deutschen Mannschaft zu, mindestens unter den besten acht Fußballteams zu landen und ins Viertelfinale einzuziehen. 22 Prozent gehen von einem deutschen Finaleinzug aus, 20 Prozent setzen dort auch auf den Finalsieg. 2022 hatten das nur acht Prozent gesagt. Als ernstzunehmende Mit-Anwärter auf den Titel gelten bei den Deutschen vor allem Vize-Weltmeister Frankreich sowie Spanien

Schlechte Noten für die Bundesregierung 

Während die Fußballer noch auf den Anpfiff warten, haben die Mannschaften der konservativen Parteien CDU/CSU und der Sozialdemokraten das erste Viertel ihrer gemeinsamen Regierungszeit schon hinter sich. Um in der Fußball-Sprache zu bleiben: Viele Tore haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Minister nach Ansicht der Bürger nicht geschossen. 87 Prozent der im Deutschlandtrend Befragten sind mit der Arbeit der Regierung unzufrieden – ein neuer Höchststand. 

Bei den beliebten und unbeliebten Politikern hält der Kanzler weiter einen Rekord: Nur 16 Prozent finden ihn gut. Noch unbeliebter ist nur seine CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Auch in der sogenannten Sonntagsfrage läuft es für die Union nicht gut. 

Im Vergleich zum ARD-Deutschlandtrend Anfang Mai sackten CDU/CSU weiter ab und kommen auf nur noch 24 Prozent, das ist der niedrigste Wert seit vier Jahren. Die SPD legte leicht zu auf 13 Prozent. Die Grünen könnten aktuell mit 14 Prozent rechnen, die Linke mit zehn Prozent. In Führung liegt weiter die in Teilen rechtsextreme Alternative für Deutschland (AFD) mit 27 Prozent. 

Überzeugung oder Enttäuschung?

Interessant ist die Frage, worauf die Entscheidung für eine Partei gründet. Das Angebot der Parteien löst bei vielen Befragten aktuell wenig Begeisterung aus. Gut jeder zehnte Wähler, darunter viele Anhänger von Union und SPD, fühlt sich derzeit weder vom Programm noch durch das Personal seiner Partei angesprochen. Sie begründen ihre momentane Präferenz eher mit einer langfristigen Bindung. Nur jeder Zweite bevorzugt seine Partei aus Überzeugung, etwa ebenso viele aber wegen des enttäuschenden Angebots der anderen. Das trifft besonders auf die AfD-Wähler zu. 57 Prozent von ihnen geben an, die Partei zu wählen, weil sie von den anderen Parteien enttäuscht sind.

Hält die Brandmauer?

Im September finden in zwei ostdeutschen Bundesländern und in Berlin Landtagswahlen statt. In Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern schneidet die AfD in den Umfragen so gut ab, dass die Partei in beiden Bundesländern bereits ein „Regierungsprogramm“ aufgestellt hat. Für eine absolute Mehrheit würde es nach derzeitigem Stand nicht reichen. Die hohen Zustimmungswerte befeuern jedoch die Debatte über eine Zusammenarbeit anderer Parteien mit der AfD.

Derzeit schließen Union, SPD, Grüne und die Linkspartei eine Zusammenarbeit mit der AfD in den Landtagen und im Bundestag kategorisch aus. Vier von zehn Deutschen finden die sogenannte Brandmauer richtig. Drei von zehn unterstützen eine Prüfung von Fall zu Fall, ein Viertel eine gezielte Kooperationssuche. Blickt man auf die einzelnen Parteien und ihre Anhänger, ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Bei Grünen, Linken und der SPD sind zwei Drittel und mehr gegen eine Zusammenarbeit, bei der CDU ist es jeder Zweite. Bei der AfD ist es umgekehrt. Eine deutliche Mehrheit von 76 Prozent würden eine Zusammenarbeit begrüßen.

Die CDU schließt für sich auch eine Zusammenarbeit mit den Linken aus. Das finden 56 Prozent der Bevölkerung nicht richtig. Nur von den CDU-Anhängern wird diese Entscheidung überwiegend mitgetragen (51 Prozent). 

Schwache Wirtschaft löst Migration als Top-Thema ab

Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung ist vor allem deswegen so groß, weil die Erwartungen so gewaltig waren. Geschürt vom Kanzler und CDU-Vorsitzenden selbst. Friedrich Merz hatte große Reformen in Aussicht gestellt und nicht weniger als einen schnellen Wirtschaftsaufschwung versprochen. Doch daraus wurde nichts. Die Konjunkturaussichten für das laufende Jahr sind weiterhin mies. 

Unter den Bürgern ist die wirtschaftliche Stimmung inzwischen so schlecht wie zu Zeiten der Eurokrise. Die Belebung der Konjunktur wird im ARD-Deutschlandtrend als Hauptaufgabe für die Bundespolitik formuliert.

Nur 13 Prozent bewerten die Lage der Wirtschaft in Deutschland momentan positiv. Zugleich rechnen vier von zehn mit einer Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Lage in den kommenden zwölf Monaten, in Ostdeutschland ist es fast jeder Zweite.  

Rente, Gesundheit, Pflege: Höhere Beiträge oder weniger Leistung? 

Die deutsche Wirtschaft ist nicht mehr wettbewerbsfähig, auch weil die Kosten zu hoch sind. Besserung soll eine Reform der Sozialversicherungen bringen. Für das Gesundheitssystem liegt ein Gesetzentwurf im Bundestag. Bei der Rente soll es im Juni Vorschläge einer Expertenkommission geben. Die Frage ist, ob es in Zukunft weniger Leistungen geben wird, oder ob die Versicherten mehr zahlen sollen. 

Insgesamt sagen im ARD-Deutschlandtrend 44 Prozent der Befragten, sie würden lieber mehr bezahlen, 28 Prozent votieren für Leistungskürzungen. Immerhin jeder vierte will sich bei der Frage nicht entscheiden. Wobei in der Linkspartei, bei den Grünen und auch in der SPD die Meinung vertreten wird, dass Beitragserhöhungen nicht die unteren Gehaltsgruppen, sondern allein Besserverdienende treffen sollten.  



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