Medikament verlängert Leben, heilt aber nicht



Bauchspeicheldrüsenkrebs ist tückisch – und führt in vielen Fällen schon wenige Monate nach der Diagnose zum Tod. Kein Wunder, dass sich eine Nachricht wie diese aufregend liest: Ein neues Medikament – Daraxonrasib – konnte in einer Studie die Lebenszeit von Patienten und Patientinnen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs verdoppeln.  

Im Vergleich zu Erkrankten, die sich einer Chemotherapie unterzogen, lebten die Betroffenen nicht nur länger, auch ihre Lebensqualität war höher. Offenbar ging die Behandlung mit Daraxonrasib mit weniger starken Nebenwirkungen einher. 

Die Studie sei „als ein revolutionärer Durchbruch für Patienten mit Pankreaskarzinom einzustufen“, sagt Dietrich Ruess, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter des zertifizierten Pankreaskarzinomzentrums, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. 

„Aus meiner Sicht ist das eine der wichtigsten klinischen Entwicklungen beim metastasierten Pankreaskarzinom seit vielen Jahren“, sagt auch Dieter Saur, Professor für Translationale Tumorforschung, Technische Universität München (TUM), und Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg. 

Daraxonrasib hemmt RAS-Gen

Der Grund für die Begeisterung der Experten: Daraxonrasib hemmt zielgerichtet das sogenannte RAS-Gen. Dieses Gen codiert für ein Protein, das in der Zelle Wachstums- und Teilungsprozesse anstößt. Bei etwa 90 Prozent der Menschen mit Pankreaskarzinom liegt eine Mutation dieses Gens vor: Es ist permanent aktiv – so werden Tumorentstehung und –wachstum begünstigt. 

Die Studienteilnehmenden, die Daraxonrasib einnahmen, lebten im Mittel 13,2 Monate ab Beginn der Behandlung – im Vergleich zu 6,6 Monaten ab Beginn der Behandlung bei der mit Chemotherapie behandelten Kontrollgruppe. 

Bei all der Freude über die Studienergebnisse sollte man nicht vergessen: Daraxonrasib heilt kein Pankreaskarzinom. Es bleibt dabei, in den meisten Fällen ist die Diagnose ein Todesurteil. „‚Vielversprechend’ ist eigentlich ein zu starkes Wort“, sagt Susanne Weg-Remers deshalb. Sie ist Ärztin und Leiterin des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg

So arbeitet die Bauchspeicheldrüse

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Bauchspeicheldrüsenkrebs: Kaum Frühwarnzeichen, geringe Überlebenschance 

Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt sich unbemerkt. Betroffene haben zu Beginn keine oder nur sehr unspezifische Symptome. Dazu gehören Schmerzen im Oberbauch, Rückenschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen sowie Appetit- und Gewichtsverlust. 

Laut Robert Koch Institut (RKI) erkrankten 2023 etwa 20.000 Menschen in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Fast genauso viele starben.  

„Idealerweise, aber das ist eben leider nur sehr selten der Fall, wird der Bauchspeicheldrüsenkrebs so früh entdeckt, dass er noch operabel ist“, sagt Weg-Remers. In diesem Fall wird ein Großteil der Bauchspeicheldrüse entfernt, je nach Lage des Tumors auch Teile des Zwölffingerdarms und des Magens. 

Anschließend erhielten die Betroffenen eine Chemotherapie, in manchen Fällen ergänzend eine Strahlentherapie, sagt Weg-Remers. Geforscht wird außerdem an einer mRNA-Impfung, die eine Rückkehr des Tumors verhindern soll. Doch selbst mit OP und Chemo stehen die Chancen nicht gut: Nach fünf Jahren leben noch 11 Prozent der Erkrankten. 

Besondere Maßnahmen zur Früherkennung von Pankreaskarzinomen werden nicht empfohlen. Das habe mit der ungünstigen Lage der Bauchspeicheldrüse zu, die sich im Raum zwischen Bauchhöhle und Wirbelsäule befindet, so Weg-Remers. 

„Mit den Untersuchungsmethoden, die wir zur Verfügung haben und die sich für ein Screening der Bevölkerung eignen würden, kann man die nur sehr schlecht untersuchen“, erklärt sie. Ausnahmen bilden Menschen, die erblich vorbelastet sind und in deren Familien gehäuft Pankreaskarzinome vorkommen. 

Trotz Forschung bisher keine vielversprechende Therapie bei Pankreaskarzinom 

Kann der Tumor nicht operiert werden – weil er metastasiert, also in andere Körperbereiche gestreut hat – sterben die Erkrankten innerhalb weniger Monate. Diese Zeit kann möglicherweise durch Chemotherapien verlängert werden. Der Preis sind häufig schwere Nebenwirkungen. 

Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung sei es deshalb eine individuelle Entscheidung der Erkrankten, wie sie behandelt werden möchten, so Weg-Remers. Eine rein palliative Versorgung, bei der Medikamente gegen die Schmerzen und die Verdauungsstörungen gegeben werden, ist auch eine Möglichkeit. 

Zielgerichtete Medikamente, die an einer bestimmten Stelle im Tumor ansetzen und dessen Wachstum hemmen, gebe es nur in sehr begrenztem Umfang, sagt Weg-Remers: „Da steht man, trotz sehr viel Forschung in den letzten Jahren, immer noch relativ am Anfang.“

Die Freude über Daraxonrasib dürfte auch daher rühren: Es gibt aktuell nicht viel, was Ärzte und Ärztinnen für Betroffene tun können, außer ihnen etwas mehr Zeit zu verschaffen und diese so angenehm wie möglich zu gestalten. 



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