KI-Regulierung in den USA: Trump und der Papst haben KI-Sorgen. Die sind nur grundverschieden
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So schnell kann es gehen: US-Präsident Donald Trump hat seine Executive Order zur Kontrolle von
künstlicher Intelligenz (KI) wenige Stunden vor der Unterzeichnung verschoben, weil ihm »bestimmte Aspekte« nicht gefallen hätten, wie er
Journalisten erklärte. »Wir liegen vor China, wir liegen vor allen anderen«, sagte
Trump. Er werde nichts tun, was diesen Vorsprung gefährden könne. Ich bin mir nicht sicher, ob die Regierung damit so gut beraten ist. Das Wettrüsten
mit China so viel wichtiger zu nehmen als die KI-Kritik in der eigenen
Bevölkerung, die derzeit immer lauter wird, könnte sich noch als riskante Strategie erweisen.
Das müssen Sie wissen: Papst Leo XIV. befürchtet Rückschritt durch KI
Papst Leo XIV. hat seine lang
erwartete erste
Enzyklika veröffentlicht (für alle, die nicht
fließend katholisch sprechen: Das ist eine Art kirchliches Lehrschreiben). Darin formuliert der Papst seine christliche-sozialethische
Antwort auf den Digitalkapitalismus des 21. Jahrhunderts. Es sei eine kirchliche Vision und Warnung für
das angebrochene KI-Zeitalter, schreibt
mein Kollege Titus Blome in
seiner Analyse – und ein
Plädoyer für einen christlichen Humanismus und den Wert menschlicher Fehlbarkeit.
Künstliche Intelligenz lehnt der Papst darin nicht ab, sie dürfe aber
nicht nur wenigen privaten Akteuren dienen, sondern müsse den Menschen, der
Wahrheit und der Würde der Arbeit zugutekommen. Insofern ruft uns Leo XIV. auch in Erinnerung, was Arbeit den Menschen bedeutet. Dass
sie eben kein reiner Produktionsfaktor ist, sondern vielmehr ein der
menschlichen Natur eingeschriebenes Bedürfnis nach Entwicklung und Erfüllung. In einer Gesellschaft, die nur einem kleinen Teil der
Bevölkerung Arbeit garantiert, stünden wir »vor einem Paradoxon aus materiellem
Fortschritt und anthropologischem Rückschritt«, warnt der Papst.
In dieser Hinsicht ist
die Enzyklika nicht nur eine Ermahnung, sondern auch eine Ermutigung. Dazu nämlich, als Gesellschaft nicht in einer Wartestellung zu verharren, bis Arbeitsplätze
verschwinden, sondern frühzeitig Antworten zu entwickeln auf die sozialen
Verteilungsfragen, die KI aufwirft.
Darüber sollten Sie nachdenken: Und wie soll man nun Arbeitnehmer vor den KI-Folgen schützen?
Was der Papst fordert, damit macht der US-Demokrat
Gavin Newsom längst Wahlkampf – ausgerechnet als Gouverneur in Kalifornien,
also in der Herzkammer des US-KI-Booms. Newsom lässt prüfen, wie Arbeitnehmer besser vor den KI-Folgen am Arbeitsmarkt geschützt werden können. Eine Möglichkeit wäre der Ausbau staatlich subventionierter Beschäftigungsprogramme. Umfangreiche
Umschulungen für Büroangestellte sowie ein Grundeinkommen, das allen Einwohnerinnen und Einwohnern Beteiligungen an Vermögenswerten wie Unternehmensaktien ermöglicht, bringt Newsom ebenso
ins Spiel.
Die klassische Arbeitslosenversicherung werde angesichts der
KI-Folgen für den Arbeitsmarkt nicht ausreichen, sagt der Demokrat. »Dieser Moment verlangt, dass wir das
gesamte System neu entwerfen, wie wir arbeiten, wie wir regieren, wie wir
Menschen auf die Zukunft vorbereiten«, heißt es auf der Internetseite des Gouverneurs.
Und er wünscht sich, dass alle – Behörden, Fachleute, Unternehmen – an Antworten
und Ideen mitarbeiten sollen.
Ob das, was man dort erarbeitet, tatsächlich einmal Realpolitik wird – das ist natürlich unklar, weil: bezahlt werden müsste es ja zum Beispiel auch noch. Immerhin
aber traut sich Newsom diese unbequemen Fragen, die KI aufwirft, zu
adressieren. Darum
hat sich zum Beispiel die deutsche Politik lange gewunden. Inzwischen hat sich das geändert. Digitalminister Karsten
Wildberger (CDU) sagte Ende März, »dass ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Teil
der Lösung werden kann, um die Umwälzungen am Arbeitsmarkt aufzufangen«.
Aber ausreichen werde das nicht, betonte Wildberger, weil es keine
sinnstiftende Tätigkeit ersetze. Womit wir möglicherweise wieder bei Newsoms Beschäftigungsprogrammen wären.
Das können Sie ausprobieren: Fitbit Air
Können Sie sich vorstellen, einen KI-Fitnesscoach um Ihr Handgelenk zu
tragen, der Sie täglich motiviert oder bremst? Mein Kollege Henrik Oerding hat
das gut eine Woche lang ausprobiert, und zwar mit
dem Fitbit Air von Google, das es seit dieser Woche zu kaufen gibt. Das
schlichte Stoffband ohne Bildschirm gibt es für 100 Euro. Den KI-Coach, hinter
dem sich Googles künstliche Intelligenz Gemini verbirgt, gibt es im Premiumabo
Google Health für monatlich zehn Euro, mit ihm kann man sich über eine App auf
Android- oder iOS-Geräten austauschen.
Nach dem Einrichten empfahl der KI-Coach Henrik direkt ein erstes
Kennenlerngespräch, um ihm einen Trainingsplan zu entwerfen, der sich seiner
Leistung entsprechend anpasste. Mit dem Coach konnte er sich über
Trainingsroutinen austauschen, außerdem lieferte er ausformulierte Analysen zu
seinen Belastungs- und Regenerationsphasen. Was ich angenehm zurückgelehnt
fand: Einmal riet der KI-Coach Henrik, sich nach einer kurzen Nacht zu erholen
und nur einen kurzen Spaziergang zu machen. Natürlich, nicht alles klappte,
seinen Schlaf konnte das Band zum Beispiel nicht immer fehlerfrei tracken, aber
grundsätzlich war Henrik zufrieden. Das Fitbit Air sei ein solides Produkt für
den Massenmarkt, schreibt Henrik. Dem Whoop-Band die Show
stehlen, werde es aber nicht.
