Marktbericht: Anleger verdrängen Inflationssorgen | tagesschau.de


Börsenhändlerinnen an der Frankfurter Börse.


marktbericht

Stand: 27.04.2026 • 08:13 Uhr

Angesichts der unsicheren Lage im Nahen Osten bleibt die Unsicherheit bei den Investoren groß. Die Ölpreise legen deutlich zu, trotzdem dürfte der DAX mit einem leichten Plus in die neue Woche starten.

Der Broker IG taxierte den DAX vor Handelsbeginn rund 0,2 Prozent fester bei knapp 24.200 Zählern. Am vergangenen Freitag war der deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 24.128,98 Punkten aus dem Handel gegangen. Der Wochenverlust lag bei 2,3 Prozent.

Natürlich ist die Situation im Konflikt zwischen USA und Iran weiterhin das bestimmende Thema. Die Hoffnungen auf erneute Friedensbemühungen hatten am Wochenende einen Dämpfer erhalten, nachdem US-Präsident Donald Trump eine geplante Reise seiner Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner abgesagt hatte.

„Der Markt ringt um Orientierung, sowohl geldpolitisch als auch geopolitisch“, stellt Marktexperte Timo Emden von Emden Research fest. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran seien nicht behoben und sorgten damit für eine anhaltende Phase der Unsicherheit, so Emden. Solange kein klarer politischer Fahrplan erkennbar sei, bleibe das Umfeld fragil.

Die Ölpreise ziehen heute wegen der stockenden Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran erneut deutlich an. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um gut zwei Prozent auf 107,49 Dollar pro Barrel. Der Preis für die US-Sorte WTI stieg um knapp zwei Prozent auf 96,17 Dollar.

Wegen der hohen Ölpreise bleibt die Sorge vor einer steigenden Inflation bestehen. Im März hatten sich Kraftstoffe um 20 Prozent verteuert, Heizöl sogar um 44 Prozent. Die Verbraucherpreise waren um 2,7 Prozent verglichen mit dem Vorjahr gestiegen – so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Solange die USA weiter um die Kontrolle der Straße von Hormus ringen würden, die Seeblockade bestehen bleibe und eine Verhandlungslösung im Iran-Krieg nicht in Sicht sei, werde der Ölpreis hoch bleiben, urteilte Claudia Windt, Leiterin Research bei der Helaba.

Je länger sich die Energiepreise auf hohem Niveau halten, desto größer werden auch die Auswirkungen auf alle Branchen. Im Fokus der Investoren stehen deshalb die Inflationsdaten aus Deutschland am Mittwoch und zum Euro-Raum am Donnerstag.

Müssen die Notenbanken auf steigende Verbraucherpreise jetzt mit steigenden Zinsen reagieren? Am kommenden Donnerstag steht der Leitzinsentscheid der Europäischen Zentralbank an. Bislang rechnen die meisten Experten aber noch nicht mit einer Zinserhöhung. Wahrscheinlicher werde sie Analysten zufolge aber im Juni.

Neben der EZB werden auch die US-Notenbank Federal Reserve und die Bank of Japan ihren Zinsentscheid fällen. Höhere Zinsen würden die ohnehin angeschlagene Konjunktur weiter dämpfen und den Aktienmarkt belasten.

Während der DAX noch einige Punkte von seinem Allzeithoch entfernt ist, hält die Rekordstimmung in Japan an. Der Nikkei legt um fast zwei Prozent zu und erreicht einen neuen Höchststand bei knapp 60.900 Zählern.

Die Börse Shanghai legte um 0,2 Prozent auf 4.086 Punkte zu. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stieg um 0,3 Prozent auf 4.781 Punkte.

Dabei läuft es für die chinesischen Industrieunternehmen gut: Die Gewinne sind im März so stark gestiegen wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Sie legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,8 Prozent zu, teilte das Nationale Statistikbüro mit. In den Monaten Januar und Februar hatte das Plus noch bei 15,2 Prozent gelegen. Im gesamten ersten Quartal wuchsen die Industriegewinne damit um 15,5 Prozent.



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