Seltene Erden: Bricht Brasilien Chinas Monopol?


In Brasilien bahnt sich ein neuer Rohstoffrausch an. Diesmal geht es nicht um Gold, Kaffee oder Kautschuk, sondern um das Gold im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und erneuerbarer Energien: Seltene Erden

„Die nächsten großen Projekte für Seltene Erden werden in Brasilien sein“, ist Geologe Andrew Tunks, Vorstandsvorsitzender des australischen Bergbauunternehmens Meteoric Resources, überzeugt. „Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, aber irgendwann wird Brasilien mit China konkurrieren,“ sagt er im DW-Gespräch.

Das Unternehmen Meteoric investiert massiv in den Abbau Seltener Erden in Brasilien. Bei dem sogenannten „Caldeira-Projekt“ der Firmaim brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais handelt es sich um das größte ionische Tonvorkommen weltweit.

Ionische Tonböden sind eine der wichtigsten Quellen für „mittlere“ und „schwere“ Seltene Erden (zum Beispiel Dysprosium, Terbium), die für Hochleistungsmagnete in Windrädern und E‑Mobilität besonders wichtig sind.

Australien | Andrew Tunks, Executive Chairman von Meteoric, Porträtbild
Von Brasiliens Potential überzeugt: Andrew Tunks, Vorstandsvorsitzender des australischen Bergbauunternehmens MeteoricBild: Privat

Run auf Reserven

Die Nachfrage nach Seltenerdmetallen für Magnete hat sich laut der Internationalen Energie Agentur (IEA)seit 2015 verdoppelt und wird bis 2030 voraussichtlich noch um mehr als 30 Prozent steigen. Die Elemente, insbesondere Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium, werden unter anderem bei der Produktion von Elektrofahrzeugen, KI-Rechenzentren und in der Robotik benötigt. 

Brasilien ist nach China das Land mit den größten Vorkommen an Seltenen Erden weltweit (siehe Grafik). Die Vorräte werden auf rund 21 Millionen Tonnen geschätzt. China führt das weltweite Ranking mit 44 Millionen Tonnen an.

Die steigende weltweite Nachfrage nach Seltenen Erden hat bei der brasilianischen Bergbaubehörde ANM zu einer Explosion von Anträgengeführt. Aktuell gibt es  2758 Projekte.

Zum Vergleich: Zwischen 1975 und 2020 wurden in Brasilien etwas mehr als 250 Anträge für den Abbau von Seltenen Erde eingereicht. Zwischen 2023 und 2024 waren es 1662. 

USA übernehmen Mine in Brasilien

Brasiliens neuer „Goldrausch“ zeigt sich auch an der Börse. Die Aktienkurse von Unternehmen, die im Land in den Abbau Seltener Erden investieren, gingen durch die Decke. So verzeichneten die Firmen Meteoric (Australien), Resouro Strategic Metals (Kanada), Appia Rare Earths and Uranium Corp (Kanada) und USA Rare Earths (USA) in den vergangenen zwölf Monaten Kursgewinne zwischen 65 Prozent und 122 Prozent ein.

Die Firma USA Rare Earths übernahm im April die einzige aktive Seltenerdmine Brasiliens von dem brasilianischen Bergbauunternehmen Serra Verde in Minaçu im brasilianischen Bundesstaat Goias. Preis: 2,8 Milliarden Dollar.  

„Die Mine von Serra Verde ist die einzige außerhalb Asiens, die alle vier magnetischen Seltenen Erden in großem Maßstab liefert“, erklärte CEO Barbara Humpton nach der Übernahme. Wie wichtig die Mine ist, zeige der 15-jährige Abnahmevertrag mit verschiedenen US-Regierungsbehörden. 

Brasilien Poços de Caldas 2025 | Serra Verde-Projekt zur Gewinnung Seltener Erden
Strategisches Investment: Die von der US-Firma USA Rare Earth übernommene brasilianische Firma Serra Verde in Minacu in Goias ist die einzige Anlage in Brasilien, die Seltene Erden weiterverarbeitetBild: Serra Verde Pesquisa e Mineração (SVPM)

Die Beteiligung deutscher Unternehmen an der Rohstoffgewinnung in Brasilien ist nach Angaben der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in Sao Paulo noch „selektiv“. 

Deutschland verfolge jedoch das Ziel, seine Partnerschaften mit Brasilien im Kontext kritischer Mineralien, der Energiewende, der grünen Industrie sowie der Sicherung von Lieferketten auszubauen, versichert Bruno Vath Zarpellon, Bereichsleiter Geschäftsentwicklung der Außenhandelskammer, gegenüber der DW.

Konkurrenz mit China?

Serra Verde ist eine Ausnahme im brasilianischen Szenarium. Denn im Gegensatz zu China hat sich das Land bisher darauf beschränkt, seine Rohstoffe zu exportieren und nicht weiterzuverarbeiten und zu veredeln.

In China liegt der Anteil der Veredelung nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IAE) mittlerweile bei über 90 Prozent. Auch bei der Produktion von Permanentmagneten verfügt China mit einem Anteil von 95 Prozent über eine Monopolstellung.

Diese Abhängigkeit bekam die Elektronikindustrie im vergangenen Jahr zu spüren. Aufgrund der von China verhängten Exportkontrollen für Seltene Erden nach dem Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump kam es zu Lieferengpässen.

China dominiert Seltene Erden

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Brasilien, aber auch andere Länder mit großen Rohstoffvorkommen wie Indien, Vietnam oder Schweden und Norwegen, wollen deshalb eigene Wertschöpfungsketten aufbauen. Meteoric-Chef Tunks weist darauf hin, dass dies einen langen Atem erfordert. 

„Was den Bergbau angeht, könnte Brasilien relativ schnell konkurrenzfähig werden“, so Tunks.“ „Aber bei der Produktion wird es noch einige Zeit dauern.“

Einfacher Abbau der Lagerstätten

Aus geologischer Perspektive verfügt Brasilien im Vergleich zu anderen Ländern mit großen Reserven über einen Vorteil: Knapp 73 Prozent der Vorkommen im Land bestehen nach Angaben des geologischen Instituts (SBG) aus ionischen Tonböden.

„Es handelt sich dabei um Vorkommen, bei denen die Natur selbst einen Teil des Verarbeitungsprozesses übernommen hat, also um Granitgestein, das sich verändert oder zersetzt hat“, erklärt Francisco Valdir Silveira, Leiter des brasilianischen Geologischen Instituts SBG. „Ionische Tonlagerstätten sind deshalb leichter abzubauen.“

Geologe und Bergbauunternehmer Andrew Tunks sieht noch weitere Vorteile für Abbau und Aufbereitung von Selten Erden in Brasilien. „Aufbereitung erfordert viel Strom und Wasser. Unser Bergwerk in Brasilien wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben und Strom ist günstig“, so Tunks. „Das gibt es in Australien einfach nicht. Dort ist es sehr trocken und Strom sehr teuer.“

Tunks hofft, dass der „Goldrausch“ in Brasilien einen anderen Verlauf nimmt als in seiner Heimat. „In Australien fördern wir riesige Mengen an Rohstoffen und schicken sie einfach nach China. Wir schaffen dabei keinen einzigen Cent an Mehrwert. Ich hoffe, dass Brasilien das besser hinbekommt.“

Unter Mitarbeit von Heloisa Mundt.



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