Wie die Commerzbank-Aktionäre zu einer Übernahme durch UniCredit stehen


Hauptversammlung der Commerzbank im RheinMain CongressCenter (RMCC).

Stand: 20.05.2026 • 17:08 Uhr

Die italienische UniCredit besitzt schon fast 27 Prozent an der Commerzbank. Deren Übernahmeangebot hält die Führungsspitze der Privatbank für zu niedrig. Und was sagen die Anleger dazu?

Das wichtigste Thema bei der heutigen Aktionärsversammlung der Commerzbank stand offiziell gar nicht auf der Tagesordnung: Seit zwei Jahren hat sich die italienische Großbank UniCredit an der „Coba“ beteiligt und zuletzt angeboten, das Unternehmen übernehmen zu wollen. Auf den Gängen und an den Verpflegungsständen des Wiesbadener Kongresszentrums ist UniCredit das Thema Nummer 1. „Es steht ein Elefant im Raum“, sagt Andreas Thomae von Deka Investment, der Fondsgesellschaft der Sparkassen. Die Commerzbank ist nach der alles überragenden Deutschen Bank und der genossenschaftlichen DZ-Bank Deutschlands drittgrößte Privatbank.

Gebeutelte Aktionäre

Aktionärinnen und Aktionäre der Commerzbank haben schlechte Jahre hinter sich. Einer ereifert sich am Rande der Hauptversammlung über den Redebeitrag eines Arbeitnehmers bei der letztjährigen Versammlung. Der habe behauptet, die Commerzbank würde nur wegen des großen Engagements des Personals noch leben. „So eine Frechheit“, ruft der Aktionär. „Ein Mensch, der jahrelang sein hohes Gehalt sicher kassiert hat, erzählt uns so einen Käse. Wir haben jahrelang keine Dividende gesehen.“

Die Commerzbank hat seit der Finanzkrise keine oder nur sehr geringe Dividenden gezahlt. Der Börsenkurs der Aktien dümpelt weit unter dem Vorkrisenniveau dahin und hat erst seit dem Interesse von UniCredit Auftrieb bekommen. „Ich finde es nicht richtig, dass unsere Commerzbank von den Italienern übernommen wird“, sagt eine Aktionärin, „aber immerhin hat UniCredit Schwung gebracht.“ Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre sieht das ähnlich: „Unserer Auffassung nach hat der Einstieg der UniCredit dem Transformationsprozess eine ganz neue, größere Dynamik verliehen.“

Die Bank wird saniert

Unter dem Druck von UniCredit wurde die lange Zeit ertragsschwache und kostenreiche Commerzbank auf Gewinn getrimmt. Das Management hat eine Strategie „Momentum 2030“ entworfen. „So schaffen wir Mehrwert für unsere Aktionärinnen und Aktionäre, unsere Mitarbeitenden und unsere Kundinnen und Kunden“, sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp. „Mit ‚Momentum 2030‘ beschleunigen wir unser Wachstum und wir transformieren uns – mit Künstlicher Intelligenz als Kerntreiber.“

Es mehren sich aber Stimmen, die warnen: Es gehe nicht nur darum, Kosten zu senken, sondern auch darum, Erträge zu steigern. Nachdem unproduktive Unternehmensteile dichtgemacht wurden, müsse neues Geschäft gemacht werden. „Der beste Schutz vor einer Übernahme ist die eigene Wertsteigerung“, sagte der Sparkassen-Vertreter Thomae. Das sei im wettbewerbsintensiven deutschen Markt allerdings schwierig, gab Hendrik Schmidt von der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS zu bedenken.

Schlechtes UniCredit-Angebot

Für Commerzbank-Aktien bietet UniCredit eigene Aktien im Tausch an. Dieses aktuelle Angebot ist nicht attraktiv: Wenn Aktionäre ihre Commerzbank-Anteile an der Börse verkaufen und vom Erlös UniCredit-Papiere kaufen würden, stünden sie besser da als beim vorgeschlagenen Tausch. Auch Orlopp kritisierte heute erneut, mit dem Angebot versuche UniCredit „die Commerzbank zu einem Preis zu übernehmen, der den fundamentalen Wert und das Potenzial unserer Bank nicht angemessen widerspiegelt“.

Daher gilt das Übernahmeangebot nur als Teil einer Kampagne, die den Willen des UniCredit-Managements deutlich machen soll. Dass UniCredit schon der mit Abstand größte Aktionär der Commerzbank ist, zeigt: Die Italiener meinen es ernst.

Freund oder Feind?

Manche Anteilseigner teilen die Einschätzung von Vorstand und Aufsichtsrat, es handele sich um den Versuch einer „feindlichen Übernahme“. Andere geben zu bedenken, dass nicht das Management zu entscheiden habe, was Aktionäre mit ihrem eigenen Geld machen. Wenn Preis und Strategie richtig seien, sei gegen Unternehmenskäufe nichts zu sagen – auch wenn danach Spitzenleute gefeuert werden.

Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung Wertpapierbesitz erinnerte an eine andere Übernahme, die der Commerzbank kein Glück brachte. Nachdem sie die waidwunde Dresdner Bank in aller Freundschaft und viel zu teuer gekauft hatte, war die Commerzbank jahrelang mit dem Zusammenschluss beschäftigt und fand kaum mehr Zeit fürs eigentliche Geschäft.

Giftpfeile Richtung Italien

In vorab veröffentlichten Unterlagen zur Hauptversammlung fällt das Wort „UniCredit“ nicht. In den Tagesordnungspunkten 7 und 8 verbirgt sich allerdings ein Teil der Abwehrstrategie. Vorstand und Aufsichtsrat beantragen, dass die Bank bis zu zehn Prozent ihrer eigenen Aktien kaufen darf.

Der geplante Aktienrückkauf habe das Zeug, die UniCredit in eine Rechtsfalle zu locken, führte DWS-Sprecher Hendrick Schmidt aus. Denn mit zehn Prozent Aktien im Eigentum der Commerzbank würde die Menge der frei gehandelten Aktien um ein Zehntel sinken. Wenn ein Aktionär mehr als dreißig Prozent der frei verfügbaren Aktien hat, muss er den übrigen Aktionären ein offizielles Übernahmeangebot unterbreiten. Das würde viel teurer als das aktuelle Tauschangebot.

Aktuell hat UniCredit gemeldet, 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien zu besitzen. „Durch die Aktienrückkaufprogramme kann die UniCredit ihren Beteiligungswert nicht mehr planbar steuern“, gab Aktionärssprecher Kienle zu bedenken.

Die größten Aktionäre

In der Finanzkrise hatte sich der Staat an der Commerzbank beteiligt. Noch heute ist die Bundesrepublik mit 12,11 Prozent zweitgrößter Anteilseigner. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt: „Wir setzen auf die Eigenständigkeit der Commerzbank und stärken ihr dabei den Rücken“. Viel mehr ist gegen Aktienkäufe an der Börse aber nicht zu machen.

Am Montag veröffentlichte die Bundesanstalt für Finanzaufsicht Zahlen, wonach UniCredit zusätzlich zu ihren 26,77 Prozent Aktien auch noch Optionen auf Commerzbank-Aktien über weitere 12,1 Prozent besitzt. Ins Auge fällt auch Großaktionär Jefferies Financial Group. Seit anderthalb Jahren kauft die New Yorker Investmentbank Commerzbank-Optionen. Drei Stichproben belegen: Jeweils ein paar Wochen, bevor UniCredit aufstockte, hat Jefferies seine Position erhöht. Aktuell liegt sie bei 11,09 Prozent.

Der Geschäftsbericht von Jefferies zeigt, dass andere Investments strategischer Zusammenarbeit und Gemeinschaftsunternehmen dienen. Reine Finanzanlagen sind nicht ersichtlich. Die Commerzbank wird von Jefferies weder im Geschäftsbericht noch auf der Unternehmens-Homepage erwähnt. Ein solches Vorgehen deutet üblicherweise darauf hin, dass eine Bank für einen nicht genannten Kunden kauft.



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