Wie der Wolf Wald und Bäume schützt
Mehr Risse, neue Gesetze: Der Wolf zieht ins Jagdrecht ein. Hilft Abschuss wirklich gegen Nutztierschäden? Experten fordern Prävention statt Jagdgewehr, um Herden zu schützen.
30.04.2026 | 7:49 min
Schalenwild verbeißt bestimmte Baumarten stärker als andere. Das heißt, dass Wildtiere wie Rehe oder Hirsche Knospen, Triebe, Blätter oder Rinde junger Bäume und Sträucher abfressen.
Durch die Konzentration auf bestimmte Baumarten wird der Wald artenärmer und weniger resilient gegenüber Hitze und Trockenheit. Die Verjüngung des Waldes mit jungen Bäumen, die dem Klimawandel trotzen, wird eingeschränkt, wenn nicht gar verhindert.
Nur etwa jeder fünfte Baum in deutschen Wäldern gilt laut Waldzustandsbericht als gesund. Neben Klimafaktoren wie Hitze und Dürre schädigt weiterhin der Borkenkäfer die Bestände.
19.05.2026 | 2:53 min
Wie der Wolf Verbiss durch Wildtiere reduzieren kann
Der Wolf kann hier zwei Effekte haben. „Zum einen frisst er natürlich seine Beutetiere“, erklärt Forstwissenschaftler Max Kröschel, der bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg im Schwarzwald den langfristigen Einfluss des Wolfes auf den Wald untersucht.
Gleichzeitig könne er sich aber auch auf das Verhalten der Wildtiere auswirken. Bedeutet: Das Wild verharrt weniger an einem Ort, der lokale Schaden bleibt begrenzt. „Durch diese beiden Effekte kann sich der Wolf indirekt auch auf die Waldvegetation auswirken“, erklärt Kröschel.
Weltweit sind eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Auf den Verlust der biologischen Vielfalt soll der Weltartenschutztag aufmerksam machen.
03.03.2026 | 0:25 min
Damit könnte der Wolf Kosten reduzieren. Eine bundesweite Statistik zu den Verbissschäden durch Wild gibt es bislang nicht. Forstwissenschaftler Thomas Knoke von der TU München geht jedoch davon aus, dass in Regionen mit hohen Wildbeständen die Kosten aktuell durch Verbiss deutlich höher sind als die durch den Klimawandel.
Wolf-Rückkehr in Deutschland: Übergriffe auf Wildtiere in Zahlen
Mit der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland sind die Übergriffe auf Weidetiere gestiegen. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 4.300 Weidetiere von Wölfen getötet oder verletzt, darunter mehr als 3.900 Schafe oder Ziegen.
Die Bundesregierung ist deshalb ihrem Versprechen aus dem Koalitionsvertrag nachgekommen und hat den Wolf ins Jagdrecht überführt. Damit kann der Wolf nun unter bestimmten Bedingungen wieder gejagt werden.
Streitfall Wolf
:Heftige Kritik an Plan zur Wolfsjagd
Nach dem Wunsch der Bundesregierung soll der Wolf künftig gejagt werden dürfen. Damit das geht, hat sie den Erhaltungszustand als positiv eingestuft – und erntet damit Kritik.
von Birgit Hermes
mit Video1:31
Die Risszahlen erforderten Handlungsfähigkeit, erklärt Martina Englhardt-Kopf, Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft.
Für uns persönlich steht der Schutz der Weidetiere im Vordergrund.
Martina Englhardt-Kopf, Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft
Kritik an Entscheidung des Bundestags zur Wolfsjagd
Schäfer Swen Keller aus Sachsen-Anhalt findet hingegen, dass die einzige Möglichkeit, Wölfe von Weidetieren fernzuhalten, effektiver Herdenschutz sei.
Um Weidetiere besser zu schützen, sollte der Abschuss von Wölfen leichter werden. Der Bestand habe sich erholt, mehr als 200 Rudel leben vor allem im Osten und Norden Deutschlands.
17.12.2025 | 1:31 min
Konkret heiße das: Während die Schafe den Tag unter menschlicher Obhut sind, verbringen sie die Nacht mit drei Herdenschutzhunden in einem Gehege, der mit einem Elektrozaun gesichert ist. Die angelegte Spannung liegt bei 14.500 Volt.
Wenn sich neu zugewanderte Wölfe den Weidetieren näherten und den Zaun berührten, erklärt Swen Keller, sollten sie unmissverständlich lernen: „Die Schafe tun weh, da gehe ich nicht mehr hin.“ Das Prinzip: Prävention statt Abschuss. Seit Schäfer Swen Keller diese Art des Herdenschutzes anwendet, habe er kein einziges Tier an einen Wolf verloren.
Faktencheck zur Wolfsjagd
Europäische Wildtierexperten stellen fest, dass es weltweit keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass die Bejagung des Wolfes die Schäden an Nutztieren minimiert. Für Deutschland bedeute das, dass eine generelle Bejagung von Wölfen kein geeignetes Mittel sei, um Nutztierschäden zu verringern. Zumindest solange eine Ausrottung vermieden werden soll.
Die durch Wölfe verursachten Schäden variieren von Bundesland zu Bundesland. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) schreibt, dass in den Ländern mit den meisten Wölfen die Anzahl der wolfsverursachten Übergriffe in fast allen Bundesländern deutlich abnehme. Heißt: Wo mehr Wölfe sind, gibt es nicht zwingend mehr Übergriffe auf Nutztiere.
Die Jagdzeit für den Wolf beginnt alljährlich am 1. Juli und startet damit in einer Phase, in der die Welpen noch abhängig von den Eltern sind. Werden diese getötet, suchen die überlebenden Jungtiere nach leichter Beute wie etwa Schafen. Ein in Studien beschriebenes Verhalten. Aus diesem Grund mahnt auch Sybille Klenzendorf vom WWF, dass die Risszahlen mit dem Abschuss von Wölfen steigen könnten.
Wolfsjagd: Mit Abschuss rücken mögliche Problemwölfe nach
Wenn ein Wolf erstmal gelernt habe, Zaun und Hunde zu überwinden, müsse er entnommen werden, sagt Keller. Ihn aber wahllos zu jagen, schaffe nur neue Probleme, so der Schäfer mit Blick auf die Wölfe in seiner Nähe.
Der Deutsche Tierschutzbund verklagt die Bundesregierung. Grund dafür seien überfüllte Tierheime und marode Gebäude. Der Staat müsse mehr investieren.
22.05.2026 | 1:44 min
Die wüssten bereits, dass sein Elektrozaun brachial sei, und hielten sich fern. Würden sie erschossen, würden andere Wölfe das Revier besetzen und sich der Herde nähern. „Und wenn mir da ein Fehler unterläuft, dann habe ich ein richtiges Problem.“
Ich habe lieber die Wölfe, die ich trainiert habe, die wissen, dass mein Herdenschutz
wehtut.
Swen Keller, Herdenschutz plus Hund e.V.
Frau in Einkaufsstraße verletzt
:Angriff in Hamburg: Warum uns Wölfe näher kommen
In Hamburg wurde eine Frau in einer Einkaufspassage von einem Wolf verletzt – der erste Zwischenfall seit der Wiederansiedlung des Tiers in Deutschland. Wieso griff der Wolf an?
mit Video1:41
FAQ
Über dieses Thema berichtete NANO am 30.04.2026 ab 18:30 Uhr.
