Wie Autohersteller Audi eine Bodenwaschanlage entwickelte
Grüne Revolution
Wie Autobauer Audi eine Bodenwaschanlage entwickelte
Klimaneutralität zu erreichen ist eine Mammutaufgabe. Capital berichtet über Innovationen auf dem Weg dorthin. Diesmal: eine Fabrik, errichtet auf dem belasteten Boden einer alten Raffinerie
Herausforderung
Ein 75 Hektar großes ehemaliges Raffineriegelände in Ingolstadt ist massiv belastet: Öl, Benzinreste und PFAS („Ewigkeitschemikalien“) stecken im Boden. Audi und die Stadt Ingolstadt wollen dort aber einen Innovationscampus bauen. Die klassische Lösung hieße: ausbaggern und deponieren. Hier wären das rund 600 000 Tonnen Erde und 30 000 Lkw-Fahrten quer durch Deutschland gewesen – weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll, sondern nur eine Verlagerung der Altlasten.
Innovation
Audi und die Stadt Ingolstadt setzten beim „Incampus“ auf eine riesige Bodenwaschanlage direkt vor Ort. Dabei wurden Schadstoffe nicht deponiert, sondern abgetrennt und bei mehr als 1 000 Grad zerstört. Ein Kreislaufsystem sorgt außerdem dafür, dass bis zu 380 Kubikmeter Wasser pro Stunde neu aufbereitet werden und damit deutlich weniger Chemikalien nötig sind. Das Besondere ist weniger die einzelne Technik – sondern die Dimension und Kombination: industrieller Maßstab, mehrere Schadstofftypen und Sanierungsverfahren.
In der Praxis
Insgesamt wurden in zwei Jahren mehr als 600 000 Tonnen Boden gereinigt. 90 Prozent wurden wiederverwendet. Der „Incampus“ ist damit eines der größten Bodensanierungsprojekte der deutschen Geschichte.

„Hatten regelmäßig Besuch aus der ganzen Welt“
60.000 Quadratmeter Bodensanierung bei einer alten Raffinerie. Da scheinen Probleme programmiert. Gab es die?
Nein, das Gelände wurde im Vorfeld sehr gut untersucht. Die Schadstoffe waren genau die erwarteten – Öl, Benzin und PFAS. Nur an einer Stelle lagen sie etwas tiefer, aber das haben wir gut hinbekommen.
Lohnt sich so ein Projekt wirtschaftlich überhaupt?
Ja, sonst hätten wir es nicht gemacht. Es rechnet sich, solange man im Rahmen des Grundstückswerts saniert. Die Fläche ist attraktiv, gut angebunden und für industrielle Nutzung geeignet. Das hat gepasst.
Wie war das Interesse aus anderen Branchen an der Technologie?
Wir hatten schon sehr regelmäßig Besuch aus der ganzen Welt. Unsere Anlage wurde inzwischen für andere Projekte in Deutschland angepasst und weiterverwendet.
Erschienen in Capital 5/2026
