Was Menschen mehr und weniger attraktiv für die Blutsauger macht


Das Wetter wäre perfekt, um endlich mal entspannt im Garten zu sitzen. Doch kaum tritt der Erbonkel aus dem Haus, fängt es an zu surren, mit einem fies hohen Ton: Myriaden von Mücken scheinen nur auf diesen Moment gewartet zu haben.

Grundsätzlich läuft den Blutsaugern bei allen Menschen und Warmblütern der Speichel im Saugrüssel zusammen. Vor allem auf das Kohlendioxid aus dem Atem fliegen sie. Aus bis zu 60 Metern Entfernung wittern sie es. Wenn man also gerade im Garten buddelt, beim Sport oder schwanger ist, muss man gar nicht schwitzen – allein schon durch den erhöhten Energieverbrauch wird mehr geatmet und mehr Kohlendioxid ausgeatmet. Übrigens auch, wenn man Alkohol getrunken hat.

Erst wenn sie auf etwa fünf Meter herangekommen sind, sorgt der individuelle Duft eines Menschen dafür, wen sie ansteuern. Bestimmte Carbonsäuren im Talg, aber auch Milchsäure, Acetoin oder Ammoniak im Schweiß und auf der Haut wirken besonders attraktiv. Mückenmagneten ziehen bis zu 100 Mal mehr Mücken an als Menschen mit anderem Odor. Besonders gut scheint den Blutsaugern beispielsweise Blutgruppe 0 zu munden. Raten Sie, welche der Erbonkel hat.

Viel ändern kann man an diesem Schicksal nicht, als Mückenmagnet wird man geboren. Die Erblichkeit beträgt Zwillingsstudien zufolge 85 Prozent. Das heißt, die Unterschiede in der Attraktivität für die Blutsauger sind so stark genetisch verankert wie die Körpergröße. Auch gründliches Duschen, bevor man in den Garten geht, hilft nicht – jedenfalls stellten Forschende in entsprechenden Experimenten keinen Unterschied fest. Offenbar nutzen die Tiere viele verschiedene Duftnoten, um Menschen aufzuspüren.

Biting mosquito
Magnet für Mücken – manch einer ist für die Plagegeister 100 Mal attraktiver als andere. Das liegt vor allem am individuellen Genmix eines Menschen.

© Getty Images/mrs

Mücken sind also perfekt angepasst, Menschen zu finden und zu stechen. In Deutschland hat das kaum Folgen, bis auf das lästige Jucken. Doch weltweit bringen Mücken Schätzungen zufolge insgesamt mehr Menschen um, als durch Menschenhand sterben – jährlich bis zu eine Million. Aufgrund der Parasiten, die das Insekt überträgt, vor allem Malaria, ist es ohne Zweifel das für Menschen gefährlichste Tier aller Zeiten.

Aber wenn Moskitos eine so große Gefahr für Leib und Leben sind, dann ist das ein starker Selektionsdruck: Menschen, deren Genmix zufällig einen Stoff produziert, den Mücken überhaupt nicht leiden können, sollten seltener gestochen, sich seltener infizieren und daher einen Überlebensvorteil haben.

Tatsächlich gibt es Menschen, deren Genkombination einen natürlichen Mückenschutz produziert: Stoffe wie Octenol, Nonanol, Decanol und 6-Methyl-5-Hepten-2-one. Komplett immun sind sie deshalb aber nicht – wissenschaftliche Berichte über einen Menschen, den Mücken komplett meiden, gibt es jedenfalls nicht.

Der „Erbonkel“ – Geschichten rund um Gene, jedes Wochenende.



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