Wadephul sieht Vorrücken Israels im Süden des Libanon mit Sorge



Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat besorgt auf das weitere Vorrücken der israelischen Armee im Süden des Libanon reagiert. Dieses gebe „Anlass zu großer Sorge“, erklärte Wadephul am Sonntagabend. „Natürlich hat Israel legitime Sicherheitsinteressen“, erklärte er, das Vorrücken Israels sei eine Reaktion auf die fortdauernden Angriffe der Hisbollah auf den Norden Israels.

Wenn aber Zivilisten „den Preis einer militärischen Eskalation zahlen und Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar werden“, mache dies Israels Nachbarschaft „langfristig nicht sicherer“, gab er zu Bedenken.

Gleichzeitig müsse die proiranische Hisbollah ihre Angriffe auf den Norden Israels einstellen, forderte Wadephul in der vom Auswärtigen Amt veröffentlichten Erklärung. Alle Konfliktparteien seien „dringend aufgefordert“, die Kampfhandlungen einzustellen und zum vereinbarten Waffenstillstand zurückzukehren.

Jede weitere Eskalation verschärfe die ohnehin schon angespannte Lage zusätzlich und sorge für neue Fluchtbewegungen innerhalb des Libanon. Israel müsse bei seinem Vorgehen gegen die Hisbollah Zivilisten sowie zivile Infrastruktur schützen, forderte der Bundesaußenminister.

Der Schlüssel zu einer Stabilisierung des Libanon liege in einer Stärkung des libanesischen Staates, hob Wadephul hervor. Dazu gehöre, dass die libanesische Regierung entschieden gegen die Hisbollah vorgehen und Libanon sein Gewaltmonopol auf seinem gesamten Territorium ausüben müsse.

Die für die bevorstehende Woche geplante weitere Runde in den direkten Gesprächen zwischen den Regierungen Libanons und Israels in Washington sei „der richtige Kanal, um Erfolge zu erzielen“, erklärte Wadephul. Es brauche eine tragfähige diplomatische Lösung zum Schutz von Zivilisten und einen langfristigen Frieden im Libanon. „Die Hisbollah darf diesen Friedensprozess nicht weiter torpedieren“, mahnte Wadephul.

USA wollen erneut in dem Konflikt vermitteln

Israelische Soldaten hatten am Sonntag die Kreuzritterfestung Beaufort im Südlibanon eingenommen und dort die israelische Flagge gehisst, teilten der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. Fotos aus den Nachrichtenagenturen bestätigen das.

Es ist das erste Mal seit 26 Jahren, dass israelische Soldaten die Festung erreichen. Israel hatte sich im Jahr 2000 nach rund 20 Jahren Besatzung aus dem Gebiet zurückgezogen – und die Festung bis dahin als Militärbasis genutzt. Bereits im Libanonkrieg 1982 hatte die israelische Armee Beaufort erobert.

Unterdessen unternehmen die USA einem Insider aus US-Regierungskreisen zufolge einen neuen Anlauf für eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz. Die Hisbollah solle alle Angriffe auf Israel einstellen und im Gegenzug müsse Israel auf eine Eskalation in Beirut verzichten, sagte ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. US-Außenminister Marco Rubio spreche über diesen Plan bereits mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Während Aoun versuche, den Vorschlag voranzutreiben, fordert der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri dem Insider zufolge, dass Israel zuerst das Feuer einstellt. (AFP)



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