Vorerst keine neuen Friedensgespräche zwischen Iran und USA
Im Iran-Krieg gibt es vorerst keine weiteren Gespräche zwischen den USA und Vertretern aus Teheran. Der iranische Außenminister Araghtschi verließ Islamabad, bevor US-Vertreter anreisen konnten. Trump änderte seine Pläne.
Am Freitag war der iranische Außenminister Abbas Araghtschi zu Verhandlungen über den Iran-Krieg nach Pakistan gereist. Beobachter hatten erwartet, dass es in der Hauptstadt Islamabad auch zu einem Treffen mit US-Vertretern kommen könnte. Nun ist jedoch klar: Araghtschi ist abgereist, bevor die Amerikaner in Pakistan angekommen sind.
„Dass das jetzt passiert, hat uns sehr überrascht“, berichtet ARD-Korrespondent Markus Spieker. Denn offenbar war eine US-Delegation auf dem Weg nach Islamabad. Am Freitag hatte das Weiße Haus mitgeteilt, Präsident Donald Trump schicke seinen Schwiegersohn Jared Kushner und den Sonderbeauftragten Steve Witkoff zu neuen Gesprächen mit Araghtschi nach Pakistan.
Nach der Abreise von Araghtschi berichtete Fox News, Trump habe Kushner und Witkoff nach Washington zurückgerufen. Der 18-stündige Flug nach Pakistan lohne sich nicht, wenn man dort herumsitze und über nichts rede, teilte der US-Präsident demnach mit. „Sie können uns jederzeit anrufen“, sagte Trump in Richtung Iran.
Iran soll Vorschläge bei Pakistan hinterlegt haben
Die iranische Seite hatte zuvor betont, sie habe bei dieser Reise nicht vor, Vertreter Washingtons zu sehen. Ähnlich hatte sich auch Araghtschi geäußert: Es gehe bei seinem Besuch um bilaterale Angelegenheiten und Beratungen über regionale Entwicklungen, sagte er.
In Islamabad traf Araghtschi den pakistanischen Armeechef, Feldmarschall Asim Munir. Dieser spielt eine Schlüsselrolle in den Vermittlungen zwischen Iran und den USA. Später sprach Araghtschi auch mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten Shebaz Sharif, wie dessen Büro mitteilte.
Araghtschi habe bei den Gesprächen „die grundsätzlichen Positionen“ von Iran erläutert, hieß es in einer Erklärung auf dem offiziellen Telegram-Kanal des Ministers. Auf X nannte er seine Reise „erfolgreich“ und bedankte sich bei Pakistan. Man werde sehen, ob die USA es mit der Diplomatie ernst meinen.
Ein iranischer Diplomat in Islamabad sagte der Nachrichtenagentur Reuters zu den Vorbehalten Teherans gegenüber den US-Positionen: „Grundsätzlich wird die iranische Seite keine Maximalforderungen akzeptieren.“ Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens soll nun die pakistanische Regierung den US-Vertretern Irans Vorschläge übermitteln.
Auch ein Machtspiel denkbar
Gab es Pläne für direkte Gespräche oder nicht? Das lässt sich anhand der öffentlichen Äußerungen beider Seiten nicht zweifelsfrei klären. ARD-Korrespondent Spieker hält auch ein Machtspiel zwischen beiden Ländern für denkbar: Wer wartet auf wen? Wer bewahrt sein Gesicht? Wer demonstriert Stärke? Möglich sei auch, dass Araghtschi nach seiner Abreise erneut in Islamabad auftaucht.
Von Pakistan aus will der iranische Chefdiplomat Araghtschi in den Oman und dann nach Russland weiterreisen, hieß es zunächst von einem Sprecher. Später berichteten die iranischen Staatsmedien, dass Araghtschi nach seinem Aufenthalt in Oman erneut nach Pakistan reisen wolle.
In den Medienberichten hieß es allerdings, dass Irans Präsident Massud Peseschkian in einem Telefonat mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten Sharif deutlich gemacht habe, dass es keine neuen Verhandlungen gebe, bis die USA ihre Blockade der iranischen Häfen aufheben.
