Die Zahlen stammen vom Meinungsforschungsinstitut GFS Bern und wurden von der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) in Auftrag gegeben. Lukas Golder vom GFS Bern sagte im Schweizer Fernsehen, dass die französischsprachige Westschweiz und die Städte entscheidend für das Scheitern der Volksabstimmung gewesen seien. Mit einem konkreten Ergebnis wird im Laufe des Nachmittags gerechnet.
SVP warnte vor „Bevölkerungsexplosion“
Die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei (SVP) wollte mit der Initiative eine aus ihrer Sicht maßlose und unkontrollierte Zuwanderung einschränken. Die SVP warnte im Vorfeld des Referendums vor einer Bevölkerungsexplosion, die das Land überfordere. Derzeit hat die Schweiz etwa 9,1 Millionen Einwohner. Die Initiative sah vor, ab einer Einwohnerzahl von 9,5 Millionen Maßnahmen im Asylbereich und beim Familiennachzug zu ergreifen. Gegebenenfalls hätte auch die mit der EU geregelte Freizügigkeit beendet werden sollen. In der Schweiz leben rund 330.000 Deutsche. Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz bilden die Italiener.
Sowohl die Schweizer Regierung als auch die meisten Parteien hatten im Vorfeld vor den Folgen für das Verhältnis zur EU gewarnt. Sie rieten der Bevölkerung deshalb, mit Nein zu stimmen.
Erleichterung bei Gegnern des „Bevölkerungsdeckels“
Bei den Gegnern des Vorhabens herrschte nach der Abstimmung große Erleichterung. Cédric Wermuth, Co-Chef der Sozialdemokraten, sagte: „Im Abstimmungskampf habe ich gespürt, dass viele Menschen die Nase voll haben von dieser andauernden Spalterei, wonach die Migrantinnen und Migranten an allem schuld sind.“ Diese Sündenpolitik sei – zum Glück – an ihre Grenzen gestoßen.
Yvonne Bürgin, Fraktionspräsidentin der Mitte im Nationalrat (ZH), sagte dem Schweizer Rundfunk, das Scheitern des Bevölkerungsdeckels werde aber keinen Schlussstrich unter die Debatte setzen. Sie sei vielmehr ein Auftrag an die Politik, die „Wachstumsschmerzen“ in der Bevölkerung ernst zu nehmen.
Zugang zum Zivildienst wird wahrscheinlich erschwert
Angenommen wurde anscheinend das Vorhaben, den Zugang zum Zivildienst zu erschweren. Hier kamen laut Schlussresultat 52,5 Prozent Ja-Stimmen und 47,5 Prozent Nein-Stimmen zusammen. Das Parlament in Bern hatte im September eine entsprechende Reform beschlossen. Dagegen formierte sich ein Bündnis linksgerichteter Parteien und Organisationen, das mehr als 50.000 Stimmen sammelte und so eine Volksabstimmung zu dem Thema erzwang.
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