Versorgung bei Gefahrenlagen: Ebola offenbart deutschen Nachholbedarf
Dem Ebola-Patienten in der Berliner Charité geht es besser. Doch der Fall zeigt auch: Deutschland hat Nachholbedarf, etwa bei biologischen Gefahrenlagen. Gesundheitsministerin Warken will nachbessern.
Der Zustand des Ebola-Patienten an der Charité in Berlin hat sich Schritt für Schritt verbessert, erklärt der Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin Leif Erik Sander: „Die Laborveränderungen sind so wieder zurückgegangen, dass er fast wieder normale Laborwerte hat und es dem Patienten in den Verhältnissen entsprechend gut geht momentan.“
Auch die Viruskonzentration, die man bei dem Patienten messen konnte, sei über die Woche sehr schnell abgefallen. Der US-amerikanische Arzt hatte sich in Afrika mit dem seltenen Bundibugyo-Ebola-Virus infiziert.
Zwar kam der Mann geschwächt in Berlin an, musste aber nicht künstlich beatmet werden. Die Ärzte beobachten ihn rund um die Uhr und setzen gezielt Medikamente ein – eine antivirale Kombinationstherapie.
Familie in getrenntem Quarantänebereich
Auch die Familie des Patienten steht unter Beobachtung. Seine Ehefrau und vier Kinder leben in einem getrennten Quarantänebereich. Sie können ihn durch eine Glasscheibe sehen. Bei ihnen sei bisher kein Ebola-Virus nachgewiesen worden, so Leif Erik Sander.
„Der Familie, also den vier Kindern und der Ehefrau, geht es seither gut“, betont der Charité-Professor. „Sie haben auch keine Symptome für irgendeine Infektion oder für eine Ebola-Virus-Infektion.“ Die Familie erhält vorsorglich ein Antikörperpräparat. Die Quarantäne dauert bis zu 21 Tage.
„Wir brauchen bessere Strukturen“
Der Charité-Vorstandsvorsitzende Heyo Kroemer teilte mit, die Klinik habe schnell ihre Hilfe zugesagt. Es gebe dort bereits seit vielen Jahren eine besondere Struktur, die sogenannte Sonderisolierstation: „Das ist in unserem Virchow-Klinikum ein isolierter, separierter Bereich, der genau für eine solche Situation vorgesehen ist, dafür ausgebildet ist und sowohl die Ausrüstung als auch das notwendige Personal hat.“
Zugleich mahnt Kroemer, es brauche bessere Strukturen für größere Zwischenfälle, etwa biologische Gefahrenlagen. Da habe Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf. „Und vielleicht können wir diesen Kasus als Anlass nehmen, darüber noch mal intensiver nachzudenken.“
Warken kündigt ein Gesetz an: Es gehe darum, auf medizinische Krisen schneller reagieren zu können.
Warken will nachbessern
Handlungsbedarf sieht auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, die sich in der Charité über den Gesundheitszustand des US-Amerikaners informierte. Die CDU-Politikerin sprach von einem Gesundheitssicherstellungsgesetz, das derzeit in Vorbereitung sei.
Mit dem Gesetz würden Zuständigkeiten neu definiert, so Warken. „Wir schauen auch, welche Kapazitäten vorhanden sein müssen, wie sie auch schnell hochgefahren werden können.“ Dabei gehe es um medizinisches Personal und Material. Aber auch darum, „wie zum Beispiel Patienten bei kriegerischen Auseinandersetzungen verlegt werden können, Verwundete verlegt werden können, aufgenommen werden müssen.“
Bis zum Sommer soll der Referentenentwurf erarbeitet sein. Warken lobte die Arbeit der Charité und erklärte, weitere Anfragen zur Aufnahme von Ebola -Patienten liegen derzeit nicht vor.

