Vermisste junge Deutsche von Scout angeboten?
Sie verschwand spurlos. Nach mehr als 10 Jahren taucht ihr Name in den Epstein-Files auf. Was geschah mit der damals 22-jährigen Michele?
10.06.2026 | 28:48 min
Annett und Vlado haben ihre Tochter Michele das letzte Mal im September 2015 gesehen. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Gemeinsam schauen sie Fotos ihrer Tochter an. Michele wollte schon immer Model werden, posiert schon als Kind auf Urlaubsfotos. „Ich meine, sie war ja auch wirklich ein ganz süßes Mädchen“, sagt Vlado. „Ist sie ja immer noch bestimmt, hoffentlich.“
Micheles Familie meldete die junge Frau im Oktober 2015 als vermisst. Die örtliche Polizei überprüfte daraufhin, ob Michele in angrenzenden Bundesländern oder in einem Nachbarland aufgegriffen wurde – ohne Ergebnis. Eine aktive Suche sei einem Polizeisprecher zufolge nicht möglich gewesen, weil es keine Hinweise auf ein Verbrechen gegeben habe.
Micheles Familie wird durch ZDF auf Epstein-Files aufmerksam
Durch einen Anruf für die ZDF-Sendung „Die Spur“ erfährt die Familie: Micheles Name findet sich mehrfach in den sogenannten Epstein-Files.
In dem Film „Vermisst: Die Deutsche aus den Epstein-Files“ des ZDF-Dokuformats „Die Spur“ rekonstruieren Lucas Eiler, Tim Gorbauch und Alina Reissenberger den Fall Michele und suchen gemeinsam mit dem „Spiegel“ und paper trail media nach Hinweisen auf ihren Verbleib. Jetzt streamen im ZDF.
2014 schickt der Modelscout mehrere Fotos von Michele an den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, bietet sie ihm offenbar an. In einer Mail heißt es:
Ich habe mich gefragt, ob du ein Ticket für Michele schicken möchtest, das Mädchen aus Deutschland, das du verpasst hast.
Aus einer Mail von Daniel Siad an Jeffrey Epstein
„Sie ist ein Mädchen, das ich sehr gut kenne, großartige Person“, schreibt der Modelscout Daniel Siad in einer Mail offenbar über die damals 21-Jährige. „Du wirst sie lieben.“
Der US-Multimilliardär Jeffrey Epstein hat über Jahre gezielt Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht. Für ihn soll Model-Agent Jean-Luc Brunel auch Frauen aus Osteuropa angeworben haben.
25.03.2026 | 19:05 min
Modelscout Daniel Siad: Epsteins Recruiter?
Durch die Veröffentlichungen der Epstein-Files steht der Absender, Modelscout Daniel Siad, als möglicher Recruiter für Epsteins Missbrauchsnetzwerk im Fokus. Sucht man „Daniel Siad“ in den Epstein-Files des US-Justizministeriums, gibt es 1.840 Treffer: Anrufprotokolle, Nachrichten und E-Mails.
Nach der Veröffentlichung weiterer Akten geraten immer mehr Personen des öffentlichen Lebens unter Druck. Der verurteilte US-Sexualstraftäter Epstein hatte über Jahre hinweg einen Ring zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger unterhalten und weltweit Kontakte zu hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel gepflegt.
Er wurde im Juli 2019 festgenommen und nahm sich einen Monat später in einer New Yorker Gefängniszelle das Leben. Um den Fall ranken sich zahlreiche Theorien. Dazu gehören Spekulationen, Epstein habe im Auftrag russischer Geheimdienste kompromittierendes Material („Kompromat“) über einflussreiche Personen gesammelt, um diese erpressbar zu machen. (Quelle: Reuters)
Immer wieder geht es dabei um junge Frauen und Mädchen, die er Epstein anbietet. „26 aber sie sieht aus wie 18, sehr interessante Person“, heißt es da. Oder:
Ich hatte zwei Mädchen aus Schweden, eine Slowakin, zwei Französinnen und die Russin […] Die Französin ist 15. Ihre Eltern sind sehr glücklich, dass ihre Tochter Model wird.
Aus einer Mail von Daniel Siad an Jeffrey Epstein
Fünf Frauen haben in Frankreich mittlerweile Anzeige gegen Siad gestellt, wegen Vergewaltigung und Menschenhandel. Es laufen Vorermittlungen. Siad bestreitet diese Vorwürfe öffentlich, es gilt die Unschuldsvermutung. Er gibt an, er habe von dem Missbrauch durch Epstein nicht gewusst.
Politiker, Künstler und Reiche sind verstrickt in das Missbrauchsnetzwerk von Jeffrey Epstein. Doch wie gelang dem Sexualstraftäter der Aufstieg in den Kreis der Mächtigen?
04.03.2026 | 7:02 min
Michele offenbar in engem Kontakt mit Modelscout Daniel Siad
Die Familie der vermissten Michele kann sich an den Namen Daniel Siad erinnern. „Sie war in einer Tanzbar in Dubai“, erzählt Mutter Annett von der ersten Begegnung mit Daniel Siad, von der ihr Michele berichtet hat.
Der hat sich als Modelscout vorgestellt und hat ihr dann angeboten, Fotos zu machen – sie wollte immer modeln – und so haben die sich kennengelernt.
Vlado, Vater der vermissten Michele
Vater Vlado berichtet von einem Anruf durch Siad, kurz vor Micheles Verschwinden. „Von Weitem hab ich im Telefon gehört, wie er mit ihr schimpft“, erzählt Vater Vlado. „Und dann ist das so gewesen, dass sie da Angst hatte.“
Michele habe ihm erzählt, Siad betreibe einen Escortservice. „Wofür die Mädchen dann auch dort hingeschickt worden sind, hat vielleicht was mit Sex zu tun“, so der Vater. „Das wollte sie wohl nicht so preisgeben.“
Von derartigen Anrufen berichtet auch ein Ex-Freund gegenüber ZDF und „Spiegel“. Daniel Siad äußert sich nicht zum Kontakt mit Michele und ihrem Verschwinden: Auf mehrere Anfragen von ZDF und „Spiegel“ haben weder er noch seine Anwältin reagiert.
Das US-Justizministerium hat weitere FBI-Dokumente der Epstein-Akten veröffentlicht. Darin enthalten sind auch Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump.
06.03.2026 | 0:23 min
Keine Spuren von vermisster Michele nach 2015
Was geschah mit Michele? Nach Recherchen von ZDF-Dokuformat „Die Spur“ und „Spiegel“ verließ Michele im September 2015 mit einem Koffer die Wohnung ihrer Mutter. Danach verliert sich ihre Spur. Wohin sie unterwegs war, ist bis heute unklar.
Bei der gemeinsamen Recherche haben ZDF und „Spiegel“ versucht, ihre Reisen zu rekonstruieren, Online-Kontakte angeschrieben, Datenleaks durchkämmt. Mithilfe von Gesichtserkennungstools und forensischen Handyanalysen hat das Rechercheteam versucht, mehr über Micheles Verbleib herauszufinden. Dennoch finden sich auch nach mehrmonatiger Recherche keine Spuren von Michele nach ihrem Verschwinden 2015.
Schreibt uns an diespur@zdf.de oder verschlüsselt per Threema an 63D2NMVS.
Polizei: Staatsanwaltschaft soll Ermittlungsverfahren prüfen
Noch im Frühjahr sagte die zuständige Polizei gegenüber ZDF und „Spiegel“, eine öffentliche Fahndung nach Michele sei weiterhin nicht geplant. Nun soll die Staatsanwaltschaft zumindest bald über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens entscheiden.
Vater Vlado und Mutter Annett leben seit mehr als zehn Jahren in Ungewissheit. Durch die Epstein-Files haben sie nun die Hoffnung, dass sich neue Hinweise ergeben, was mit Michele geschehen ist. „Vielleicht hat man da irgendwie Glück und findet da noch Anhaltspunkte, die dann dazu führen, um die Wahrheit zu erfahren“, sagt Vater Vlado. „Das ist das, was ich hoffe.“
Eine gemeinsame Recherche von ZDF, paper trail media & Der „Spiegel“.
Redaktionelle Mitarbeit: Lara Bauerkamp, Sophia Baumann, Alexandra Berlin, Michael Suntinger, Carolin Wiemann, Roman Höfner
Doku
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