Uniqlo-Sommerhose: Designerstück für 39,90 Euro liegt im Trend
Ich wollte nur eine Hose kaufen. In irgendeiner Kaufempfehlung war mir das Modell von Uniqlo vor Wochen begegnet: weites Bein, ein sogenanntes Barrel-Modell, Jerseystoff. Die Hose gab es in Braun, in Grau, in Steinweiß und einigen anderen Farben. Besonders schön sah das Beige aus. Bestimmt super für den Sommer, dachte ich. Aber es war erst April, kalendarisch wie klimatisch. Die Sommerhose vergaß ich wieder.
Dann kam vor einigen Tagen die Hitze, und als ich online auf der Website von Uniqlo nachschaute, war klar, dass viele vor mir da gewesen sein mussten. Die Hose war in den meisten Größen vergriffen, an Beige war gar nicht mehr zu denken. Daneben stand „Bestseller“ und „39,90 Euro“. Auch preislich ist diese Hose damit super für diesen Sommer, in dem viel vom Geldsparen die Rede ist, vom Gesundheitssparpaket, von Kürzungen im Sozialwesen oder gleich von der „Rasenmähermethode“.
Hat die Hose das Zeug zum langlebigen Klassiker?
In dieser Realität landet eine Hose für knapp 40 Euro, erdacht von einer Designerin, die zuvor für Luxusmodehäuser wie Givenchy und Chloé verantwortlich war. Bei Uniqlo entwirft Clare Waight Keller jetzt Teile, die sie wahrscheinlich selbst tragen würde. Auf Fotos aus ihrer Zeit als Designerin in Paris sieht man sie häufig in solchen Hosen, die Hände in den Taschen vergraben. Nur werden die Modelle, die sie damals trug, deutlich teurer gewesen sein.

Zur Wahrheit der 39,90-Trendhose von Uniqlo gehört leider auch: So günstig lassen sich Textilien wohl kaum unter Berücksichtigung von vernünftigen Sozialstandards fertigen. Es ist leicht, auf Billiganbieter wie Shein und Temu zu schimpfen, wenn man weiß, dass die Fetzen eh nach dreimal Waschen unbrauchbar sind. Auch viele Teile von Uniqlo sind verdächtig günstig. Und zugleich verführerisch gut gemacht. Die Heattech-Shirts begleiten mich seit Jahren durch den Winter. Viele andere schwören auf die kleinen Umhängetaschen aus Nylon, in die mit Glück ein halbes Leben passt.
Hat die Hose mit dem weiten Bein und einem Baumwollanteil von 30 Prozent auch das Zeug zum langlebigen Klassiker? Oder folgt sie doch bald den vielen Fast-Fashion-Teilen in den Altkleidercontainer, von wo aus es häufig auf einen der Textil-Müllberge geht, die praktischerweise nicht im Sichtfeld der Kernklientel liegen, sondern weit weg, zum Beispiel in Ghana und Chile? Abwarten. Von Verknappung bei diesem Bestseller kann jedenfalls keine Rede sein. Meine Suche nach der 39-Euro-Hose ist schon eine Woche später beendet. Im Laden von Uniqlo liegt sie wieder stapelweise bereit. Nur Beige ist weiterhin vergriffen.
