UNHCR: Flüchtlingszahl sinkt 2025 weltweit
Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ist laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die Zahl der Menschen auf der Flucht im Jahresverlauf gesunken. Ende 2025 habe es weltweit 117,8 Geflüchtete und Vertriebene gegeben, teilte das UNHCR in Genf. Das seien 5,4 Millionen Männer, Frauen und Kinder oder vier Prozent weniger als Ende 2024.
„Rückkehr nicht freiwillig“
„Dieser kleine Rückgang ist eine gute Nachricht“, sagte der neue UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih. Die sei in weiten Teilen jedoch nicht freiwillig geschehen, schränkte er ein. Wenn Menschen zur Rückkehr in ein Land gezwungen werden, das nicht sicher ist und wo sie kein Auskommen finden, könne das schnell die nächste Fluchtwelle auslösen, sagte Salih.
Unter anderem haben Pakistan und der Iran 2025 Millionen Afghanen, die teils seit Jahren im Land lebten, zur Heimkehr gezwungen.
58 Prozent Binnenflüchtlinge
58 Prozent der Vertriebenen waren demnach innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht. Diese Entwicklung ist dem UNHCR zufolge „auf eine starke Zunahme der Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen in einigen der größten Vertreibungskrisen der Welt zurückzuführen“, insbesondere in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und in Syrien.
Zudem stieg dem UNHCR zufolge weltweit die Zahl der anhängigen Asylanträge um 645.300 auf fast neun Millionen an. Die Zahl der Staatenlosen schätzte die UN-Behörde auf 4,5 Millionen, was einem Anstieg von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Deutschland mit zweithöchster Flüchtlingszahl
5,4 Millionen Menschen flohen 2025 wegen Konflikten und Verfolgung neu ins Ausland. Rund Zweidrittel lebten nahe ihrer Heimat, oft in Ländern, in denen es vielen Einwohnern selbst am Nötigsten fehlt.
Laut UNHCR gehört Deutschland zu den Staaten, welche die meisten Geflüchteten aufgenommen haben – hinter Kolumbien und vor der Türkei. In Kolumbien lebten 2,8 Millionen Flüchtlinge, in Deutschland 2,7 Millionen und in der Türkei 2,4 Millionen.
Mehr Integration nötig
Rund 70 Prozent der Flüchtlinge leben seit mehr als fünf Jahren im Exil und haben nach Angaben des UNHCR wenig Aussicht auf eine Lösung der Probleme, die sie in die Flucht getrieben haben. Salih will erreichen, dass diese Zahl bis 2035 auf die Hälfte reduziert wird.
Oberstes Ziel sei Frieden in ihrer Heimat, sagte er. Plan B müsse aber sein, dass Flüchtlinge mehr Bildungschancen erhielten, um ein neues Leben aufzubauen. Flüchtlinge bräuchten mehr Integrationschancen. „Inklusion ist keine Bürde, sondern ein Gewinn“, sagte Salih. Sie trügen dann zur Wirtschaft und dem Sozialsystem im Gastland bei.
Kürzungen der Geberländer fatal
Das UNHCR beklagt zudem auch die Kürzung von Beiträgen durch seine größten Geberländer. Die Beiträge zur humanitären Hilfe seien seit vergangenem Jahr „sehr stark gekürzt worden“, sagte Katharina Thote, Vertreterin von UNHCR in Deutschland, im Zweiten Deutschen Fernsehen. Das betreffe die USA, aber auch Deutschland und andere Länder.
Für dieses Jahr sei der weltweite Bedarf für die Flüchtlingshilfe „ungefähr nur zu einem Drittel gedeckt“, so Thote. Bereits im vergangenen Jahr seien daher Millionen Flüchtlinge weniger versorgt worden als ursprünglich geplant.
as/AR (dpa, afp, epd)
