Trump unterzeichnet Absichtserklärung zum Kriegsende mit Iran in Versailles – Politik
Die Überraschung kam in der Nacht, da hatte Donald Trump Versailles schon wieder verlassen und saß im Flieger nach Washington. In Form eines Posts in den sozialen Medien, vom Weißen Haus in die Welt gesendet. Man sieht darauf den amerikanischen Präsidenten, wie er in der Galerie Basse des Schlosses von Versailles sitzt, neben Emmanuel Macron, dem französischen Präsidenten und Gastgeber des Abends, und das „Memorandum of Understanding mit Iran“ unterzeichnet – dieses viel diskutierte und noch approximative Rahmenabkommen für einen Frieden mit Iran, das eigentlich am Freitag auf dem Bürgenstock bei Luzern seinen Moment haben sollte. Gleichzeitig unterschrieb der iranische Präsident, Massud Peseschkian, seine Kopie in Teheran.
Und nun? Das Treffen in der Schweiz ist damit wohl obsolet geworden, überholt vom nächtlichen Coup der Präsidenten. Von amerikanischer Seite war dafür J. D. Vance vorgesehen, Trumps Vize, der sollte in die Schweiz reisen. Doch bereits während der Pressekonferenz zum Abschluss des G-7-Gipfels in Évian hatte Trump Verwirrung gestiftet.
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Ein Reporter hatte ihn gefragt, ob er denn nicht noch ein paar Tage länger in Europa bleiben wolle und gleich selbst unterschreibe, das biete sich doch an. Oder ob er „J. D.“ womöglich deshalb entsende, damit der im Falle eines Scheiterns in letzter Minute die ganze Verantwortung trage und nicht er. Trump lachte: „Guter Plan“, sagte er. Und: Ein Präsident unterschreibe eher kein Memorandum of Understanding, das sei etwas für den Vize.
Nun, das war ein kleines Täuschungsmanöver.
Am Ende war auch das Dinner in Versailles gar kein Galadinner, obschon der Rahmen dafür stimmte: Wo ist schon mehr Gala möglich als im Schloss Versailles, dem Palast von Louis XIV., dem Sonnenkönig, vor den Toren von Paris? Selbst das Licht fiel hübsch für Bilder in der Abendsonne, als Trump da ankam, arg verspätet nach dem Gipfel: Mittwochabend, kurz vor 22 Uhr.

Vorgesehen war mal 19 Uhr gewesen. Die französischen Nachrichtensender sorgten sich schon, was mit dem Essen passieren würde, ob es wohl noch mal frisch zubereitet werden müsse. Jemand will den Starkoch Alain Ducasse gesehen haben: sichere Hände in der Küche. Es sollte Schwarzes Schweinefleisch aus dem Comté de Bigorre zum Auftakt geben, dann Spargel aus dem Loiretal, als Hauptgang Geflügel aus dem Bourbonnais, als obligate Rundung eine Käseplatte und zum Dessert eine Schokoladentorte. Nett, aber nicht das ganz große Spektakel, zumindest nicht in der Anmutung.
Am Ende war der Empfang des amerikanischen Präsidenten in Versailles einfach nur ein „Dîner“ mit zwei Dutzend Gästen in der Galerie Basse des Schlosses: ein paar französische Minister, ein paar amerikanische. Die französischen Medien nannten es sogar ein „Arbeitsdinner“. Es gab also kein Feuerwerk, wie das kolportiert worden war, auch keine Lichtshow im Garten. Emmanuel und Brigitte Macron empfingen Trump auf den Treppen vor dem Eingang, führten ihn kurz durch den Spiegelsaal von Versailles, und auch das gab Fotos für die Ewigkeit, wie sie dem Gast gefallen.
Versailles, das sei nun mal „the real deal“, kein Blattgold
„Es wird ganz fantastisch werden“, hatte Trump gesagt, als er in Paris gelandet war. Versailles, das sei nun mal „the real deal“, kein Blattgold. In einem Interview mit einem Designmagazin hatte Trump einmal erzählt, er habe sein Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach dem Schloss von Versailles nachempfunden: das Gold, der Pomp. Das war 2005, als die Welt noch nicht vermuten konnte, dass dieser Mann aus dem Fernsehen einmal der „Leader of the free world“ werden würde, wie die Amerikaner ihre Präsidenten nennen, und auch das Oval Office vergoldet.
Die Franzosen nutzen Schloss Versailles als „Werkzeug der Macht und der Diplomatie“, wie Macron es vor dem Treffen nannte. Aus der nationalen Politik hatte es Kritik gegeben, dass er Trump, der Frankreich ja ständig kritisiere und mit Strafzöllen bedrohe, den roten Teppich auslege. Macron reagierte gereizt. Immerhin begehe er mit dieser Einladung die alte Freundschaft beider Länder zum 250. Geburtstag der amerikanischen Unabhängigkeit. Und überhaupt: Versailles habe schon immer als Dekor gedient für die Inszenierung des Landes in der Welt.
Die hohen Gäste, die da seit der III. Republik zu Ehren kommen, sollen umgarnt und beeindruckt werden. Im Palast sollen sie die postmonarchistische Größe Frankreichs spüren, la grandeur!, und, s’il vous plaît, auch entsprechend ehren. Das meinte Macron mit „Werkzeug“.

Einer seiner Vorgänger, Charles de Gaulle, hatte einst John F. Kennedy nach Versailles geholt, aber auch den russischen Präsidenten Nikita Chruschtschow – so illustrierte er die französische Äquidistanz zwischen den Mächten aus dem Kalten Krieg. François Mitterrand richtete einmal einen G-7-Gipfel in Versailles aus, der zwar keine zählbaren Ergebnisse brachte: aber Bilder. Macron nutzte Versailles in seiner bald zehnjährigen Präsidentschaft oft und nicht immer sehr weitsichtig.
Im Juni 2017, da war er erst seit Kurzem Präsident, lud er Wladimir Putin nach Versailles ein, obschon der damals schon mindestens ein halber Paria des Westens war. Macron ist auch nicht sehr stolz darauf. In weniger als einem Jahr tritt er ab. Das Dinner mit Trump war eine seiner letzten Gelegenheiten, groß zu empfangen, im schwarzen Trois-pièces, Anzug mit Gilet. Trotz der Hitze. Natürlich wäre es noch etwas glamouröser gewesen, wenn es ein richtiges Friedensabkommen zu unterzeichnen gegeben hätte, anstelle dieses Memorandums of Understanding. Aber der Coup, der ist gelungen.
