Trotz massiver Zweifel: Backhaus feiert Fest wegen „Rettung“ des Wals



Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) veranstaltet in Poel ein Fest für die Helfer, bei dem die „Rettung“ des Wals gefeiert werden soll. Nur durch den unermüdlichen Einsatz aller sei es gelungen, den Wal „in seine Heimatgewässer zu geleiten“, heißt es in einer Einladung Backhaus an die Helfer, die der F.A.Z. vorliegt. Dafür wolle er, Backhaus, allen Helferinnen und Helfern danken und lade zu einer „kleinen Feier“ am Samstag in Poel ein. Im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr des Stadtteils Kirchdorf soll es bei „kulinarischen Köstlichkeiten“ Gelegenheit geben, „die Ereignisse rund um die Rettung des Wals Revue passieren“ zu lassen.

Wie der NDR unter Berufung auf das Landesumweltministerium berichtete, wird Backhaus auch Ehrenurkunden verteilen. Auf diesen ist über dem Bild eines schwimmenden Buckelwals zu lesen: „Durch Ihr persönliches Engagement, Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre fachliche Unterstützung haben Sie maßgeblich zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Einsatzes beigetragen.“

Unerwähnt bleiben die erheblichen Zweifel an der Rettungsaktion

Unerwähnt bleibt in der Einladung, dass es massive Zweifel am Erfolg der sogenannten Rettungsaktion gibt. Der Buckelwal war in der Bucht von Wismar bei Poel mehrfach gestrandet. Dort hatten ihn die Helfer entgegen des Rats von Fachleuten eingecremt, gefüttert und schließlich in eine Barge gezogen, mit der er in die Nordsee verfrachtet wurde.

Backhaus hatte kürzlich in Schwerin eine Karte präsentiert, nach deren Angaben der Wal vier bis fünf Tage nach der „Rettung“ starb. Allein das macht den Erfolg der sogenannten Rettungsaktion sehr zweifelhaft, schließlich hatten Meeresbiologen gewarnt, dass das Tier bald sterben werde und die Qualen, die es durch den Transport erleiden werde, in keinem Verhältnis zu seiner Lebenserwartung stünden. Zudem gibt es massive Zweifel daran, ob der Wal wirklich noch vier bis fünf Tage nach seiner Freilassung lebte.

Der Karte zufolge, die Backhaus präsentierte, sendete der an dem Tier angebrachte Tracker nach dessen Freilassung über fünf Tage nur wenige Ortungsdaten. Das erfolgte über eine Strecke von 215 Kilometern. Der Wal hätte also äußerst lange tauchen und ungewöhnlich langsam schwimmen müssen.

In lebendem Zustand hätte das Tier nach der Einschätzung von Walfachleuten sehr oft Ortungsdaten produzieren müssen, da der Tracker bei jedem Auftauchen sendet. „Die veröffentlichte Positionsspur sieht überhaupt nicht so aus, als stamme sie von einem lebenden Wal, da jedes Auftauchen zwischen den einzelnen Tauchgängen von fünf bis zehn Minuten eine Position liefern und somit eine glatte, detaillierte Spur bilden sollte“, sagte der dänische Buckelwalfachmann Peter T. Madsen von der Universität Aarhus. Was Backhaus präsentiert habe, sehe sehr anders aus. „Ich komme zu dem Schluss, dass solche Daten eher mit einem toten, im Wasser treibenden Wal übereinstimmen, der sich in der Verwesungsphase gelegentlich umdreht, wodurch der Sender freigelegt wird“, so Madsen.

Bis wann der Wal tatsächlich lebte, darüber können laut Fachleuten nur die Tauchdaten Aufschluss geben, die der Tracker ebenfalls aufzeichnete. Diese wurden aber bisher weder von Backhaus noch von der Rettungsinitiative veröffentlicht.



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