Teilnahme an NASA-Mission: Bär: Mondspaziergang eines Deutschen noch fraglich
Teilnahme an NASA-MissionBär: Mondspaziergang eines Deutschen noch fraglich
20.05.2026, 09:40 Uhr
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Frauengesundheit und Raumfahrt sind die Themen, bei denen Forschungsministerin Bär Fortschritte verspricht. Demnach soll bis zum Ende des Jahrzehnts ein Deutscher zum Mond fliegen. Außerdem verspricht sie mehr Forschung für eine schmerzhafte Frauenerkrankung.
Die Bundesregierung rechnet fest mit der Teilnahme eines deutschen Astronauten an den künftigen US-Mondmissionen, wie Forschungsministerin Dorothee Bär im ntv Frühstart ankündigte. Zwar sei sicher, dass der erste Europäer auf dem Weg zum Erdtrabanten aus Deutschland stammen wird, allzu hohe Erwartungen an den ersten Flug dämpfte die CSU-Politikerin jedoch. Ein historischer Spaziergang auf der Mondoberfläche ist für den deutschen Kandidaten offenbar noch in der Schwebe. „Ob er als Bonus auch auf dem Mond aussteigen darf, haben wir noch nicht versprochen“, sagte die Ministerin.
Nachdem die US-Raumfahrtbehörde NASA in den vergangenen Monaten ihre Pläne für das Artemis-Programm umstellen musste, wurden die Mondmissionen zeitlich angepasst. Bär grenzte den Zeitrahmen für die deutsche Beteiligung nun genauer ein: „Realistisch ist es, dass wir ab der Artemis-5-Mission mit an Bord sein können.“ Diese Mission ist nach aktuellen Plänen für Ende des Jahrzehnts, voraussichtlich um 2029, vorgesehen. Mit erfahrenen ESA-Astronauten wie Alexander Gerst oder Matthias Maurer hätte Deutschland zumindest prominente Kandidaten für den Flug.
Dass sich die Bundesrepublik bei der begehrten Vergabe der Astronauten-Plätze überhaupt durchsetzen konnte, liege an der starken deutschen Position innerhalb der europäischen Weltraumorganisation ESA und der Abhängigkeit der Amerikaner von europäischer Technik. Ein wesentlicher Baustein der Raumkapseln, das sogenannte European Service Module (ESM), wird maßgeblich in Bremen gebaut. Dieses Herzstück sorgt nicht nur für Strom und Antrieb, sondern laut Ministerin Bär auch maßgeblich dafür, „dass die Astronauten an Bord atmen können“. Die NASA brauche Europa für den Erfolg der Missionen. Ein Selbstläufer war die Nominierung eines Deutschen dennoch nicht: „Wie es in der Politik üblich ist, waren das harte Kämpfe. Auch mit unseren Nachbarländern“, gab Bär zu. Vor allem Frankreich hat in der europäischen Raumfahrt traditionell große Ambitionen.
Mehr Forschung für Frauengesundheit
Bär will außerdem die medizinische Forschung an Frauenkörpern massiv ausbauen und kündigt dazu neue Schritte an. „Ab heute gilt eine neue Förderrichtlinie. Da geht es darum, auch in der Krebsforschung geschlechtersensibel mit Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Körpern umzugehen“, sagte Bär. Bisher sei der männliche Körper in der medizinischen Forschung oft als Maß aller Dinge gesehen worden. Der Förderbedarf in diesem Bereich sei daher „gigantisch“.
Die historische Vernachlässigung des weiblichen Körpers in der Wissenschaft, von Experten oft als „Gender Data Gap“ bezeichnet, führt in der Praxis teils zu lebensgefährlichen Situationen. Es sei „sehr gefährlich“, Frauen im Krankenhaus wie Männer zu behandeln, mahnte die Ministerin. Als prominentes Beispiel nannte sie den Herzinfarkt. Dessen Symptome äußern sich bei Frauen oft anders als die typischen Schmerzen im linken Arm, die vor allem bei Männern auftreten. Dies führt zu fatalen Verzögerungen bei der Diagnose: Es dauere im Schnitt über eine Stunde länger, bis ein Herzinfarkt bei einer Frau als solcher erkannt werde. „Diese eine Stunde entscheidet auch oft über Leben und Tod“, so Bär.
Erste Förderungen des Bundes griffen bereits, betonte Bär. Ein besonderer Fokus liege dabei auf der Erforschung von Endometriose. An der oft extrem schmerzhaften Wucherung von gebärmutterähnlichem Gewebe leiden Schätzungen zufolge 10 bis 15 Prozent aller Frauen. Die Folgen der Krankheit sind dramatisch und reichen laut Bär bis hin zur ungewollten Kinderlosigkeit. Bislang vergehen vom ersten Symptom bis zur Diagnose im Schnitt mehrere Jahre – oft, weil die Erkrankung nur durch einen operativen Eingriff zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Genau das soll sich ändern: „Wir erforschen, ob eine Diagnose ausschließlich durch eine OP stattfinden kann. Wir testen, ob es möglich ist, über den Urin oder das Blut auch schon eine Diagnose zu stellen“, erklärte Bär.
