Sony 1000X The Collexion im Test: Apple Airpods härtester Konkurrent
Wenige Monate später präsentierte Sony ein Modell, das die gleichen Eigenschaften hatte und den Amerikanern mächtig Konkurrenz machte. Die Japaner nannten ihren Kopfhörer MDR-1000X. Die bis heute erfolgreiche Serie war geboren. Allerdings gaben sie dem zweiten Kind und den folgenden einen etwas anderen Namen. Von nun an hießen sie WH-1000XM2 und so fort. Im letzten Jahr kam die sechste Version auf den Markt.
Zehn Jahre Serie 1000X
Nun feiert die Serie in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum, und Sony schenkt sich und seinen Fans ein Sondermodell: 1000X The Collexion. Der Preis: 630 Euro. Der Konkurrent heute: Apple. Denn die Airpods Max, von denen in diesem Jahr die zweite Version auf den Markt kam, sind so etwas wie der Porsche in dieser Gattung. Sie sind teuer (580 Euro), fallen mit Bauform und Farben auf, klingen super, haben ein souveränes Noise Cancelling, und nicht allzu viele Leute tragen sie auf den Ohren.
Sony hingegen ist seit vielen Jahren Marktführer bei den Bluetooth-Kopfhörern mit Noise Cancelling im Premiumsegment, ohne dass es groß auffallen würde. Im Design verändern sich die Versionen kaum. Die Japaner versuchen es hin und wieder mit besonderen Farben wie gerade aktuell Sandstone beim WH-1000XM6. Erst mit der fünften Version änderten sie die Aufhängung des Bügels. Meist sieht man ihn in schwarzer Ausführung auf den Ohren der Nutzer.
Platinweiß gefällt besser
1000X The Collexion soll nun das bessere, teurere, schönere, wertvollere, auffälligere Sondermodell der Serie sein. Abgesehen davon, dass jeder Hersteller stets diese Komparative auspackt, um die Nachfolger eines Produktes zu bewerben, lässt Sony uns ausgerechnet beim Design zunächst ratlos zurück. Wir haben das Testgerät in der schwarzen Ausführung bekommen. Gehäuse und Bügel sind mit Kunstleder überzogen, die verstellbare Aufhängung besteht aus handpoliertem Edelstahl.
Schreiben wir mal so: Uns haut das Design des schwarzen The Collexion nicht vom Hocker. Wenn jemand behauptete, es sehe nicht besonders aus, fiele es uns schwer, zu widersprechen. Dass Sony zwei Jahre an diesem Kunstleder gearbeitet hat, entspannt unsere zweifelnden Stirnfalten erst dann, als wir auch mal den platinweißen Kopfhörer in der Hand halten. Bei dieser Ausführung wackelt der Stuhl schon eher. Die griffige Struktur des Leders im Kontrast zum polierten Metall wird klarer, auch weil sich beide Materialien durch die beiden unterschiedlichen Farben einerseits voneinander abgrenzen, andererseits optisch ergänzen.
Jetzt auch für große Ohren
Damit genug Worte zum Design, das Aussehen eines Kopfhörers interessiert schließlich eher wenig. Wir wollen, dass er beim Test gut sitzt und gut klingt. Und zack: Jetzt hat uns The Collexion gepackt. Sony hat ein Problem gelöst, das wir seit jeher mit der 1000X-Serie hatten. Für unsere großen Ohren war das Innere der Muschel stets zu klein, sodass wir immer das Gefühl hatten, das Ohr vorher falten zu müssen. Das ist Vergangenheit. Jedenfalls mit dem neuen Sondermodell.

Sony gibt den Ohren trotz schmalerer Muschel mehr Freiheit, das äußerst weiche Polster schmiegt sich rund um das Ohr und schließt gut ab. Überhaupt ist The Collexion mit 320 Gramm ein Leichtgewicht. Der Nachteil ist, dass er deswegen nicht so edel wirkt wie die schwereren Airpods Max. Auf jeden Fall ergibt das geringe Gewicht in Kombination mit dem gut gepolsterten und wenig drückenden Bügel einen komfortablen Sitz mit Wohlfühlgarantie.
Noise Cancelling bleibt situationsabhängig
Die meisten lauten Geräusche machen Hersteller, wenn sie die Güte des Noise Cancelling anpreisen. So auch Sony. Für diese Funktion haben die Japaner einen neuen Prozessor entwickelt. Der QN3 bekommt Unterstützung von zwölf Mikrofonen, acht lauschen außen, vier hören innen zu. In der Theorie klingt das immer prima. Im Alltag kommt es – egal bei welchem Hersteller – selten vor, dass der Kopfhörer alle Außengeräusche komplett killt. Wir haben in den letzten Jahren nie ein Szenario finden können, mit dem man objektiv hören konnte, wie gut ein Noise Cancelling ist. Auch gibt es von den Herstellern keine Aussage, wann die Mission erfüllt ist. Aktuelles Beispiel: Setzt man den The Collexion im Flugzeug auf, geht der Geräuschpegel deutlich zurück, aber nicht vollständig.

Was nach wie vor nicht gelöst ist: Wenn die Ingenieure Brummen und andere dunkle Geräusche tilgen wollen, dringen Töne aus mittleren Frequenzen wie Stimmen fast ungehindert durch. Das ist technisch bedingt, man kann nicht alles haben. Aber vielleicht könnte man mal darüber nachdenken, wo der hauptsächliche Einsatz liegt: im Flugzeug, in der U-Bahn, im Café oder sonst wo.
Weil heutzutage mit solchen Bluetooth-Kopfhörern nicht nur möglichst abgeschottet Musik gehört, sondern auch viel telefoniert wird, hat Sony das neue Modell mit sechs Mikrofonen ausgestattet, die mit Beamforming-Verfahren arbeiten, um die Stimme besser herauszufiltern und Hintergrundgeräusche zu minimieren. Das klappt prima. Auch reduziert der Kopfhörer störende Windgeräusche beim Telefonieren.
Räumlicher Klang mit Stereoaufnahmen
Sony hat seinem neuen Kopfhörer an der linken Muschel drei Knöpfe spendiert. Mit dem runden Knopf schaltet man ihn an und aus. Direkt darüber sitzt ein länglicher Knopf, mit dem sich zwischen Noice Cancelling, Transparenz-Modus und Aus hin- und herschalten lässt. So weit, so üblich. An der gleichen Seite oben sitzt aber noch ein weiterer länglicher Knopf, der den Hörmodus auswählt. Bei Bedarf lässt sich für Musik, Kino, Spiel und Hintergrundmusik ein 360 Upmix aktivieren. Möglich macht diesen räumlichen Klang ein neuer Prozessor namens V3, der nur diese Aufgabe hat.

Damit geht Sony konsequent einen Weg, den Apple ebenso eingeschlagen hat. Liegt Musik nicht in Dolby Atmos oder 360 Reality Audio vor, wurde also nicht für diese immersiven Formate abgemischt, rechnet die Software mithilfe des Prozessors die Daten so um, dass es sich räumlich anhört. Das funktioniert für Musik so gut, dass es eine Option ist.
Hochskalieren für hochauflösend
Für The Collexion hat Sony seine DSEE-Technologie noch einmal verbessert. Das ist ein Algorithmus, der mithilfe von Künstlicher Intelligenz Audiodateien mit niedriger Auflösung hochskaliert. Die Japaner nutzen als Basis ihre Datenbank von Sony Music, um der KI beizubringen, bei welchen Liedern sie fehlende Informationen dazurechnen soll. Im neuen Kopfhörer kommt erstmals die Ultimate-Version von DSEE zum Einsatz. Das bedeutet, dass der Algorithmus sogar Musik, die in CD-Qualität vorliegt, auf eine hochauflösende Ebene mit bis zu einer Sampling-Frequenz von 96 Kilohertz und Informationstiefe von 32 Bit skaliert.

Wir streamen immer mindestens verlustfrei mit Apple Music, Spotify oder Qobuz, mitunter auch hochauflösend. Daher haben wir DSEE nicht aktiviert. Auch mögen wir nach wie vor den klassischen Stereosound, nutzen daher eher wenig den 360 Upmix.
Klingt wie ein ganz Großer
Und dennoch greifen wir immer wieder mit großer Lust zum The Collexion, wenn andere Kopfhörer, ob mit oder ohne Kabel und mit oder ohne NC, daneben liegen. Denn der Klang ist für einen Kopfhörer dieser Gattung phantastisch. Im Vergleich zur bisherigen 1000X-Serie öffnet sich der Sound auf großer Bühne, ist luftig, wirkt natürlicher und im guten Sinn härter und heller. Solchen Klang sind wir gewohnt von High-End-Kopfhörern mit offener Bauweise. Jedes Instrument, jede Stimme steht für sich.

The Collexion klingt unglaublich klar, präzise und aufgeräumt. Verzerrungen kennt er nicht. Dafür ist ihm Detail- und Impulstreue sehr vertraut. Der größte Unterschied zu seinem direkten Konkurrenten Airpods Max dürfte seine Emotionalität sein. The Collexion spielt stets nach vorn, lädt zum Mitnicken ein und lässt der Musik den Ausdruck, den sie braucht. Der Kopfhörer macht viel Spaß.
Sony hat von nun an ein Problem. Möglicherweise. Die bisherige 1000X-Serie mit dem WH davor verkauft sich blendend. Weil die Kopfhörer ziemlich gut sind. Doch wem Komfort und Klang sehr viel wert sind, muss 250 Euro mehr ausgeben und sich für The Collexion entscheiden. Ob Sony treue Apple-Fans und iPhone-Nutzer von den Airpods Max weglocken kann, wird sich zeigen. Härtere Konkurrenz als The Collexion gibt es derzeit nicht.
