So wirkt Sport auf den Krankheitsverlauf
Sport bei Multipler Sklerose ist nicht nur möglich, sondern therapeutisch sinnvoll. Wie regelmäßiger Sport ins Krankheitsgeschehen eingreift und was aktuelle Studien zeigen.
29.05.2026 | 5:12 min
Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei wandern Immunzellen in das zentrale Nervensystem. Das körpereigene Immunsystem greift dann die Schutzschicht der Nervenfasern (Myelinscheiden) an und zerstört sie. Beschwerden und Symptome variieren und sind je nach Krankheitsverlauf unterschiedlich ausgeprägt.
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02.03.2025 | 27:03 min
Worunter Menschen mit MS leiden
Betroffene haben häufig Missempfindungen oder Taubheit und Kribbeln sowie Lähmungen in Armen und Beinen. Es kann zu Gleichgewichtsstörungen kommen, unter Umständen fällt das Laufen schwer. Auch Sehstörungen sind häufig. Belastende Begleitsymptome sind extreme Müdigkeit und Erschöpfung (MS-Fatigue), oft auch Depressionen.
MS wird mithilfe verschiedener Untersuchungen diagnostiziert. Dabei werden vor allem Entzündungsherde im zentralen Nervensystem nachgewiesen und andere Erkrankungen ausgeschlossen.
Diagnose der MS
Der Neurologe erhebt die Krankengeschichte, erfragt den aktuellen Gesundheitszustand und die medizinische Vorgeschichte. Bei der neurologischen Untersuchung werden Koordinationsvermögen, Gleichgewicht sowie Reflexe und Muskelkraft überprüft. Der Arzt testet außerdem Empfindungen auf Temperatur oder Vibration.
Die Magnetresonanztomografie (MRT) zeigt Entzündungsherde und dadurch bedingte Vernarbungen, sogenannte Läsionen, in Gehirn und Rückenmark. Es gilt als wichtiges bildgebendes Verfahren bei MS.
Bei der Lumbalpunktion wird Nervenwasser mithilfe einer Punktionsnadel aus dem Wirbelkanal entnommen und anschließend untersucht. Finden sich darin spezifische Eiweißstoffe (oligoklonale Banden), ist das ein Hinweis auf eine chronische Entzündung im Nervensystem. Bei etwa 90 Prozent der Betroffenen liefert die Lumbalpunktion eine zuverlässige Diagnose auf MS.
Evozierte Potenziale (EP) ist eine neurologische Untersuchungsmethode, mit der die Funktionsfähigkeit von Nervenbahnen und deren Leitfähigkeit untersucht werden. Mittels Elektroden testet der Arzt, wie schnell bestimmte Nervensignale, zum Beispiel Sehreize, das Gehirn erreichen. Verzögerungen können auf eine Schädigung der Nervenschutzhüllen hinweisen.
Multiple Sklerose, kurz MS, wird auch „die Krankheit der tausend Gesichter“ genannt – die Symptome sind vielfältig. Für Betroffene wie Angehörige bleibt die Ungewissheit über den Krankheitsverlauf.
16.04.2026 | 30:18 min
Was den Verlauf einer MS bremsen kann
Bei MS gibt es schubförmige und chronisch fortschreitende Varianten. Je nach Verlauf wird medikamentös versucht, Entzündungsprozesse zu hemmen und das Einwandern von Immunzellen in das zentrale Nervensystem zu unterdrücken.
MS ist nach wie vor nicht heilbar. Allerdings lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung beeinflussen. Heute ist auch Sport als Therapiebaustein bei MS wissenschaftlich anerkannt.
Entgegen früherer Annahmen löst sportliches Training keine Schübe aus. Vielmehr verbessere körperliche Aktivität die Lebensqualität erheblich, erklärt Philipp Zimmer, Sport- und Neurowissenschaftler an der Technischen Universität (TU) Dortmund.
Bei MS wirkt Sport ganz ähnlich wie ein Medikament.
Prof. Dr. Dr. Philipp Zimmer, Sport- und Neurowissenschaftler
Sport könne die medikamentöse Behandlung nicht ersetzen, wohl aber maßgeblich unterstützen, so Zimmer.
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21.05.2025 | 1:58 min
Was Sport bei Multipler Sklerose bewirkt
Durch regelmäßige Bewegung lassen Muskelsteifheit und Muskelkrämpfe (Spastiken) nach, die Beweglichkeit nimmt zu. Koordinations- und Balanceübungen verringern das Sturzrisiko.
Offenbar wirke ein Gleichgewichtstraining zudem effektiv gegen die belastende Fatigue bei MS, sagt Zimmer, der die Effekte von Sport auf MS seit Jahren erforscht. Nicht zu unterschätzen seien auch psychosoziale Aspekte.
MS-Patienten gewinnen durch Sport das Selbstvertrauen in den eigenen Körper zurück.
Prof. Dr. Dr. Philipp Zimmer, TU Dortmund
Betroffene nehmen wieder mehr am Leben teil, so Zimmer. Der Muskelaufbau helfe, im Alltag mobil zu bleiben.
Wissenschaftler an der TU Dortmund haben in einer Studie nachgewiesen, dass Sport bei MS die Entzündungen reduziert. Die Studienteilnehmer mussten drei Monate ein Ausdauertraining absolvieren, das in Intervallen gesteigert wurde.
Nach diesem Hochintensiven Intervalltraining (HIIT) war der Zustand messbar besser. Dokumentiert wurde die maximale Sauerstoffaufnahme. Die Leistung der Teilnehmer erreichte nach dem Training das Niveau von Gesunden. Gleichzeitig kam es zu einer Reduktion des Fettgewebes und einem Zuwachs an Muskelmasse.
Die wichtigste Erkenntnis waren jedoch die immunologischen Effekte. Über Blutproben konnte nachgewiesen werden, dass weniger Immunzellen in das zentrale Nervensystem einwandern. Dadurch lassen die Angriffe auf die Nervenzellen nach. Genau diesen Ansatzpunkt nutzen auch Medikamente.
Das Hochintensive Intervalltraining (HIIT) ist eine kurze Trainingsmethode, die Ausdauer steigern und das Herz-Kreislauf-System verbessern kann. Tipps von Sportmediziner Christophe Lambert für zu Hause.
23.02.2026 | 8:43 min
Welcher Sport hilft wie bei MS?
Unterschiedliche Trainingsformen haben verschiedene Effekte. Ausdauersportarten fördern die Belastbarkeit und reduzieren Entzündungsreaktionen. Dazu zählen Joggen, Walken und Radfahren.
Krafttraining, zum Beispiel an Geräten im Fitnessstudio, stärken den Muskelaufbau. Das ist bei MS wichtig, weil durch die geschädigten Nervenbahnen Muskulatur abgebaut wird. Aufstehen, Gehen und Treppensteigen fallen leichter.
Gleichgewichts- und Koordinationsübungen wie Yoga, Pilates, Gymnastik oder Tanzen schulen die Körperwahrnehmung und reduzieren die Sturzgefahr.
Schwimmen und Aquagymnastik sind gelenkschonend und ermöglichen Bewegungen, die MS-Betroffenen sonst schwerfallen.
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15.06.2024 | 15:02 min
Worauf MS-Patienten bei Sport achten müssen
Grundsätzlich profitieren Menschen mit MS von jeder sportlichen Aktivität. Sie sollten aber einiges beachten. „Damit sich der Körper anpasst, ist ein kontinuierliches Training nötig“, betont Philipp Zimmer. Um sich nicht zu überfordern, sollte das Training auf den individuellen Zustand abgestimmt sein.
Während eines akuten Schubs ist von Sport abzuraten, weil eine entzündliche Reaktion im zentralen Nervensystem abläuft. Anstrengung würde den Körper in diesem Moment zusätzlich belasten. Zudem ist das Verletzungsrisiko größer, da bei einem Schub Symptome wie Gleichgewichtsstörungen, Muskelschwäche und Sehstörungen auftreten. Nach dem Schub und ärztlicher Rücksprache dürfen MS-Patienten den Sport fortsetzen.
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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung „Volle Kanne“ am 29.05.2026, ab 09:05 Uhr.
