Schweiz lehnt strikte Einwohner-Obergrenze ab
Maximal zehn Millionen Einwohner bis 2050 – so wollte eine Initiative die Bevölkerungszahl der Schweiz deckeln. Über den Vorschlag wurde bei einem Volksentscheid abgestimmt.
13.06.2026 | 1:37 min
Bei der Schweizer Volksabstimmung hat eine Mehrheit gegen die Begrenzung der Migration gestimmt. 54,8 Prozent der Bürger sprachen sich am Sonntag gegen den Vorschlag der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) aus, die Bevölkerung bei zehn Millionen Menschen zu deckeln. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 59 Prozent.
Die Schweiz wäre weltweit das erste Land gewesen, das eine gesetzlich festgelegte fixe Einwohner-Obergrenze eingeführt hätte. Getrieben von der hohen Zuwanderung ist die Schweizer Bevölkerung seit der Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 um fast ein Viertel auf 9,1 Millionen Menschen gewachsen.
Die Schweizer votierten, ob die ständige Wohnbevölkerung auf zehn Millionen begrenzt wird. Würde sie 9,5 Millionen Personen vor 2050 überschreiten, würden etwa Asyl und Familiennachzug gekürzt.
12.06.2026 | 2:19 min
SVP wollte Bevölkerungsdeckel von zehn Millionen Menschen bis 2050
Die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) wollte die Bevölkerungszahl bis 2050 auf zehn Millionen begrenzen. Dafür sollten, wenn es auf den Grenzwert zugeht, zunächst Asyl und Familiennachzug eingeschränkt werden, in letzter Konsequenz auch die Freizügigkeit für EU-Bürger. Justizminister Beat Jans sagte nach der Abstimunng:
Mit dem heutigen Entscheid hat die Stimmbevölkerung ein Zeichen für Stabilität, Offenheit und Verlässlichkeit gesetzt.
Beat Jans, Justizminister der Schweiz
Die Bürger hätten sich angesichts der geopolitisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten für Stabilität und enge Beziehungen zur EU ausgesprochen, so Jans weiter. „Das ist wichtig für Arbeitsplätze, für Wohlstand und die internationale Zusammenarbeit unseres Landes.“
Wirtschaft erfreut, EU will Kooperation vertiefen
Auch Wirtschaftsverbände reagierten erfreut. „Der Entscheid zeigt, dass die Stimmbevölkerung keine Experimente will“, erklärte der Dachverband Economiesuisse. Der Industrieverband Swissmem ergänzte: „Eine Mehrheit hat trotz nicht zu leugnender Herausforderungen kühlen Kopf bewahrt und sich gegen eine Initiative entschieden, die keine Lösung gebracht hätte – aber viele neue Probleme geschaffen hätte.“
Die exportorientierte Schweizer Wirtschaft ist eng verflochten mit der EU und auch auf Fachkräfte aus Europa angewiesen. „Wir werden weiterhin zusammenarbeiten, um unsere Kooperation zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen zu modernisieren und zu vertiefen“, erklärte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen.
Laut dem Meinungsforschungsinstitut gfs.bern scheiterte die Volksinitiative am Widerstand in den Städten und der in Zuwanderungsfragen traditionell offeneren französischsprachigen Westschweiz.
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Quelle: Reuters, dpa, ZDF
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen im ZDF, etwa heute in Europa am 12.06.2026 in dem Beitrag „Volksinitiative: ‚Keine 10-Millionen-Schweiz'“ ab 16 Uhr und die heute-Nachrichten am 13.06.2026 ab 19 Uhr.
