Schauspielerin Angelica Domröse ist tot – Kultur
Die DDR-Schauspielerin Angelica Domröse ist tot. Sie starb im Alter von 85 Jahren, wie die Defa-Stiftung unter Berufung auf Domröses persönliches Umfeld bestätigte. Zuvor hatten die Superillu und der MDR berichtet. Domröse gehörte zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen der DDR und machte sich vor allem durch ihre Film– und Fernseharbeiten einen Namen, der über die Grenzen der DDR hinausging.
Geboren wurde Domröse am 4. April 1941 in Berlin-Weißensee. Ihre Kindheit verlief schwierig: Ihr Vater, ein französisch-jüdischer Zwangsarbeiter, kam bei einer Explosion im Zweiten Weltkrieg ums Leben.
Ihr erstes Engagement erhielt Domröse 1961 beim renommierten Berliner Ensemble unter Helene Weigel, wo sie unter anderem die Polly in der „Dreigroschenoper“ spielte. 1966 wechselte sie zur Berliner Volksbühne und arbeitete dort unter dem Regisseur Benno Besson bis 1979 vorwiegend in klassischen Rollen – von Shakespeare bis Hacks. Die Jahre an der Volksbühne bezeichnete sie später als „die aufregendste Theaterzeit meines Lebens“.
Ihre größte Bekanntheit erlangte Domröse jedoch durch ihre Film- und Fernseharbeit. Dreimal wurde sie als „DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres“ ausgezeichnet – 1971, 1973 und 1975. Bis zu ihrer Ausreise in die Bundesrepublik wirkte sie in über 50 Spiel- und Fernsehfilmen mit. Kritiker schrieben es vor allem ihr zu, dass Heiner Carows Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) sowie der Film „Effi Briest“ zu Klassikern der Defa, der größten Filmgesellschaft der DDR, wurden. Als Paula, eine alleinstehende junge Mutter, die sich in einen verheirateten Beamten verliebt, wurde sie zur Ikone des DDR-Kinos. Die Stuttgarter Zeitung schrieb über ihre Darstellung: „Träumerisch, empfindsam und doch taff war ihre Paula ein ebenbürtiges Gegenstück zu all den neuen Frauenfiguren des Westkinos.“ Auch Altkanzlerin Angela Merkel hat eine besondere Beziehung zu dem Film, wie Sie hier nachlesen können.
1976 unterzeichnete Domröse die Petition gegen die Ausbürgerung des DDR-Liedermachers Wolf Biermann – eine Entscheidung, die ihr die DDR-Obrigkeit übel nahm und ihr weitere Steine in den Weg legte. 1980 gab sie ihr bundesdeutsches Theaterdebüt als Helena in der Abschiedsinszenierung des „Faust“ am Hamburger Thalia Theater. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schauspieler Hilmar Thate, verließ sie die DDR mit einem mehrjährigen Ausreisevisum und folgte Regisseur Boy Gobert für vier Jahre ans West-Berliner Schillertheater. Dort überzeugte sie Kritiker unter anderem als Frau Quangel in „Jeder stirbt für sich allein“ (1981) und in der Titelrolle von Wedekinds „Lulu“ (1981).
Domröse gehörte zu den wenigen Schauspielerinnen der DDR, die nach ihrer Ausreise in den Westen dauerhaft erfolgreich blieben.
„Mit Angelica Domröse verlieren wir eine große Schauspielerin, die uns als „Paula‘“ lehrte, dass Liebe und Freiheit keine Kompromisse dulden“, teilte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit. „Sie war aber nicht nur das Gesicht einer der größten Erfolge des DDR-Kinos, sondern auf den Theaterbühnen von Ost und West und in zahlreichen Fernsehproduktionen eine unverwechselbare Charaktergröße. Angelica Domröse wird fehlen.“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte laut Mitteilung: „Die Nachricht vom Tode Angelica Domröses hat mich sehr traurig gemacht. Angelica Domröse war auf der Bühne wie im Film eine der prägendsten Schauspielerinnen unseres Landes, ihr Werk spiegelt die jüngere deutsche Geschichte wider.“ Als Paula an der Seite von Winfried Glatzeder habe sie das Publikum verzaubert und sei zur Identifikationsfigur einer ganzen Generation von Frauen geworden. „Mit der Rolle schrieb sie Filmgeschichte“, so der Bundespräsident.

