Rathgeber Fine Hotels: Dieses Kölner Designhotel ist schick, aber es gibt etwas zu meckern


Rathgeber Fine HotelsDieses Kölner Designhotel ist schick, aber es gibt etwas zu meckern

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Kreativ, modern, kosmopolitisch: Die Marke „25hours“ gilt als Inbegriff urbaner Stadthotellerie. Mit dem Kölner Ableger „The Circle“ inszeniert sie ein Hotel im Stil des Retro-Futurismus, aber ist das 2018 eröffnete Lifestylehotel für Geschäftsreisende wirklich top?

„Come as you are“. Was wie eine Parole der digitalen Jetztzeit klingt, formte schon vor über 20 Jahren die Haltung von „25hours“ – eine Marke, die ich für ihren Pioniergeist und ihre unprätentiöse Haltung schätze. Sie brachte der Hotellerie einst jene Lässigkeit, die ihr die teils angestaubte Exklusivität nahm und sie mitten ins echte Leben holte. Mittlerweile gibt es 17 Häuser weltweit, eines davon ist das „25hours – The Circle“ in Köln. Als Kölner schätze ich besonders die Lage dieses Hauses: Der Dom ist nur rund einen Kilometer entfernt, zur Altstadt sind es eineinhalb. 

Der Name verrät bereits eine bauliche Besonderheit: Das Hotel befindet sich im Gerling Quartier, einem der größten Baudenkmäler im Herzen von Köln. Der Rundbau im Klapperhof diente einst als Verwaltungsgebäude des Gerling-Versicherungskonzerns. „25hours“ versteht sich als urbane Lifestylemarke, die Design, Community und eine gewisse Nonchalance miteinander verbinden will. Ich möchte herausfinden, wie viel ich davon als Gast tatsächlich spüre und ob das Haus genügend Möglichkeiten für Businessreisende bietet.

Ein historisches Gebäude neu interpretiert

Als ich das Hotel betrete, staune ich zunächst über die Lobby. Sie war früher das imposante Foyer des Versicherungskonzerns. Die ursprüngliche Struktur der alten Kassenhalle ist erhalten geblieben und die Nischen aus schwarzem Marmor, in denen einst Versicherte ihre Beiträge einzahlten, sind heute als unterschiedliche Funktionsbereiche des Hauses konzipiert. In einer dieser Nischen auf der linken Seite befindet sich die Rezeption. Die Begrüßung ist freundlich, der Check-in verläuft fast reibungslos ab. Wie so oft bei einer Buchung über Booking.com war mein Name im System nicht korrekt hinterlegt, doch die Mitarbeiterin klärt das sofort und ausgesprochen charmant. 

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Überall begegnen mir Hinweise auf Konzerte, Lesungen oder Sportangebote. Die lokale Vernetzung ist äußerst gelungen. Das Hotel liegt mitten im Friesenviertel, umgeben von Bars, Restaurants und dem Belgischen Viertel, einer der kreativsten Gegenden in Köln. Das gesamte Erdgeschoss inklusive Co-Working-Café ist öffentlich zugänglich. Anstatt sich also als abgeschlossene Hotelwelt zu inszenieren, öffnet sich das Haus bewusst in die Stadt hinein. Kooperationen mit jungen Kreativen, aktuell etwa mit dem Kölner Autor Raphael Lepenies, ziehen Gäste ebenso an wie Einheimische. Gerade durch diesen offenen Ansatz halte ich das Hotel auch für Geschäftsreisende für interessant – zumindest für jene, die keinen stillen und abgeschotteten Rückzugsort suchen.

Auch wenn sich das „The Circle“ eher als Lifestylehotel positioniert, hält es dennoch attraktive Möglichkeiten für Tagungen und Meetings bereit. Neben dem Co-Working-Café gibt es einen separaten Meetingbereich mit zwei kleineren Konferenzräumen für jeweils bis zu zehn Personen sowie einen rund 120 Quadratmeter großen Raum, der sich bei Bedarf unterteilen lässt. Die Atmosphäre im Haus ist jung, dynamisch und offen. Ideal für Businessgäste, die Inspiration und Austausch suchen.

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Schönheitsfehler im Designzimmer

Ich bitte um ein ruhiges Zimmer und bekomme eines in der sechsten Etage. Die über 200 Zimmer sind auf unterschiedlich inszenierte Themenwelten verteilt, von futuristisch bis Retro, teilweise sogar mit Fokus auf Fahrrad- und Werkstattästhetik. Mein Zimmer ist solide ausgestattet, mit einem bequemen Bett, Klimaanlage, Minibar, schnellem WLAN und Bluetooth-Lautsprechern. Wie bei „25hours“ üblich, stammen alle Pflegeprodukte aus nachhaltiger Herstellung. Bei diesem Thema zeigt die Marke erfreulicherweise viel Initiative. Seit 2023 arbeitet sie mit der Schweizer Naturkosmetikmarke Soeder zusammen, deren nachfüllbare Produkte in allen Häusern eingesetzt und zum Teil sogar in limitierten Editionen im Hotelshop angeboten werden. Mir persönlich wären die Produkte von La Biosthétique allerdings lieber.

Weniger erfreulich ist allerdings der Zustand einiger Bereiche. Im Bad fallen mir Schmutzränder in den Ecken auf. In der Dusche sehe ich Macken im Material, als sei dort etwas heruntergefallen. Auch die Schränke sind an mehreren Stellen angeschlagen. Ein großangelegtes Refurbishment wäre vielleicht zu viel des Guten, aber eine gezielte Investition in offensichtlich verschlissene und beschädigte Elemente ist hier dringend nötig. Auch im Aufzug sind die Ecken verschmutzt – genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen oberflächlich sauber und wirklich gepflegt. Einige Bereiche wirken, als würden sie nur selten gewartet. Das deutet darauf hin, dass wahrscheinlich kein konsequentes Maintenance-Programm existiert. Dabei wäre genau das Standard: ein Wartungsteam, das systematisch durchs Hotel geht und über das Jahr hinweg permanent im Einsatz ist.

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Eine Sache irritiert mich besonders: das Zimmerreinigungssystem. Wer keine Reinigung am nächsten Morgen wünscht, kann dies entweder an der Rezeption melden oder eine rote Karte an die Tür hängen, was wiederum bedeutet, dass niemand stören soll. So weit, so gewöhnlich. Doch die eigentliche Logik dahinter wirkt seltsam verkompliziert. Verzichte ich auf die Reinigung, spendet das Hotel den eingesparten Betrag an die „Kai-Havertz-Stiftung“, die sich für benachteiligte Kinder engagiert. Auf den ersten Blick klingt das sympathisch, fast moralisch aufgeladen. Doch am Ende sind es genau zwei Euro pro Zimmer. Zwei Euro, die hier als ökologisch-ethisches Incentive verkauft werden, während die Verantwortung und Entscheidung subtil auf den Gast verlagert wird. Dieser Ansatz ist gut gemeint, aber in seiner Inszenierung bemerkenswert kleinteilig.

Große Ideen mit Schwächen im Detail

Im achten Obergeschoss befindet sich das levantinisch inspirierte Restaurant „NENI“ in einem großzügigen Raum mit über 100 Sitzplätzen und weitem Blick über Köln. Hier wird morgens auch das Frühstücksbuffet serviert. Von der Gestaltung erinnert mich das Restaurant allerdings eher an eine Mensa als an ein Designhotel. Rote und blaue Stühle, helles Holz, Hängepflanzen – ich denke an Ikea.

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Der Raum hat etwas von einem funktional eingerichteten Studentenwohnheim, das durch ein paar bunte Akzente moderner wirken soll. Doch es fehlt der Funke, der Atmosphäre erzeugt. Die Präsentation des Buffets, das durchaus vielseitig ist, verstärkt diesen Eindruck: Alles ist lieblos gestapelt statt ästhetisch aufgestellt. Dabei bietet der Raum eigentlich ideale Voraussetzungen: bis zu sieben Meter Deckenhöhe mit direkter Sicht auf den Dom. Das ist eine dieser Postkartenperspektiven, die man selten live erlebt. Abends dürfte hier Stimmung aufkommen, trotzdem trifft es einfach nicht meinen Geschmack. Mir fehlen die Wärme und Raffinesse, die andere Designhotels bieten. Wer mittags oder abends als Hotelgast im „NENI“ essen möchte, muss direkt im Restaurant reservieren. Wie ich erfahre, ist eine Buchung über die Rezeption nicht möglich. Das ist schade, denn ein Vorteil oder Servicevorsprung für Hotelgäste entsteht dadurch nicht.

Nachmittags besuche ich den Sauna- und Wellness-Bereich im siebten Stock. Er ist ansprechend gestaltet, aber für rund 200 Zimmer schlicht eine Herausforderung in der Größe. An diesem Sonntagabend ist niemand dort, was die Situation entspannt erscheinen lässt. Aber im Alltag dürfte es hier schnell eng werden. Der letzte Apfel im Korb rettet da wenig, auch wenn die Geste stimmt. Direkt daneben liegt der Fitnessbereich. Die Geräte sind hochwertig, allerdings ist auch hier die Fläche wieder eher minimalistisch bemessen. Die Idee war leider größer als die verfügbare Fläche.

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In Summe bleibt es ein Hotel, das durchaus Charme besitzt – an manchen Stellen unterhaltsam, an anderen irritierend. „25hours“ hat ohne Frage eine Vorreiterrolle dafür gespielt, wie sich Hotellerie demokratisieren lässt: lässig, durchdesignt, urban, ohne Schwellenangst. Die einst radikale Idee, elitäre Boutique-Ästhetik einem jungen, kulturbewussten Publikum zugänglich zu machen, hat das Genre nachhaltig geprägt. Doch seitdem die Marke aus Gründerhand zum internationalen Konzern „Accor“ gehört, wächst die Spannung zwischen Charakter und Skalierbarkeit. Die Kölner Adresse profitiert zwar von einer exzellenten Lage und einer klar erkennbaren Herkunftsidee, doch die Qualitätsmängel in Ausstattung und Sauberkeit werden dem Preisniveau nicht gerecht.

Gleichzeitig zieht der Wettbewerb spürbar an. Ein Konzept, das mir in diesem Zusammenhang besonders positiv auffällt, ist „Urban Loft“ von „Althoff Hotels“. Inzwischen gibt es davon zwei Standorte: einen in Köln beim Eigelstein und einen weiteren in Berlin, unweit des Hauptbahnhofs. „Urban Loft“ verbindet Gemeinschaftsdenken und Designkultur mit einem modernen Wohngefühl, fast wie ein kuratiertes Airbnb mit Hotelseele. Und auch „Motel One“ entwickelt sich immer stärker zum designorientierten Konkurrenten und rückt „25hours“ gefährlich nahe. Damit steht die Marke an einem Scheidepunkt: Entweder es gelingt, Seele, Haltung und Erzählung lebendig und einzigartig zu halten, oder man wird zu einem austauschbaren Lifestyle-Label im globalen Einerlei. Ich bin gespannt, ob „25hours“ künftig beweisen kann, mehr zu sein als nur das Original einer Idee, die andere inzwischen weiterentwickelt haben.

Raths Reise-Ranking (aktuelle Wertung gefettet)

  • Ganz großes Kino

  • Wenn’s nur immer so wäre

  • Meckern auf hohem Niveau

  • So lala, nicht oh lá lá

  • Ausdrückliche Reisewarnung

Name 25hours – The Circle
Ort Köln
Stadtteil Friesenviertel
Zimmerpreis pro Nacht (von – bis) Ca. 140 Euro („Medium Inner Circle“) bis ca. 300 Euro („Gigantic“)
Flughafen Flughafen Köln/Bonn (CGN)
Anreise 1,2 Kilometer vom Kölner Hauptbahnhof, 16 Kilometer vom Flughafen (CGN)
Fitness & Wellness Kleiner Wellness- und Fitnessbereich in der siebten Etage
Konferenzbereich Zwei separate Tagungsräume für jeweils bis zu zehn Personen sowie ein Tagungsraum für 100 Personen (teilbar in Konferenzräume für bis zu 40 und 60 Personen)
Besondere Empfehlungen Wenige Gehminuten vom Hotel entfernt liegt Emmis Studio – ein stilvolles Boutique-Fitnesskonzept, das Training, Motivation und Erholung in einem einzigartigen Konzept vereint. Kleine Gruppen und persönliche Coaches sorgen für eine motivierende, fast private Atmosphäre.

Quelle: ntv.de



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