Raketenbeschuss in Kyjiw: Feuer in der Hauptkathedrale


Durch einen russischen Luftangriff ist nach ukrainischen Angaben in der Hauptkathedrale des berühmten Höhlenklosters in Kyjiw ein Feuer ausgebrochen. Die Militärverwaltung der ukrainischen Hauptstadt teilte kurz vor 1 Uhr in der Nacht zum Montag mit, die russischen Streitkräfte hätten das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Kloster direkt getroffen. „Nach operativen Informationen gibt es ernsthafte Schäden auf dem Gelände des Höhlenklosters“, schrieb der Militärgouverneur der Dreimillionenstadt, Tymur Tkatschenko, bei Telegram.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf der Plattform X: „Das ist eines der schwerwiegendsten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur bisher“, so der Staatschef am Vormittag. Das Feuer auf dem Dach der Kathedrale sei inzwischen gelöscht. Das aus dem 11. Jahrhundert stammende Kloster gilt als das Wahrzeichen Kyjiws.

Blick von oben auf die Kathedrale und viele Löschzüge der Feuerwehr
Nach den Löscharbeiten werden die schweren Schäden an der Kathedrale sichtbarBild: DSNS

Russland dementiert, Kritik aus dem Westen

Russland weist die Verantwortung für den Beschuss und die Schäden an dem historischen Höhlenkloster in Kyjiw zurück. Vielmehr sei eine US-Luftabwehrrakete vom Typ Patriot in dem Kloster eingeschlagen, teilt das russische Verteidigungsministerium mit. Die russischen Streitkräfte planten keine Angriffe auf zivile Infrastruktur und nähmen solche auch nicht vor. Ziel des nächtlichen Beschusses seien Fabriken zur Drohnenproduktion gewesen.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat die nächtlichen russischen Luftangriffe auf die Ukraine scharf verurteilt. Der CDU-Politiker sprach von „ruchlosen Attacken“, die sich unter anderem gegen europäische Kulturgüter von unschätzbarem Wert gerichtet hätten. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte zu den jüngsten Angriffen auf Zivilisten: „Das sind alles Kriegsverbrechen, die Russland begeht.“

Ukrainische Kulturgüter in Gefahr

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Angriffe in ganzen Land

Die russischen Angriffe beschränkten sich jedoch nicht auf die Hauptstadt Kyjiw. Landesweit gab es ukrainischen Behördenangaben zufolge mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte. Allein in Kyjiw sprachen die Behörden von 5 Toten und 30 Verletzten. Insgesamt seien gegen die Ukraine in der Nacht 611 Drohnen sowie 70 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt worden, erklärte Selenskyj. Er rief die Gruppe der sieben großen Industrienationen (G7) zu einer entschlossenen Antwort auf die russischen Angriffe auf. Es brauche mehr Druck auf den Aggressor, mehr Unterstützung für die Luftverteidigung der Ukraine – vor allem zum Schutz vor Angriffen mit ballistischen Raketen, teilte Selenskyj bei Telegram mit. Er wird am Abend beim G7-Gipfel im französischen Évian erwartet. 

 Frau inmitten von Trümmern
Verzweiflung angesichts eines zerstörten Wohnhauses in KyjiwBild: Evgeniy Maloletka/AP Photo/picture alliance

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte auf X an, dass beim G7-Gipfel über nächste Schritte gesprochen werde, um den Druck auf Russland zu erhöhen, Kremlchef Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zu bringen und dieses sinnlose Töten zu beenden. „Europa will Frieden. Niemand mehr als das ukrainische Volk. Russland hingegen hat erneut gezeigt, dass es allein an Gewalt und Zerstörung interessiert ist.“

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion und wird nahezu täglich aus der Luft attackiert. Inzwischen greifen sich beide Kriegsparteien vor allem mit Drohnen an, deren Einsatz für die jeweiligen Streitkräfte vergleichsweise einfach und günstig ist.

Russen melden Tote bei ukrainischen Drohnenangriffen

Nach Angaben des Gouverneurs des russischen Gebietes Tula, Dmitri Miljajew, wurden in der Nacht drei Menschen infolge ukrainischer Drohnenangriffe getötet. Drei weitere seien verletzt worden, teilte er auf Telegram mit. Die Stadtverwaltung von Moskau teilte mit, es seien mehrere anfliegende Drohnen abgeschossen worden. Zu möglichen Schäden oder Verletzten wurde zunächst nichts bekanntgegeben.

fab/pg (dpa, rtr, kna)



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