Politisch motivierte Kriminalität erreicht erneut Rekordwert
Die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland ist im Jahr 2025 auf einen neuen Höchststand gestiegen. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) und des Bundesinnenministeriums wurden bundesweit 85.837 Straftaten mit politischem Hintergrund registriert. Das entspricht einem Anstieg von knapp zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar fiel der Zuwachs deutlich geringer aus als 2024, als die Fallzahlen um rund 40 Prozent gestiegen waren, dennoch bleibt das Niveau der politisch motivierten Kriminalität so hoch wie nie zuvor.
Auch die Zahl der politisch motivierten Gewaltdelikte nahm weiter zu. Insgesamt registrierten die Behörden 4156 entsprechende Straftaten – ein Plus von 1,2 Prozent und zugleich der höchste Wert seit 2016. Angriffe auf politische Gegner, Widerstand gegen Polizeikräfte, Brandstiftungen und Körperverletzungen prägen dabei das Bild.
Behörden sehen Zuwächse bei linker Gewalt
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt betonte bei der Vorstellung der Statistik in Berlin, die größte Gefahr gehe weiterhin vom Rechtsextremismus aus. Rund die Hälfte aller politisch motivierten Straftaten, 42.544 Fälle, wurde dem rechten Spektrum zugeordnet.
Gleichzeitig verzeichneten die Sicherheitsbehörden einen sprunghaften Anstieg linker Kriminalität. Die Zahl der linksextrem motivierten Straftaten stieg um 35,3 Prozent auf 13.490 Fälle. Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Gewaltdelikten aus: Hier registrierte das BKA fast 43 Prozent mehr Straftaten als im Vorjahr.
Dobrindt zeigte sich über diese Entwicklung besonders besorgt. Zu den typischen Delikten zählen nach Angaben der Behörden Körperverletzungen, Brandstiftungen, Widerstand gegen Polizeibeamte sowie gewaltsame Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern bei Demonstrationen.
BKA-Präsident Holger Münch erläuterte, dass sich linksextreme Gewalt häufig gezielt gegen politische Gegner richte, während rechtsextreme Gewalt überwiegend aus Körperverletzungen mit rassistischem Hintergrund bestehe.
Gewalt gegen Einsatzkräfte bleibt ein Problem
Rückläufig entwickelten sich dagegen Straftaten, die ausländischen Ideologien zugerechnet werden. Ihre Zahl sank um 6,2 Prozent auf 6886 Fälle. Bei religiös motivierter Kriminalität wurde hingegen ein Anstieg verzeichnet. Die Zahl entsprechender Straftaten erhöhte sich um 5,7 Prozent auf 1983 Fälle.
Ein weiteres Problemfeld bleibt die Gewalt gegen Polizeibeamte. Die Zahl der Straftaten gegen Polizistinnen und Polizisten stieg um knapp fünf Prozent auf 5144 Fälle. Mehr als ein Fünftel davon waren Gewaltdelikte. Die meisten Taten wurden dem linken Spektrum zugerechnet, gefolgt von rechten Tätern. Dobrindt kündigte an, sich gemeinsam mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig von der sozialdemokratischen SPD für härtere Strafen bei Angriffen auf Einsatzkräfte einzusetzen. „Ich glaube an die abschreckende Wirkung des Strafrechts“, sagte der konservative CSU-Politiker. Es gehe darum, ein deutliches Signal zu setzen, dass Gewalt gegen Einsatzkräfte nicht toleriert werde.
Antisemitische Straftaten nehmen weiter zu
Besonders aufmerksam verfolgen die Sicherheitsbehörden die Entwicklung bei der sogenannten Hasskriminalität. Diese umfasst politisch motivierte Straftaten, bei denen Vorurteile gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen eine Rolle spielen. Die Zahl solcher Delikte stieg 2025 um 1,8 Prozent auf 22.159 Fälle.
Erneut deutlich gestiegen ist die Zahl antisemitischer Straftaten. Sie nahm um fünf Prozent auf 6548 Fälle zu. Rein rechnerisch wurde mehr als einmal pro Woche eine Straftat gegen eine Synagoge registriert. BKA-Präsident Münch erklärte, fast die Hälfte der antisemitischen Hasskriminalität stehe im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt.
Frauenfeindliche Gewalt als Warnsignal
Als besonders alarmierend bewerten die Sicherheitsbehörden den starken Anstieg frauenfeindlicher Straftaten. Die Zahl dieser Delikte kletterte um knapp 47 Prozent auf 819 Fälle. Zudem sei der Anteil von Gewalttaten in diesem Bereich vergleichsweise hoch, betonte Münch. Die Entwicklung sei deshalb ein ernstzunehmendes Warnsignal.
Als Ursachen für die insgesamt steigenden Fallzahlen nennt das BKA mehrere Faktoren. Münch verweist auf eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung, die Radikalisierungsprozesse begünstige und in manchen Fällen in Gewalt münde. Hinzu komme der Einfluss extremistischer Propaganda in sozialen Netzwerken. „Internationale Konfliktlagen emotionalisieren auch in Deutschland“, sagte der BKA-Präsident.
Im Zusammenhang mit dem Anstieg frauenfeindlicher Straftaten sehen die Sicherheitsbehörden zudem problematische Rollenbilder als Ursache. Münch spricht von einem „klassischeren Männerbild“, zu dem gehöre, „dass man auch eher Gewalt anwendet“. Solche Vorstellungen würden teilweise über soziale Netzwerke verbreitet.
pgr/gri (dpa, epd, afp)
