NATO-Jets schießen ukrainische Drohne über Estland ab


Nach Angaben des estnischen Verteidigungsministers Hanno Pevkur hätten rumänische NATO-Jets die Drohne über dem Võrtsjärv-See im Süden Estlands abgefangen. Sie stürzte in einem sumpfigen Gebiet ab, die Suche nach den Trümmern dauere an. Die estnische Sicherheitspolizei habe Ermittlungen aufgenommen. Es handele sich um den ersten Abschuss dieser Art.

Pevkur zufolge handelt es sich um ein ukrainisches Flugobjekt, das mutmaßlich auf russische Ziele gerichtet war. Berichte über Verletzte oder Schäden lagen zunächst nicht vor. Nach Angaben des estnischen Brigadegenerals Riivo Valge wurde die Drohne vor dem Abschuss visuell identifiziert und mit der ersten Rakete getroffen.

Estland grenzt im Osten an Russland. Zuvor hatten die Streitkräfte vor einer möglichen Bedrohung für den Süden des Landes gewarnt. Auch im benachbarten Lettland wurde die Bevölkerung in mehreren grenznahen Regionen alarmiert. Nach Armeeangaben durchquerte dort höchstwahrscheinlich ebenfalls eine Drohne den Luftraum. Ob es sich um dasselbe Flugobjekt handelte, blieb unklar.

Estlands Außenminister: „Die NATO funktioniert“

Estland, Lettland und Litauen verfügen über keine eigenen Kampfjets. Seit 2004 sichert daher die NATO im Rahmen der „Air Policing“-Mission den baltischen Luftraum. Verbündete verlegen dazu regelmäßig Kampfflugzeuge und Personal in die Region. Die rumänischen Maschinen sind auf der litauischen Luftwaffenbasis Šiauliai stationiert.

Estlands Außenminister Margus Tsahkna
Estlands Außenminister Margus Tsahkna lobt die Geschlossenheit der NATO (Archivbild)Bild: Antti Aimo-Koivisto/Lehtikuva/dpa/picture alliance

„Der Abschuss einer Drohne, die in den estnischen Luftraum eingedrungen war, beweist eines ganz klar: Die NATO funktioniert“, schrieb Außenminister Margus Tsahkna auf der Plattform X. Die schnelle Reaktion zeige die Geschlossenheit der Allianz und ihre Bereitschaft, jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu verteidigen.

Estland sieht Schuld bei Russland

Nach einem Bericht des estnischen Rundfunks wurde die nordwestliche Region Russlands am Morgen wiederholt von Drohnenangriffen getroffen. In jüngster Zeit waren bei ukrainischen Attacken auf Ziele im Nordwesten Russlands mehrfach fehlgeleitete Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen und teilweise abgestürzt.

Tsahkna betonte, dass Estland nicht Ziel des Drohnenangriffs gewesen sei, und machte Russland für die Vorfälle verantwortlich. „Diese Vorfälle sind eine direkte Folge von Russlands Krieg“, schrieb er.

Die Ukraine bat die baltischen Staaten um Entschuldigung für solche „unbeabsichtigten Zwischenfälle“, wie das Außenministerium in Kyjiw mitteilte. Zugleich stellte es die These auf, dass Russland Drohnen durch elektronische Kriegsführung umlenke: „Russland steuert weiterhin ukrainische Drohnen in das Baltikum mit Mitteln der elektronischen Kriegsführung. Und Moskau tut dies absichtlich, zusammen mit intensivierter Propaganda“, hieß es.

Pevkur bekräftigte, dass Estland außer seinen Verbündeten niemandem die Nutzung seines Luftraums gestattet habe. Auch die Ukraine habe keinen entsprechenden Antrag gestellt. Moskau hatte den baltischen Staaten zuvor wiederholt vorgeworfen, der Ukraine ihren Luftraum zur Verfügung zu stellen.

pgr/ww (dpa, rtr)



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