Myofasziales Schmerzsyndrom: Symtpome, Ursachen und Behandlung
Gezielter Druck auf schmerzhafte Knoten kann bei einem myofaszialen Schmerzsyndrom zur Muskelentspannung beitragen.
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Viele Menschen leiden unter Muskelverspannungen. In den meisten Fällen sind sie harmlos und verschwinden von selbst. Halten die Beschwerden jedoch an und treten immer wieder an den selben Stellen auf, kann ein sogenanntes myofasziales Schmerzsyndrom dahinterstecken.
Wie sich ein myofasziales Schmerzsyndrom äußert
Typisch sind lokal begrenzte Muskelschmerzen, häufig im Nacken, im Bereich der Schultern oder im Rücken. Sie manifestieren sich als druckempfindliche Verhärtungen im Muskel, sogenannte Triggerpunkte. Von hier können die Schmerzen in andere Körperregionen ausstrahlen.
Das Schmerzempfinden der Patienten ist oft auffällig stark ausgeprägt, so die Erfahrung von Stephan Vinzelberg, Chefarzt der Klinik für Manuelle Medizin am Sana Klinikum in Berlin-Lichtenberg.
Die Patienten haben manchmal den Eindruck, dass mit ihnen emotional etwas nicht in Ordnung ist, weil sie den Schmerz so intensiv empfinden.
Dr. Stephan Vinzelberg, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen seien die Schmerzen meist klar lokalisierbar und lassen sich durch Druck von außen hervorrufen, erklärt Vinzelberg.
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Welche Erkrankungen dem myofaszialen Schmerzsyndrom ähnlich sind
Das myofasziale Schmerzsyndrom wird oft mit anderen Erkrankungen verwechselt, zum Beispiel mit einer Fibromyalgie. Bei der Fibromyalgie treten die Schmerzen jedoch im ganzen Körper auf, häufig begleitet von Erschöpfung und Schlafstörungen.
Auch eine Sehnenscheidenentzündung kann sich ähnlich äußern. Hier sind aber vor allem die Sehnen und weniger die Muskeln betroffen. Ein Karpaltunnelsyndrom sollte ebenfalls ausgeschlossen werden. Es entsteht durch eine Nervenkompression im Handgelenk, die sich meist durch Kribbeln und Taubheit in den Fingern äußert.
Die genaue Abgrenzung der vorliegenden Symptome ist wichtig, um ein myofasziales Schmerzsyndrom richtig zu diagnostizieren.
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Wie das myofasziale Schmerzsyndrom entsteht
Beim myofaszialen Schmerzsyndrom kommt es zur dauerhaften Anspannung einzelner Muskelfasern. Die Durchblutung ist gestört, Stoffwechselprodukte sammeln sich an und Schmerzrezeptoren vor Ort werden gereizt.
Auslöser können Fehlhaltungen, Bewegungsmangel, Stress oder Überlastung sein. Dabei komme dem Stress laut Vinzelberg eine besondere Bedeutung zu, denn unter Stress reagiere man intensiver auf Reize.
Körpersignale wie eine Muskelverspannung, die eigentlich nicht schmerzrelevant sind, werden auf einmal als Schmerzsignale wahrgenommen.
Dr. Stephan Vinzelberg, Sana Klinikum Berlin-Lichtenberg
Durch den langen Verlauf, oft über mehrere Jahre, kann sich das Reaktionsmuster von Muskelverspannung und Schmerz dann chronisch verfestigen.
Triggerpunkte sind kleine, verhärtete Bereiche innerhalb eines Muskels, in denen einzelne Muskelfasern dauerhaft angespannt bleiben. Durch die anhaltende Kontraktion ist die Durchblutung in diesem Bereich eingeschränkt. Das Gewebe wird schlechter mit Sauerstoff versorgt, Stoffwechselprodukte sammeln sich an. Diese reizen Schmerzrezeptoren im Muskelgewebe, die Schmerzsignale an das Gehirn senden.
Charakteristisch ist, dass der Schmerz nicht nur lokal an einzelnen Triggerpunkten auftritt. Häufig strahlt er in andere Körperregionen aus. Denn: Die Nervenbahnen mehrerer Muskeln laufen im Rückenmark zusammen und das Gehirn kann den Ursprung des Signals nicht immer eindeutig zuordnen. So kann ein Triggerpunkt im Nacken beispielsweise Kopfschmerzen verursachen oder ein Punkt in der Schulter Schmerzen im Arm.
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Wie das myofasziale Schmerzsyndrom behandelt wird
Die Therapie setzt an mehreren Punkten an. Wichtigstes Ziel ist es, Muskelverhärtungen zu lösen. Physiotherapie, gezielte Dehnübungen und Massagen sollen dazu beitragen. Auch Wärmebehandlungen oder eine sogenannte Triggerpunkt-Therapie können helfen, Verspannungen zu lösen.
In manchen Fällen kommen Schmerzmittel oder Injektionen mit betäubenden oder muskelentspannenden Substanzen zum Einsatz. Es gehe darum, wieder Beweglichkeit zu ermöglichen, sagt Vinzelberg. Bewegung im Alltag und sportliche Aktivitäten sollten nicht mehr vermieden werden.
Viele Patienten müssen wieder lernen, sich mit dem Schmerz zu konfrontieren.
Dr. Stephan Vinzelberg, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Dazu gehöre auch, sich gezielten körperlichen Herausforderungen zu stellen. Frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie eines myofaszialen Schmerzsyndroms können helfen, den Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung zu durchbrechen und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern.
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Um einem myofaszialen Schmerzsyndrom vorzubeugen, ist regelmäßige Bewegung im Alltag wichtig. Das fördert die Durchblutung und löst Verspannungen. Wärme von außen, etwa über ein Kirschkernkissen, kann gegen Muskelverspannungen helfen, ebenso wie Selbstmassagen oder Übungen mit Faszienrollen.
Tägliche Dehnung und ein moderates Krafttraining verbessern und erhalten die Beweglichkeit zusätzlich. Im Berufsalltag helfen eine gute Körperhaltung, ein ergonomischer Arbeitsplatz und regelmäßige Bewegungspausen dabei, Fehlbelastungen zu vermeiden. Auch ausreichender Schlaf und eine ausgewogene Lebensweise unterstützen den Heilungsprozess.
Eine Psychotherapie kann hilfreich sein, um Ängste abzubauen und Strategien zum Umgang mit Stress zu entwickeln. Auch Entspannungsverfahren wie Yoga können zum Behandlungserfolg beitragen.
Regelmäßiges Faszientraining kann helfen, Verspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Sportphysiotherapeut Dominic Glabisch zeigt entsprechende Übungen.
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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung „Volle Kanne“ am 02.06.2026, ab 09:05 Uhr.
