Müllskandal um belastete Asche in Südtirol



Italienische Ermittler haben offenbar einen grenzüberschreitenden Müllskandal aufgedeckt. Dutzende Carabinieri und Polizeibeamte vollstreckten in der norditalienischen Provinz Südtirol, in Österreich, Deutschland und Kroatien zwölf Haftbefehle. Weitere sieben Personen stehen im Visier der zuständigen Staatsanwaltschaft Trient.

Ermittlungen gibt es gegen insgesamt drei Unternehmen. Der illegale Abfallhandel soll von Südtirol ausgegangen sein. Dort ließ die Staatsanwaltschaft die Fernwärmeanlage in Laas beschlagnahmen und unter Zwangsverwaltung stellen.

Die Ermittlungen begannen bereits 2019 und konzentrieren sich auf die verbotene Verwendung giftiger Asche aus der sogenannten Pyrovergasung. Bei dem Verfahren werden organische Abfälle wie Holz in einer sauerstofffreien Umgebung so stark erhitzt, dass sie zu Gas umgewandelt und zur Energieerzeugung genutzt werden können. Aus der dabei angefallenen belasteten Asche wurden in Serbien und Kroatien Grillbriketts und Düngemittel sowie Zusatzstoffe für Tierfutter und Beton hergestellt. In Deutschland und Österreich sollen die Produkte als Biokohle sowie als Dünge- und Futtermittel vertrieben worden sein. Analysen der Ermittler ergaben eine erhöhte Konzentration an polyzyklischen Kohlenwasserstoffen und Dioxinen.

Ermittler sprechen von hohen illegalen Gewinnen

Nach Überzeugung der Ermittler waren die Rädelsführer des illegalen Abfallhandels tief in Politik, Wirtschaft und Verwaltung eingedrungen und hatten Behörden unter Druck gesetzt. Zu den Verdächtigen gehören nach Medienberichten der Direktor des Südtiroler Landesamts für Abfallwirtschaft, Giulio Angelucci, sowie der Leiter der Landesumweltagentur, Flavio Ruffini. Sie sollen durch aktives Handeln und Unterlassung den illegalen Abfallhandel unterstützt und vertuscht haben.

Die Ermittler sind überzeugt, dass zwei italienische Unternehmen durch eingesparte Entsorgungskosten, den Verkauf der Rückstände als hochwertiges Produkt und durch Erlöse aus CO₂-Zertifikaten illegale Gewinne in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro erzielt haben. An den Ermittlungen waren auch Europol, Eurojust und das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) beteiligt.

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher zeigte sich „überrascht, um nicht zu sagen, geschockt“ von den Verhaftungen. Die betroffenen Mitarbeiter der Verwaltung der autonomen Provinz seien ihm und allgemein dafür bekannt gewesen, „sehr seriös und präzise zu arbeiten“. Er vertraue darauf, dass sie „nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und sich korrekt verhalten haben, auch in diesem Fall“, sagte Kompatscher. Der Landeshauptmann – vergleichbar den Ministerpräsidenten deutscher Bundesländer – äußerte zugleich sein „volles Vertrauen in die Justizbehörden“ zur Aufklärung der Vorwürfe.



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