Mehrfamilienhaus in Görlitz eingestürzt: Was bisher bekannt ist

Nach dem Einsturz eines Gründerzeithauses im sächsischen Görlitz sind zwei von den ursprünglich fünf Vermissten wohlauf. Das teilte eine Sprecherin der Polizei mit. Sie seien Gäste einer der Ferienwohnungen in dem Haus und hatten zum Zeitpunkt des Einsturzes noch nicht eingecheckt. Nun werde noch nach drei Personen gesucht, die nicht erreichbar seien, hieß es. Es könne sein, dass sich diese zum Zeitpunkt des Einsturzes im Haus aufhielten.
Am Einsturzort hielt sich ein Mann auf, der seine Frau und seine Cousine in dem eingestürzten Gebäude vermutete. Die Vermisstensuche soll die ganze Nacht über weitergeführt werden. An der Unfallstelle wurden unter anderem zwei Spürhunde eingesetzt. Das Haus war am frühen Abend eingestürzt, die genaue Ursache dafür ist noch unklar.
Gasleck Grund für den Einsturz?
Wenige Stunden nachdem das Haus in der Stadt im Osten von Sachsen in sich zusammengefallen war, wurde nach Polizeiangaben nach ein Gasleck gefunden. Es befinde sich unter den Trümmern. Polizeisprecherin Leuschner betonte, es sei trotzdem weiter unklar, ob der Einsturz durch das Austreten von Gas verursacht wurde. „Es muss nicht heißen, dass es eine Gasexplosion gab“, sagte sie.
Bis zum späten Abend waren insgesamt rund 120 Einsatzkräfte vor Ort. Dank spezieller Messgeräte könne trotz des Gaslecks nach Vermissten gesucht werden, sagte Leuschner. Zuvor hatten Zeugen der Polizei von einer Explosion und dem Geruch von Gas berichtet.
Einsatzkräfte rufen „Können Sie uns hören?“
Derzeit liefe an der Unfallstelle die Vermisstensuche auf Hochtouren, betonte Leuschner. Die Spürhunde kletterten auf die Trümmer und zeigten an, wenn sie etwas bemerkten. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks standen vor dem eingestürzten Gebäude und riefen: „Hier ist das THW, können Sie uns hören?“.
Nach Angaben des Ordnungsamtes handelt es sich bei dem Haus um ein Gebäude der Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen, die ein Tochterunternehmen der Stadt Görlitz ist. Der Bereich um das Haus wurde weiträumig evakuiert und abgesperrt. Am Dienstagmorgen (8.30 Uhr) soll es in der Jägerkaserne in Görlitz eine Pressekonferenz geben, bei der Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Polizei und Feuerwehr anwesend sein sollen.
Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands, sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen.
